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Weit, weiter, „Voyager“: Zwillings-Sonden fliegen seit 40 Jahren

Die beiden „Voyager“-Sonden der Nasa sind die am weitesten von der Erde entfernten Objekte des Menschen. Eigentlich sollte die Mission nur vier Jahre dauern - mittlerweile sind es 40.

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  • „Voyager“ im All. 1/8
    „Voyager“ im All. Foto: 
  • Die goldene Schallplatte ist voller Informationen über die Erdlinge.  2/8
    Die goldene Schallplatte ist voller Informationen über die Erdlinge. Foto: 
  • „Voyager 1“ am Jupiter mit Io. 3/8
    „Voyager 1“ am Jupiter mit Io. Foto: 
  • Vulkane auf dem Mond Io. 4/8
    Vulkane auf dem Mond Io. Foto: 
  • „Voyager 2“ knipste Saturn. 5/8
    „Voyager 2“ knipste Saturn. Foto: 
  • Neptun, fotografiert mit Filter. 6/8
    Neptun, fotografiert mit Filter. Foto: 
  • Die Anleitung zur Schallplatte. 7/8
    Die Anleitung zur Schallplatte. Foto: 
  • SWP GRAFIK 8/8
    SWP GRAFIK Foto: 
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Gute Musik haben die beiden Sonden auf jeden Fall im Gepäck: Den Song „Johnny B. Goode“ der Rock‘n‘Roll-Legende Chuck Berry, dazu klassische Musik von Bach, Mozart und Beethoven sowie Klänge aus Ländern wie Australien, Bulgarien, Japan und Peru, alles auf goldene Datenträger gepresst. Auch 115 Bilder und Grußbotschaften an Außerirdische in 55 verschiedenen Sprachen sind auf den Datenträgern gespeichert. „Da die Sonden Milliarden von Jahren halten könnten, könnten diese Datenträger-Zeitkapseln einmal die einzigen verbliebenen Spuren der Menschheit sein“, heißt es bedeutungsschwer von der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Schon von Anfang an war der Nasa klar: Die Zwillingssonden „Voyager 1“ und „Voyager 2“ gehen auf ganz große Reise, vorbei an den Planeten unseres Sonnensystems und darüber hinaus. Auf vier Jahre war die Mission ursprünglich angelegt, aber am kommenden Sonntag jährt sich der Start von „Voyager 2“ (Reisender) schon zum 40. Mal.

Am 20. August 1977 war die Sonde gestartet, ihre Zwillingsschwester „Voyager 1“ kurz darauf am 5. September 1977 – und immer noch fliegen beide durchs All und senden munter ihre Daten zur Erde. Längst gilt die Mission der beiden „kosmischen Überflieger“ als eine der erfolgreichsten Nasa-Unternehmungen aller Zeiten.

„Wenige Missionen können je die Errungenschaften der ,Voyager’-Sonden erreichen“, sagt Nasa-Manager Thomas Zurbuchen. „Sie haben uns über die zuvor unbekannten Wunder des Universums aufgeklärt und die Menschheit inspiriert, unser Sonnensystem und alles darüber hinaus zu entdecken.“

Rund 20 Milliarden Kilometer ist „Voyager 1“ inzwischen von der Erde entfernt – so weit wie kein anderes vom Menschen gebautes Objekt. Bei „Voyager 2“ sind es bisher rund 17 Milliarden. „Voyager 1“ rast Richtung Norden durch das All, ihre Funksignale sind mehr als 17 Stunden zur Erde unterwegs.

2012 wurde „Voyager 1“ zur ersten Raumsonde, die in der Geschichte der Menschheit das Sonnensystem verlassen hat. „Voyager 2“ fliegt Richtung Süden und ist dank ihres früheren Starts die am längsten kontinuierlich betriebene Raumsonde.

Beide Sonden hatten ein Rendezvous mit Jupiter und Saturn, „Voyager 2“ besuchte dazu Uranus und Neptun – die einzige Sonde, die an all diesen Planeten vorbeiflog. Auch 48 Monde studierten die beiden Sonden. Atemberaubende Fotos sendete das Raumfahrt-Duo von der Atmosphäre des Jupiters, von den bis dahin unbekannten aktiven Vulkanen des Jupiter-Mondes Io und von den Ringen des Saturn.

Die musikalische Playlist der Voyager-Sonde:

Immer noch scheinen die beiden Sonden fit. Zwar werden sie wohl in den kommenden 40.000 Jahren an keinem Stern mehr vorbeikommen, aber sie schicken weiter munter Daten über die Zustände in der unerforschten Region namens Heliopause, in der der Einfluss der Sonne endet. Dass es um sie herum derzeit so leer ist, macht es auch weniger gefährlich für die Reisenden. „Niemand von uns wusste beim Start vor 40 Jahren, dass irgendwas hier noch funktionieren würde und dass wir diese wegweisende Reise noch fortsetzen würden“, sagte Nasa-Manager Ed Stone. „Das aufregendste, was sie in den kommenden fünf Jahren entdecken werden, ist wahrscheinlich etwas, von dem wir nichts ahnen.“

Die Sonden waren von Anfang an in weiser Voraussicht Weltall-fest gebaut. Gut geschützt, um auch in der harschen Umgebung von Jupiter zu überleben, und mit Backup-Systemen versehen. Betrieben wird das „Voyager“-Duo mit langlebigen Plutonium-Generatoren – nach 88 Jahren wird nur die Hälfte des Plutoniums verschwunden sein.

Trotzdem nimmt die Kraft der Sonden Jahr für Jahr ab und die Ingenieure müssen sich daran anpassen. Dafür müssen sie häufig jahrzehntealte Dokumente oder längst in Rente gegangene Nasa-Ingenieure kontaktieren. „Die Technologie ist viele Generationen alt und es braucht jemanden mit Design-Erfahrung aus den 1970ern, um zu verstehen, wie die Sonden funktionieren und welche Updates gemacht werden können, damit sie heute und zukünftig weiter funktionieren können“, sagt Nasa-Managerin Suzanne Dodd.

Der 40. Geburtstag der je eine Tonne schweren Sonden soll noch lange nicht ihr letzter sein. Bis 2030 könnten einige der wissenschaftlichen Instrumente an Bord noch halten, vermutet die Nasa, dann müssen wohl auch die letzten abgeschaltet werden. Aber auch wenn sie verstummen, werden die Sonden nicht aufhören zu fliegen – mit rund 48.000 Stundenkilometern immer weiter durch die Milchstraße.

Eine vielfältige und bunte Botschaft von der Erde an etwaige Bewohner eines fernen Sonnensystems begleitet die „Voyager“-Sonden. Die „Golden Record“ ist – damals zeitgemäß – eine goldüberzogene Kupfer-Schallplatte mit 30 Zentimetern Durchmesser, die vor dem Start an den Sonden befestigt wurde. Sie enthält Musik, Geräusche, Bilder und Grüße von der Erde. Da zufällig vorbeidüsende Aliens vermutlich nicht unbedingt einen Kofferplattenspieler zur Hand – oder was auch immer – haben dürften, ist dem Aluminium-Behälter, der die 110 Minuten lange Plattenbotschaft enthält, ein Nadelabspielsystem beigefügt. Der Behälter selbst gibt in mathematischer Kodierung Instruktionen, wie das geht.

Die musikalische Playlist sollte auch die ausgefallensten Geschmäcker fremdartiger Alien-Ohren treffen. Aus der Klassik etwa gibt es Bachs „2. Brandenburgisches Konzert, Erster Satz“ und Mozarts „Arie der Königin der Nacht“ aus der „Zauberflöte“ sowie Beethovens 5., die „Schicksalssinfonie“.
Galaktischen Blues bietet Blind Willie Johnson mit „Dark Was The Night, Cold Was The Ground“, und als Jazz-Beispiel dient Louis Armstrongs „Melancholy Blues“. Rock’n’Roll darf jenseits der Milchstraße auch nicht fehlen: Chuck Berry röhrt „Johnny B. Goode“.
Darüber hinaus sendet die Erde Beispiele für Mariachi-Musik aus Mexiko, Sackpfeifenklänge aus Aserbaidschan und ziemlich abgespacede Weltmusik-Klänge. Darunter sind Nachtgesänge der Navajo-Indianer, Panflöten von den Salomonen oder auch der Initiationsgesang der Pygmäenmädchen aus Zaire.

An Geräuschen gibt es unter anderem das sanfte Schmatzen eines Kusses, ein weinendes Baby und seine tröstende Mutter sowie Herzschläge. Auch Wind, Regen und Donner sollen neben anderen Lauten etwaigen Bewohnern eines fernen Himmelskörpers vom Leben auf der Erde im 20. Jahrhundert erzählen. Ebenso die 115 Bilder: von der Erde, von Menschen und ihrer DNA, Mann und Frau oder auch mathematische Formeln.

Hinzu kommen Grußtexte in 55 irdischen Sprachen Die deutsche Audio-Botschaft an das Universum klingt allerdings ziemlich nüchtern für eine derart weltbewegende Message. Die Germanistin Renate Born sagt mit der Begeisterung einer Telefonzeitansagerin recht emotionslos: „Herzliche Grüße an alle.“ Besser machen es da die Franzosen mit einem fröhlichen „Hallo, Ihr alle!“  US-Präsident Jimmy Carter spricht auf der Platte potentielle Hörer unter anderem mit dem Wunsch an: „Wir hoffen, daß wir uns eines Tages, wenn wir die jetzt noch vor uns liegenden Probleme gelöst haben, einer Gemeinschaft galaktischer Zivilisationen anschließen können.“
Bis dahin dürfte es angesichts der aktuellen Weltlage noch dauern. Aber auch wenn das Antlitz der Erde sich verändern wird und der irdische Musikgeschmack sowieso: Die „Golden Record“ selbst ist für die Ewigkeit gemacht. Die Lebensdauer der Scheibe soll eine Milliarde Jahre betragen – und wird damit wohl die menschliche Zivilisation überdauern. Sven Kaufmann

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