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Britischer Ferienflieger Monarch ist am Boden

Der ruinöse Preiskampf der europäischen Luftfahrt-Branche fordert das nächste Opfer. Die Britische Regierung startet eine Rückholaktion für gestrandete Urlauber.

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Zu Beginn der Woche stellte Monarch den Flugbetrieb ein. Britische Touristen werden jetzt mit Chartermaschinen nach Hause geholt.  Foto: 

Die Insolvenz der fünftgrößten britischen Airline Monarch wirft ein Schlaglicht auf den ruinösen Wettbewerb der europäischen Fluggesellschaften: Nach Alitalia und Air Berlin ist nun auch Monarch in diesem Jahr das Geld ausgegangen. Die Briten haben zu Wochenbeginn den Flugverkehr eingestellt.

Schon seit geraumer Zeit mahnen Branchenexperten eine Konsolidierung an. Während in Nordamerika auf die fünf größten Anbieter 85 Prozent der Sitzplätze entfallen, ist der Markt in Westeuropa zersplittert. Mehr als 230 Fluggesellschaften buhlen um Kunden.

Mehr Passagiere, weniger Ertrag

„Der Preiskampf hat in diesem Jahr an Schärfe zugenommen“, sagte Monarch-Chef Andrew Swaffield. Gegenüber den 2100 Mitarbeitern begründete er das Aus mit den  Terrorattacken in Tunesien und Ägypten sowie der Lage in der Türkei. Auch das schwächelnde Pfund habe zur Insolvenz beigetragen. Nach seinen Worten hat die Fluggesellschaft dieses Jahr 14 Prozent mehr Passagiere befördert und dabei 100 Mio.  Pfund weniger verdient.

Das Scheitern der dritten Airline in diesem Jahr in Europa  ist nach den Worten des Analysten Neil Wilson vom Handelshaus ETX Capital ein Zeichen von Überkapazität und viel zu aggressiver Preispolitik.  Vor allem letztere führt zu sinkenden Erträgen und und damit zu Verlusten. Denn die Gewinnspanne der europäischen Fluggesellschaften ist schmal. Sie liegt unter 6 Prozent. In Deutschland sind es laut Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft weniger als 5 Prozent.

Eric Heymann, Branchenexperte der Deutschen Bank bringt es auf den Punkt: Viele Anbieter, also geringe Marge. Die Überkapazitäten auf dem westeuropäischen Luftfahrtmarkt seien mit den Pleiten von Alitalia, Air Berlin und Monarch aber noch nicht beseitigt, sagte Heymann dem „Deutschlandfunk“. Er rechnet damit, dass es weiterhin zu einer Konsolidierung kommen wird: „Aber das wird nicht so schnell geschehen, wie man das vielleicht heute vermutet.“

Die britische Regierung hat unterdessen nach eigenen Angaben die größte Rückholaktion des Landes in Friedenszeiten gestartet. Etwa die Hälfte der 110.000 im Ausland gestrandeten Passagiere soll noch in dieser Woche mit gecharterten Flugzeugen nach Hause gebracht werden. Dafür hat die Regierung der Luftverkehrsbehörde den Auftrag gegeben, 30 Maschinen zu chartern. Der Chef der Luftverkehrsbehörde CAA, Andrew Haines, sprach von einem „guten Start“. Bis Dienstagabend sollten mehr als 23.000 Urlauber vor allem aus Spanien zurückgeholt werden. Betroffen sind von der Insolvenz unter anderem Urlauber in Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien und Portugal. Sie sollen innerhalb von 14 Tagen alle wieder zu Hause sein.

Der britische Verkehrsminister Chris Grayling nannte die Lage für die gestrandeten Monarch-Urlauber beunruhigend. „Niemand sollte die Größe der Herausforderung unterschätzen. Daher bitte ich die Passagiere, geduldig zu sein“,  sagte Grayling.Ein halbes Jahrhundert nach der Gründung hatte Monarch Airlines am Montag den Betrieb eingestellt. Damit haben auch 300.000 Buchungen von 750.000 Passagieren verloren ihre Gültigkeit; darin enthalten sind Gruppenbuchungen. Insgesamt sind den Angaben zufolge 860.000 Kunden von der Insolvenz betroffen. Die CAA sprach vom größten Scheitern einer britischen Airline.

860.000 Kunden betroffen

Der Fluggesellschaft war es zuvor nicht gelungen, ihre Lizenz zu verlängern, weil sie nicht über entsprechende Finanzmittel verfügte, um Pauschalreisen inklusive Flügen anzubieten. Hauptanteilseigner Greybull Capital hatte im Oktober versucht, Monarch mit einer Kapitalspritze von 185 Millionen Euro zu retten.

Vor dem Lizenzentzug hatte Monarch mit der British-Airways-Mutter International Airline Group und Easyjet Gespräche geführt. Dabei ging es nach britischen Medienberichten um eine Übernahme der gesamten Flotte, der Mitarbeiter und um die Flugrechte. Doch die Gespräche scheiterten. Die britische Regierung lehnt es ab, Monarch einen Überbrückungskredit zu gewähren. Nach Angaben der Insolvenz­verwalter von der britischen Firma KPMG werden durch die Monarch-Pleite fast 1900 Arbeitsplätze wegfallen.

Die Insolvenz der britischen Fluggesellschaft Monarch Airlines ist am Bodensee-Airport in Friedrichshafen kaum spürbar. Passagiere seien derzeit noch nicht betroffen. Die absehbaren wirtschaftlichen Folgen hielten sich daher in deutlichen Grenzen, sagte Bettina Natterer vom Marketing des Flughafens. „Die Monarch war im Winterflugplan (29. Oktober bis 24. März) einmal pro Woche von London nach Friedrichshafen geplant – vor allem für britische Skitouristen“, sagte  Natterer. Das falle zwar nun weg, aber die Strecke nach London  werde weiterhin von den Anbietern  British Airways und Easyjet bedient. dpa

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