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Vor 50 Jahren kam die TV-Serie "Flipper" ins Fernsehen

Vor 50 Jahren kam die TV-Serie "Flipper" ins US-Fernsehen. Das trügerisch-idyllische Bild vom fröhlich-verspielten Menschenfreund löste einen regelrechten Delfin-Hype aus. Sehr zum Nachteil der Meeressäuger.

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Der 15-jährige Sandy und sein Freund Flipper. Die Filmrolle sieht einen männlichen Delfin vor, tatsächlich wird er von weiblichen Tieren "gespielt".  Foto: 

"Man ruft nur Flipper, Flipper, gleich wird er kommen, jeder kennt ihn, den klugen Delfin", tönte der Kinderchor mit den glockenhellen Stimmchen am 19. September 1964 zum ersten Mal aus den US-Fernsehgeräten. Der Meeressäuger wurde zum Serienhelden, dessen TV-Erfolg bis heute anhält. In Deutschland zeigte das ZDF von Januar 1966 bis März 1969 die spannenden Wasserabenteuer. Dank zahlreicher Wiederholungen bleibt Flippers Popularität bis heute ungebrochen. Noch im vergangenen Jahr kürte eine Rankingshow der ARD den Delfin zum beliebtesten TV-Tier aller Zeiten. Doch das wahre Schicksal hinter den Kulissen des "Lieblings aller Kinder" wurde erst im Nachhinein bekannt.

An den immer sonnigen Küsten Floridas arbeitet der verwitwete Chief Ranger Porter Ricks (Brian Kelly) als Aufseher des Naturschutzgebiets "Coral Key Parks". Seine beiden Söhne, der 15-jährige Sandy (Luke Halpin) und der zehnjährige, sommersprossige Bud (Tommy Norden) verbringen die meiste Zeit am Wasser, wo sie besonders gern mit Flipper spielen. Der dressierte Delfin hilft Menschen in Seenot, bei der Verbrecherjagd und kämpft für die gute Sache sogar mit Haien.

Wenn Flipper in den Weiten des Meeres unterwegs ist, hält Bud lediglich eine Handhupe ins Wasser und das schnarrende Geräusch lockt den Delfin zuverlässig an. Er gehört quasi zur Familie und rettet jede Situation, alle 88 Episoden münden in einem Happy End. Wie bereits bei "Bonanza" spielen Frauen übrigens keine große Rolle.

Nach anderen tierischen Serienstars wie dem Hund "Lassie" und dem Pferd "Fury" war laut Drehbuch auch Flipper mit einer nahezu menschenähnlichen Intelligenz ausgestattet, die ihm obendrein noch eine moralische Integrität verschaffte. Nicht die einzige Fiktion. Entgegen des weitverbreiteten Glaubens war der Delfin nicht einmal männlich. Beim Dreh schlüpften insgesamt fünf weibliche Tümmler in seine Rolle. Flipper wurde hauptsächlich von Susie "gespielt", mitunter auch von Kathy. In manchen Szenen mussten Patty, Scotty oder Squirt einspringen.

Die weiblichen Delfine wurden ausgewählt, weil sie weniger aggressiv als ihre männlichen Artgenossen waren und ihre Haut keine Narben aufwies. Denn die holen sich männliche Tümmler häufig bei Revierkämpfen. Das berühmte Gezwitscher und schnatternde Quäken Flippers stammte im Original von Schauspieler Mel Blanc, der seine Stimme auch Comicfiguren wie Daffy Duck, Bugs Bunny und Barney Geröllheimer lieh.

"Wir lieben Flipper, Flipper den Freund aller Kinder, Große nicht minder lieben auch ihn", säuselte die kultige Erkennungsmelodie weiter. Trainer der Serien-Delfine war Richard OBarry, der damals von allen nur "Delfinmann" genannt wurde. Er hatte sich durch seine Arbeit für die berühmten Shows im See-Aquarium von Miami angeboten. Hier sprangen die Tiere unter tosendem Beifall durch Reifen oder spielten Basketball. Da lag es nahe, den Dreh ins Aquarium zu verlegen. Für die Unterwasseraufnahmen flog die Crew auf die Bahamas.

Der Transport der Delfine in Kisten war jedoch eine Tortur, auch wenn OBarry während der gesamten Zeit nicht von ihrer Seite wich, ihre Augen mit Vaseline einrieb und die Nasen mit Wasser benetzte. Im Durchschnitt schafften die Macher eine Folge pro Woche. Doch bereits kurz nach Drehschluss wurde das gelehrige und verspielte Tümmlerweibchen Susie - von OBarry selbst gefangen und aufgezogen - als Flipper-Original an einen Zirkus in Europa verkauft und starb bald darauf an einer Lungenentzündung. Auch Kathy überlebte nicht lange, nach Ansicht OBarrys beging sie Selbstmord, indem sie ihren Kopf immer wieder an die Wände des Betonbeckens rammte.

Die Serie "Flipper" war alles andere als TV-Idylle. Das Leid der Tiere machte aus OBarry einen engagierten Aktivisten, der inzwischen die geregelte Auswilderung gefangener Tiere organisiert: "Den Rummel, der auf Flipper folgte, habe ich mitbegründet. Nun kämpfe ich dagegen an."

Im Jahr 2009 deckte er in seinem Dokumentarfilm "Die Bucht" grausame Delfinfangmethoden auf. Und bewies damit, dass jedes Jahr tausende Delfine im japanischen Fischerort Taiji zusammengetrieben werden, die schönsten Exemplare für den Verkauf an Delfinarien aussortiert und die restlichen Tiere brutal abgeschlachtet werden. Mit den vermeintlich glücklich Überlebenden gehen die lukrativen Geschäfte weiter, ein dressiertes Tier kann bis zu 100 000 Euro kosten.

Flipper als TV-Held hatte ein Vorbild. Die Serie war eine "Fortsetzung" der beiden erfolgreichen Filme "Flipper" (1963) und "Neues Abenteuer mit Flipper" (1964). Im Jahr 1996 gelangte der Delfin nochmals ins Kino. Zudem entstand zwischen 1995 und 2000 ein Remake der Serie. Brian Kelly starb 2005 mit 73 Jahren an einer Lungenentzündung. Halpin und Norden haben sich längst aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Halpin arbeitet heute als Pilot und Techniker, Norden besitzt eine EDV-Firma.

Definarien und Delfintherapien

Zoos In Deutschland werden noch im Zoo Duisburg und im Tierpark Nürnberg Delfine gehalten, wo die Tiere bis zu fünf Mal täglich auftreten. Die Tierschutzorganisation Peta hält das für Tierquälerei. Auch Wissenschaftler kommen zunehmend zu dem Schluss, dass die intelligenten Meeressäuger in Schwimmbecken nichts verloren haben. In freier Natur leben Delfine in großen Sozialverbänden und schwimmen oft bis zu 180 Kilometer pro Tag. In den kleinen Betonpools werden die Sonar-Wellen vielfach reflektiert, was die empfindlichen Säuger völlig reizüberflutet.

Medizin Delfintherapien werden immer beliebter, sind aber in der Schulmedizin umstritten. Behandelt werden Patienten mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen, die durch den Tierkontakt den Zufluss positiver Energien spüren sollen und so Angst und Stress abbauen.

 

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