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„Wir haben die Planung vergeigt“

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    Gegenwind für Ryanair-Chef Michael O’Leary. Foto: 
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Seifenblase92“ sorgt sich: „Nun hab ich ein paar Mal gelesen, Ryanair würde des öfteren Flüge absagen und man steht dann am Flughafen und hat keinen Ansprechpartner, wäre natürlich ziemlich blöd.“ Die junge Frau  macht sich in einem Internetforum möglicherweise zu Recht Gedanken über ihren Urlaub, denn der irische Billigflieger will bis Ende Oktober rund 2000 Flüge streichen (wir berichteten). Es könnten aber auch mehr werden, mutmaßt Luftfahrt­experte Heinrich Großbongardt. „Die Auswirkungen sind noch nicht absehbar. Die Planung ist aufgrund gesetzlicher Regelungen kompliziert wie vierdimensio­nales Schach. Piloten und Crew sind immer nur bestimmte Stunden einsetzbar. Schwierigkeiten ergeben sich oft noch weit in der Zukunft.“

Ein Indiz dafür gibt es schon. So hat das Unternehmen angekündigt, täglich 40 bis 50 Flüge streichen zu wollen. Am vergangenen Wochenende waren es aber laut Medienberichten 162 Verbindungen – und damit deutlich mehr als erwartet. Auf seiner Internetseite hat Ryanair gestern die Liste aller betroffenen Flüge veröffentlicht. Danach werden heute etwa 53 Verbindungen gestrichen. Betroffen sind in Deutschland je ein Flug nach Düsseldorf, Köln/Bonn und Dortmund.

Was genau für die Streichung so vieler Flüge sorgt, ist nicht ganz klar. Ryanair spricht selbst davon, dass die Pünktlichkeit in den ersten beiden Wochen im September auf einen „inakzeptablen Wert“ von unter 80 Prozent gefallen sei und entsprechende Maßnahmen nötig wurden. Als Gründe werden Kapazitätsprobleme, Streiks bei der Flugsicherung, ex­treme Wetterereignisse und eine Verschiebung der Urlaube bei Piloten und Flugbegleitern genannt. „Wir haben die Urlaubs­planung für unsere Piloten vergeigt und arbeiten nun hart daran, das zu korrigieren“, sagt Marketingchef Kenny Jacobs laut Branchenportal „Aero“.

Großbongardts hält dies für möglich. Ryanair gilt als wirtschaftlichste Airline der Welt, die Personalplanung sei eng. „Wenn die Gestaltungsreserve über die Sommermonate aufgebraucht ist, wird es knapp.“ Dass die Airline Kapazitäten zurückhalte, um bei einem endgültigen Aus von Air Berlin kurzfristig freiwerdende Start- und Landerechte zu übernehmen, wie gemutmaßt wird, hält der Experte dagegen für wenig glaubhaft. „In nennenswertem Umfang kann Ryanair etwa Lufthansa nichts wegschnappen.“ Andererseits koste der Ausfall so vieler Flüge 30, 40 oder sogar 50 Mio. €, „das wäre ein sehr teurer Plan“. „Nach der Landung lobt sich die Airline in der Maschine gern als ,pünktlichste Fluggesellschaft Europas’ selbst. Die Ausfälle schaden nun der Marke und schmerzen besonders.“ Ryanair expandiere derzeit stark.

Auch der Weggang von Piloten zur Konkurrenz, wie vermutet wurde, hat laut Großbongardts nichts mit den Streichungen zu tun. Allerdings kündigte Ryanair eine Art Einstellungsprämie von 10 000 € für Piloten an. Der Fluggesellschaft wird seit langem vorgeworfen, sie beute ihre Mitarbeiter mit Knebelverträgen und Niedriglöhnen regelrecht aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Piloten von Ryanair, die unter dem Deckmantel der Selbstständigkeit im Cockpit gesessen und so den deutschen Staat um Sozialabgaben betrogen haben sollen. Auch Manager könnten dabei mitgemacht haben, glauben die Ermittler.

Flugausfälle sind bei Airlines nichts besonderes. In dieser Dimension allerdings schon, sagt der Experte. „Das wird auch nicht so bleiben, dafür sorgen künftig schon die Aktionäre.“

Im Internet heißt es in einem Beschwerdeforum über Probleme mit Ryanair kurz: „Du bekommst, was du zahlst.“

Mit dem Buchen des Tickets durch den Kunden wird ein Vertrag geschlossen, an den sich Ryanair halten muss. Auf ihrer Internetseite bietet die Airline das Beantragen einer Rückerstattung oder Umbuchung an. Liegen weniger als zwei Wochen zwischen Ankündigung des Flugausfalls und Antritt der Reise, besteht laut Verbraucherschützern zudem der Anspruch auf eine Ausgleichszahlung von bis zu 600 €. Die EU-Kommission weist außerdem darauf hin, dass Ersatzflüge dann nicht mehr als eine Stunde früher abgehen und maximal zwei Stunden später als die ursprüngliche Verbindung ankommen dürfen. vt

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