Partner der

WHO will rauchfreie Kino-Filme

Rauchende Colts sind okay. Rauchende Cowboys nicht. Schon gar nicht, wenn sie von Stars gespielt werden. Die WHO warnt vor dem Nachahmer-Effekt bei Jugendlichen und fordert strenge Auflagen.

|
Vorherige Inhalte
  • Heute allles andere als ein Held: Brad Pitt 2001 als rauchender Boxer im Film "Snatch". 1/2
    Heute allles andere als ein Held: Brad Pitt 2001 als rauchender Boxer im Film "Snatch". Foto: 
  • Filmemacher Paolo Sorrentino pocht auf künstlerische Freiheit. 2/2
    Filmemacher Paolo Sorrentino pocht auf künstlerische Freiheit. Foto: 
Nächste Inhalte

Hollywood-Legende Donald Sutherland ist ein Star nach dem Geschmack der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der 80-Jährige, der gerade wieder als Bösewicht Snow in "Die Tribute von Panem" glänzte, gilt als kämpferischer Nichtraucher. Im 100-Meter-Umkreis von Sutherland dürfe niemand rauchen, berichteten Kollegen von Dreharbeiten mit dem Altstar. Das sollte grundsätzlich auch auf der Leinwand und am TV-Bildschirm so sein, fordert die WHO.

In einer Studie warnt sie nun einmal mehr vor dem Einfluss von Filmen mit rauchenden Stars auf Kinder und Jugendliche. Zugleich fordert sie Regierungen auf, dafür zu sorgen, dass die Altersfreigabe für Filme mit Raucher-Szenen nach oben gesetzt wird. Zudem sollen staatliche Subventionen für solche Produktionen gestrichen werden.

"Filme, in denen Tabakprodukte konsumiert werden, haben Millionen von jungen Menschen dazu verleitet, mit dem Rauchen anzufangen", betont die WHO zur Vorlage ihres "Smoke-Free Movies Report". Für die Tabakindustrie seien Filme angesichts strenger Werbeverbote für Zigaretten "einer der letzten verbliebenen Kanäle, um Millionen von Heranwachsenden Szenen des Rauchens auszusetzen", sagt der zuständige WHO-Direktor Douglas Bettcher.

Dass Rauchen zu Lungenkrebs sowie Herz- und zahlreichen weiteren Krankheiten führen kann, gilt längst als erwiesen. Umso schlimmer, so die WHO-Studie, dass neuen Untersuchungen in den USA zufolge das Vorbild paffender Filmstars für 37 Prozent der neuen jungen Raucher der Auslöser gewesen sei, selbst zur Zigarette zu greifen.

Nach Schätzungen der US-Gesundheitsbehörde CDC könnten 2014 sechs Millionen amerikanische Jugendliche durch solche Filme zum Rauchen verleitet worden sein. Etwa zwei Millionen von ihnen könnten an tabakbedingten Krankheiten sterben, meint die WHO. Betroffen ist längst nicht nur Hollywood. Filme etwa aus Deutschland, Italien oder Polen bieten laut WHO sogar mehr Raucherszenen als US-Produktionen.

Die WHO will auch vermutete stille Geschäfte zwischen Tabakkonzernen und so manchem Studio unterbinden. Filmproduzenten sollen einen Ehrenschwur leisten: Im Abspann sollen sie erklären "nichts von Wert für das Zeigen von Tabakprodukten" in dem jeweiligen Film erhalten zu haben. Zudem sollen Kinos, TV-Sender und Online-Anbieter verpflichtet werden, "Anti-Rauchen-Werbung vor jedem Film mit Tabakszenen" zu zeigen.

Ihren "Smoke-Free Movies Report" legte die WHO nach 2009 nun in der dritten aktualisierten Form vor. Während sich die Tabakindustrie bei dem Thema gern völlig bedeckt hält, gibt es unter Regisseuren und Schauspielern unterschiedliche Ansichten - bis hin zur Ablehnung. Der italienische Regisseur Paolo Sorrentino etwa, der mit seinem Spielfilm "La Grande Bellezza - Die große Schönheit" 2013 der Stadt Rom samt ihren Zigarettenrauchern ein Denkmal setzte, hält gar nichts davon: Im Kino habe nicht das Gesundheitsministerium, sondern die künstlerische Freiheit zu regieren, erklärte er.

Doch es gibt Filme und Serien ganz ohne blauen Dunst. Die Deutsche Krebshilfe und das Aktionsbündnis Nichtrauchen vergeben dafür jedes Jahr ihr "Rauchfrei-Siegel". 2015 haben es die ZDF-"Rosenheim-Cops" bekommen, davor die ARD-Krankenhaus-Serie "In aller Freundschaft". Allerdings: Wie viele Jugendliche mögen da wohl zuschauen?

Andere Filmemacher sagen, die Zigarette werde aus ihren Werken erst verschwinden, wenn im realen Leben kaum noch jemand raucht. Ihre einst stilprägende Rolle hätten die Glimmstängel ohnehin nicht mehr, meinten Autoren des 2014 vom Deutschen Filminstitut herausgegebenen Bands "Thank You for Smoking - Die Zigarette im Film".

Die Ära des stilvollen Paffens durch Größen wie Humphrey Bogart, Marlene Dietrich oder Marlon Brando ist jedenfalls längst vergangen. Selbst laszive Glimmzüge von Sharon Stone in "Basic Instinct" oder von Uma Thurman in "Pulp Fiction" wirken wie von anno dazumal. Ganz zu schweigen von Clint Eastwood. In seiner Italo-Western-Phase war er als "El Cigarillo" ohne Stumpen im Mund kaum vorstellbar. Erst viel später sprach sich herum, dass Eastwood Nichtraucher ist - und womöglich teils auch dieser Tatsache sein ansehnliches Alter von 85 Jahren bei guter Gesundheit verdankt. Gar nicht so selten sind es in Filmen zudem nicht die Guten, sondern miese Typen, die sich einen "Sargnagel" nach dem anderen reinziehen. Ein positives Vorbild dürften die kaum abgeben.

Anders war das freilich mit dem guten New Yorker Polizisten John McClane. Der brauchte im Kampf gegen Fieslinge öfters eine Rauchpause. Bis Hollywood-Star Bruce Willis "die Schnauze voll vom Rauchen" hatte, wie er 2007 im "Spiegel" sagte. So kam es, dass im vierten Teil von "Stirb langsam" Superheld McClane nicht mehr raucht. "Ich möchte nicht wissen, mit wie vielen Zigaretten ich meine Lunge geteert habe", sagte der reumütige Willis (60).

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

12,5 Jahre Haft: „Unglaubliche Dimension der Schrecklichkeit“

Der 40-jährige Spanier, der im Februar in Vaihingen seine beiden Kinder getötet haben soll, muss für 12,5 Jahre in Haft. Er soll zudem in eine geschlossene Psychiatrie. weiter lesen