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Gemeinsame Filialen von Banken: Geldgeschäfte „in der Fläche“

Sparkassen und Volksbanken im Südwesten haben das gleiche Kostenproblem. Gemeinsame oder auch mobile Filialen können eine Lösung sein.

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Die Sparkasse Günzburg-Krumbach  zählt zu den Pionieren. Sie hat in Gundremmingen schon vor zehn Jahren einen Weg ein­geschlagen, der sich mittlerweile weiterentwickelt hat. Gut möglich, dass daraus ein Trend wird. Denn dass sich Sparkassen und Volksbanken gemeinsam eine Geschäftsstelle teilen, folgt einer ­Logik, der sich die ganze Branche stellen muss: Die Zahl der Filialen geht zurück, weil die Zahl der Kunden, die persönlich dort ihre Geldgeschäfte erledigen, ebenfalls zurück geht. In den vergangenen 20 Jahren hat sie sich ­bundesweit auf rund 32.000 ­halbiert.

Weil aber gerade die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken „in der Fläche“, also auf dem flachen Land, vertreten sein wollen, bietet sich die gemeinsame Geschäftsstelle an. So wie in Bühl im Bibertal oder in Etten­beuren, Gemeinde Kammeltal. Dort arbeiten die beiden Konkurrenten gemeinsam unter einem Dach. Vormittags haben die Sparkassen-Kunden ihre Ansprechpartner, nachmittags sind die Raiffeisen-Kollegen für ihre Klientel da.  Sparkassenchef Walter Pache sagte seinerzeit: „Jeder von uns gibt zwar einen Teil auf; doch unterm Strich gewinnen beide.“­

Solche Gemeinschaftsunternehmungen zweier unterschiedlich strukturierter Banken – hier Genossenschaften, dort öffentliche, also unter politischer Kon­trolle stehende Sparkassen – gibt es vereinzelt auch in Baden-Württemberg, beispielsweise in Aurich, einem Ortsteil von Vaihingen/Enz. Mehr als eine Handvoll Beispiele werden es aber nicht sein, schätzt Thomas Hagenbucher, Pressesprecher des Genossenschaftsverbandes Baden-Württem­berg (BWGV): „Alles noch sehr überschaubar.“

Das gilt auch für die abgespeckte Form der Kooperation: Beide teilen sich eine Selbstbedienungsstation (SB-Filiale). Der Geldautomat darin kann von Kunden der Sparkasse und der Volksbank gleichermaßen genützt werden. Auch davon gibt es in Baden-Württemberg noch nicht viele Beispiele, sagt Hagenbucher. Dabei ließen sich Kosten sparen. Ein Geldautomat kostet zwischen 15.000 und 20.000 Euro, er muss oft täglich befüllt und instand gehalten werden, sagt Stephan Schorn, Sprecher des Sparkassenverbandes im Land (SVBW). „Es sind  aber immer absolute Ausnahmen und es werden auch Ausnahmen bleiben.“

Das betonen sowohl die Sparkassen als auch die Genossenschaftsbanker. Von Fusionen über die Lager hinweg, wie sie   zum Beispiel der Chef der Hamburger Volksbank, Reiner Brüggestrat, im Februar zur Diskussion gestellt hatte, kann im Südwesten keine Rede sein. Derlei sei „auch in Zukunft ausgeschlossen und rechtlich gar nicht möglich“. Und wünschenswert sei es auch nicht für die Kunden, weil damit der Wettbewerb und die Wahlmöglichkeiten für sie wegfielen.

Fast wort-, auf jeden Fall sinngleich äußern sich die Volks- und Raiffeisenbanken. Gleichwohl drückt der Kostendruck zur Zusammenarbeit der beiden Lager. Die gibt es zum Beispiel auf der Ebene der Verbände, wenn sie gleiche Interessen vertreten. So treten GVBW und SVBW Seit’ an Seit’ bei der EU in Brüssel auf, um für das dreisäulige deutsche Bankensystem und dafür zu werben, dass laut Hagenbucher „die Besonderheiten der mittleren und kleinen Banken“ berücksichtigt werden, wenn es um die Vorgaben der Regulierung geht. Die mittleren und kleinen Banken sind die Sparkassen und Volksbanken – in Abgrenzung zur dritten Säule, den privaten Großbanken wie Deutsche Bank und Commerzbank.

„Hier haben beide Institutsgruppen die gleichen Interessen“, sagt Sparkassensprecher Stephan Schorn. Er fügt noch an, dass man auch beim Bezahlsystem im Internet, namens „Paydirekt“, gemeinsame Sache mit den Genossen mache. Oder beim Geldtransport. Auch bei der Personalentwicklung oder bei „diversen Backoff-Tätigkeiten ohne Kundenwirkung“ arbeite man hin und wieder zusammen, ergänzt Schorns Kollege Hagenbucher.

Verändertes Kundenverhalten

So wird es in Zukunft zwar nicht zum großen Zusammenschluss zwischen den beiden Bankenlagern kommen, aber die veränderten Verhaltensweisen der Kunden, von neuen technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters befördert oder erst ermöglicht, verändern die Landschaft allgemein  und die „in der Fläche“ ganz besonders. Für die SÜDWEST PRESSE haben die beiden Verbände den Zehn-Jahres-Vergleich gemacht und aufgelistet, wie viele Filialen – mit und ohne Personal ­– sie 2006 und 2016 unterhielten (siehe Tabelle).

Die Zahlen bezeugen einen klaren Trend: Immer weniger eigenständige Institute (als Folge von Fusionen), immer weniger Filialen – vor allem die Zweigstellen, in denen der Kunde noch seinen Bankberater oder den, wie es früher hieß, „Schalterbeamten“ vor sich hat, werden weniger, die Selbstbedienungsstellen mit den Geldautomaten und Kontoauszugsdruckern mehr. Die Maschine verdrängt den Mensch – auch weil es ohne den Mensch geht.

Wird der Trend weitergehen? Ja, allerdings in kleinen Schritten, heißt es bei beiden Verbänden. Schorn sagt: „Grund dafür ist vor allem, dass manche Filialen nur noch selten genutzt werden, da immer mehr Kunden per Online-Banking oder über die Sparkassen-App ihre Bankgeschäfte erledigen.“

„Absolut zumutbar“

Sein Kollege Hagenbucher beruhigt und sagt, dass man auch weiterhin „ein sehr dichtes Filialnetz betreiben“ werde. Der Weg zur nächsten Stelle zum Geldabheben bleibe „auch in Zukunft extrem kurz und absolut zumutbar für unsere Kunden“.

Wo es aus Kostengründen nicht mehr zumutbar ist, der persönliche Kontakt zur älteren Kundschaft „in der Fläche“ aber aufrechterhalten werden soll, werden auch unkonventionelle Modelle eingesetzt – zum Beispiel die Bank auf Rädern. Die Sparkasse Neu-Ulm klapperte schon vor Jahren mit einem umgebauten LKW die Dörfer ab. Die rollende Filiale der Sparkasse Bodensee oder der Kreissparkasse Göppingen sieht wie ein aufgerüstetes Wohnmobil aus. Und auch die Volksbanken Heidenheim und Hohenlohe fahren mit dem High-Tech-Geldtransporter vor.

Kommentar zu Banken, die Filialen schließen: Regt niemand mehr auf

Der Fortschritt ist eine Schnecke, sagte Günter Grass, der Großschriftsteller. Die Physiker kennen das Gesetz von der Trägheit der Masse. Und einer ihrer Größten, Galileo Galilei (1564 - 1641), sagte: „Und sie bewegt sich doch“. Er meinte zwar die Erde, weil es SB-Geldautomaten seinerzeit noch nicht gab. Aber auch auf das Bankwesen ließen sich solche Erkenntnisse mühelos übertragen. Es ändert sich vieles, aber nur langsam.

Natürlich werden die Banken die Zahl ihrer Filialen,  in welchen noch jemand am Schalter sitzt und einem die Scheine hinblättert, reduzieren. Die ersten Geldautomaten läuteten schon vor Jahrzehnten den Trend ein, den es überall gibt: Was Maschinen zuverlässiger und billiger machen können, setzt sich durch. So wird es auch in den kommenden Jahren mit dem Online-Banking gehen.

Besonders stark sind die Sparkassen und Volksbanken betroffen. Sie fühlen sich buchstäblich allen verpflichtet und wollen deshalb auch überall vor Ort sein. Ihr enges Filialnetz ist für die Kundschaft zwar eine schöne Sache, aber es ist teuer. Und weil der Konkurrenzdruck gerade im Bankenbereich groß ist, werden unrentable Filialen auch in Zukunft geschlossen.

Es wird aber auch in vielen Jahren noch genug Stellen geben, an denen man sein Geld ausbezahlt bekommt. Dass dies der Automat macht, regt schon heute keinen Mensch mehr auf.

Ein Kommentar von Helmut Schneider

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