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Gläubiger bekommen ein wenig Geld zurück

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Rund viereinhalb Jahre nach den Bilanzbetrügereien und der Insolvenz des Leuchtenspezialisten Hess aus Villingen-Schwenningen gibt es für Geschädigte Geld. Insolvenzverwalter Volker Grub wird in den nächsten Tagen 7 Prozent der jeweils anerkannten Insolvenzforderungen an Betroffene überweisen. Gleichwohl sei der Abschluss des Insolvenzverfahrens noch nicht abzusehen. Letztlich rechnet Grub damit, dass lediglich rund 15 Prozent der geforderten Summen erstattet werden können. Insgesamt gehe es um Forderungen von 102,7 Mio. €.

Hess war Ende Oktober 2012 an die Börse gegangenen, begleitet unter anderem von der Landesbank-Baden-Württemberg. Experten bescheinigten dem Unternehmen eine hervorragende Geschäftslage und glänzende Zukunftsaussichten.

Im Januar 2013 tauchten erste Ungereimtheiten auf, als Vorstandschef Christoph Hess und Finanzchef Peter Ziegler vom Aufsichtsrat fristlos entlassen wurden.  Grund: falsche, viel zu positive Darstellung der Finanz- und Vermögenslage des Unternehmens. Die Staatsanwaltschaft Mannheim nahm Ermittlungen auf. Keine vier Wochen später war die Hess AG pleite.

Seitdem läuft das Insolvenzverfahren, betreut vom erfahrenen Insolvenzverwalter Grub aus Stuttgart. Seinen Angaben zufolge ist das Ende nicht abzusehen, weil die Prozesse gegen Hess und Ziegler sowie Ex-Aufsichtsratschef Jürgen Hess noch nicht abgeschlossen sind.

Ex-Manager legen Berufung ein

Zwar hat das Landgericht Konstanz nach einem vier Jahre dauernden Verfahren Hess und Ziegler Ende Juni zu Schadensersatzzahlungen in Höhe von 2 Mio. € plus Zinsen an den Insolvenzverwalter verurteilt. Gegen dieses Urteil haben die beiden Ex-Manager Berufung eingelegt. „Dort wird mit einer weiteren Prozessdauer von mehreren Jahren gerechnet“, sagt Grub. Grund: Das Gericht sei völlig überlastet.

 Daneben hat die Staatsanwaltschaft Mannheim im September 2015 Christoph Hess, Peter Ziegler, Jürgen Hess und vier weitere Ex-Manager wegen Kapitalanlagebetrug, Marktmanipulation und Kreditbetrug angeklagt. „Bis heute ist noch nicht einmal über die Zulassung der Anklage entschieden“, klagt Grub. Auch hier sei die Wirtschaftsstrafkammer stark überlastet.

Schließlich ist ein Strafprozess wegen Untreue gegen Christoph Hess vor dem Amtsgericht Villingen-Schwenningen ausgesetzt, weil der Ex-Manager angeblich nicht verhandlungsfähig ist. Zudem läuft vor dem Landesarbeitsgericht Freiburg auch noch ein weiterer Rechtsstreit gegen Jürgen Hess.

Das operative Geschäft von Hess wurde bereits 2013 von der niederländischen  Nordeon-Gruppe übernommen. Sie zählt an vier Standorten 600 Beschäftigte. Bei der Hess GmbH in Villingen-Schwenningen sind es laut Jahresabschluss 2015 rund 140. Die Hess AG ist heute nur noch eine juristische Hülle, um Ansprüche von Gläubigern abzuwickeln. otr

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