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Kostenfalle Handy – Das Telefon im Ausland zu nutzen, kann teuer werden

Wer sein Gerät in der EU nutzt, muss vorsichtig sein. Zwar ist Roaming abgeschafft. Aber es gibt Ausnahmen, die teuer werden können.

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Eine Touristin in Paris beim Arc de Triomphe: Hoffentlich stimmt der Handyvertrag, sonst kann das Gespräch in die Heimat nach wie vor teuer werden.  Foto: 

Wie hat sich doch das gute alte Telefonieren in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Statt teurer Ferngespräche in einen anderen Landkreis am mausgrauen Telefonapparat der Bundespost im Wohnzimmer sind heute billige Flatrate-Verbindungen am Handy unterwegs nicht unüblich. Seit Mitte Juni ist Telefonieren noch preiswerter geworden: Es entstehen keine zusätzlichen Kosten bei Gesprächen aus dem Ausland nach Deutschland – zumindest theoretisch.

Wer beim Wandern in Finnland seinem Nachbarn in Deutschland erzählen will, wie schön das Nordlicht aussieht, macht dies für die gleichen Kosten, als wenn er daheim nur quer über die Straße anruft. Auch eine Whatsapp-Nachricht versehen mit einem Bild der Himmelserscheinung ist nicht teurer. Die neuen Regeln gelten grundsätzlich für alle Nutzer in jedem Land der EU sowie in Liechtenstein, Island und Norwegen.

Mit dem Wegfall der umstrittenen Roaming-Gebühr ging ein jahrelanger Kampf um Mobilfunkpreise in der EU zu Ende. Für die großen Betreiber war das über viele Jahre eine lukrative Einnahmequelle, aus der Milliarden-Beträge flossen. Manche Anbieter wollen aber wohl aus Auslands-Handygesprächen nach wie vor  so viel Geld wie möglich her­ausholen. Zumindest gibt es immer noch Kostenfallen beim Telefonieren innerhalb der EU.

So sind Gespräche von Deutschland aus in EU-Länder nicht billiger geworden. „Das bleibt ein großes Ärgernis“, klagt die Verbraucherschützerin Isabelle Buscke, die den Verbraucherzentrale Bundesverband in Brüssel vertritt. Telefonate ins Ausland fallen eben nicht unter die Neuregelung – „das kann durchaus mal 2 € die Minute kosten“.

Wer mit deutschem Handy-Vertrag aus Deutschland bei einem Autovermieter in Mallorca anruft, zahlt unter Umständen also mehr, als wenn er das gleiche Telefonat aus Portugal oder Polen führt. „Die Verbraucher müssen weiter in das Kleingedruckte schauen“, warnt Buscke. „Das ist das Knifflige und das Unbefriedigende an der Neuregelung.“

Eine weitere Kostenfalle sind Tarife, die vom Kunden erst aktiv umgestellt werden müssen. Bei den Verbraucherzentralen meldeten sich zum Beispiel Kunden von O2 und 1&1. Betroffen sind vor allem alternative Roaming-Tarife, die per Vertrag eine bestimmte Roaming-Option festlegen. Generell weist O2 auf seiner Homepage und in Rechnungen darauf hin, dass Kunden selbst tätig werden müssten, um in den Genuss der neuen „Roam like at home“-Regeln der EU zu kommen. Sie sollen eine SMS mit „JA“ an eine Kurzwahlnummer senden. Vodafone-Nutzer können die „EU-Option“ aus ihrem Vertrag streichen lassen und so monatlich bis zu 5 € sparen. Mobilfunkkunden sollten also vorsichtshalber die eigenen Tarifdetails überprüfen und beim Anbieter nachfragen, ob er automatisch umgestellt wurde.

Laut Stiftung Warentest lässt sich das Handy nur bei sieben von 16 Anbietern exakt so nutzen wie zuhause, ohne dass der Kunde etwas tun muss: Das sind Blau, Callmobile, Congstar, Fonic, Klarmobil, Mobilcom-Debitel und T-Mobile. So genannte Community-Verbindungen, also Verbindungen zwischen Kunden desselben Anbieters, von Discounter-Anbietern wie Aldi, Lidl und Tchibo sind auch in Zukunft kostenpflichtig. Wer kein festes Volumen für Telefonate und Internet-Surfen auch im Ausland hat, muss aufpassen. Außerdem gibt es immer mehr Deutschlandtarife, bei denen die Nutzung jenseits der Grenzen technisch ausgeschlossen ist.

Auch eine Einwahl in die Mobilfunknetze für Mobilfunk- oder Datennutzung auf Kreuzfahrtschiffen oder im Flugzeug kann hohe Kosten nach sich ziehen. Ist das Handy zu weit weg von Funkmasten auf Land, greift es möglicherweise auf Satelliten zu. 30 € für ein Megabyte Daten sind da schnell versurft. Auch die Datenkostensperre der EU-Roamingverordnung, die beim Erreichen von 59,90 € Gebühren das Internet abschaltet, greift in der Luft und auf See nicht.

Vorsicht ist auch in europäischen Ländern und ihren Grenzregionen geboten, die nicht zur EU gehören, wie Andorra, Monaco, San Marino, Türkei und der Schweiz.

Eine weitere Ausnahme kommt durch die so genannte Fair-Use-Regel zustande, erläutert Christine Steffen von der Verbraucherschutzzentrale NRW. Diese soll verhindern, dass sich Verbraucher einfach den billigsten Anbieter in Europa aussuchen und mit dessen Sim-Karten grenzenlos günstig telefonieren. „Anbieter können, wenn sie beobachtet haben, dass dies über einen Zeitraum von vier Monaten geht, Kunden anschreiben und verlangen, dass sie sich dazu erklären“, weiß Steffen. Vodafone behalte sich Aufschläge gemäß dieser Regelung vor, erklärt Unternehmenssprecherin Sarah Rötzer.

Und noch eine Stolperfalle gibt es. Seit vergangenem Jahr bieten deutsche Mobilfunk-Netzbetreiber Handy-Gespräche über eine Wlan-Internet-Verbindung an, das so genannte Voice over Wifi oder auch Wifi Calling. Im Ausland können damit aber zusätzlich Kosten entstehen, warnt das Onlinemagazin Teltarif.de. Denn beim Wifi Calling im Ausland gelte immer der Tarif, der auch für Anrufe aus Deutschland ins jeweilige Land greife. Dadurch kann ein Gespräch teurer als beim neuen regulierten EU-Roaming-Tarif werden.

Trotz dieser Stolpersteine halten die Verbraucherschützer die neue Roaming-Verordnung letztlich für einen Fortschritt und einen Meilenstein für den Verbraucher.

Wer seinen Bedarf kennt, kann vor der Reise Zusatzoptionen zum Beispiel im Nicht-EU-Ausland buchen. Kunden sollten im Ausland dann außerdem die SMS ihres Anbieters genau lesen, der über zusätzlich anfallende Gebühren informieren muss oder Warnungen verschickt, wenn das Surfvolumen aufgebraucht ist. Eine weitere Möglichkeit ist, sich lokale Prepaidkarten zu besorgen. afp

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