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US-"Playboy" zeigt Zucht und Hochglanz

Busen, Bauch und Beine waren einst Grund genug für Männer, den "Playboy" zu kaufen. Aber Sex jeder Couleur durchflutet das Internet längst viel billiger. Der "Playboy" reagiert in den USA mit Zucht und Hochglanz.

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  • Marylin Monroe 1953 in der ersten Ausgabe des "Playboy" - ein überholtes Konzept. 1/2
    Marylin Monroe 1953 in der ersten Ausgabe des "Playboy" - ein überholtes Konzept. Foto: 
  • Ausdruck einer vergangenen Epoche: der "Playboy"- Chef Hugh Hefner und zwei "Bunnies". 2/2
    Ausdruck einer vergangenen Epoche: der "Playboy"- Chef Hugh Hefner und zwei "Bunnies". Foto: 
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Zerbrechendes Geschirr. Ein Frauenfuß im Stiletto, der auf ein Gaspedal tritt und den Motor aufheulen lässt. Roboter, Armeestiefel, Zahnspangen, Windeln, Pool-Spielzeuge, Telepathie und schlechter Atem: Glaubt man einer im Internet kursierenden Karte der modernen Fetisch-Landschaft, gibt es im Bereich sexueller Vorlieben heute fast nichts, was es nicht gibt. Und jeder Fetischist findet im Internet mit mit ein paar Klicks Gleichgesinnte.

Für den "Playboy", jahrelang der Stern am Himmel der Männermagazine und Grundlage des Imperiums seines Gründers Hugh Hefner, sind das keine guten Nachrichten. Seit den 90er Jahren spült das Internet eine wachsende Flutwelle an pornografischem Material jeglicher Couleur in alle Welt und das Magazin muss sich fragen, wohin die Lustreise gehen soll. Hat der "Playboy" ausgedient?

Als die erste Ausgabe 1953 in den USA am Kiosk lag, war ihr Kauf für 50 Cent auch eine Art Protest gegen Zensur. Lifestyle-Tipps und Witze füllten die Seiten, wo Brüste es nicht taten. Doch nackte Models blieben der Hingucker und das klare Verkaufsargument.

Heute würden Hetero-Männer wohl kein Magazin mehr kaufen, nur um nackte Mädchen zu sehen, vermutet das Portal "Slate". Damals konnte ein "Playboy" in der Schublade des Vaters Aufregung hervorrufen, heute ist der Klick auf Hardcore-Videos selbst für viele Zwölfjährige keine große Sensation mehr. "Playboy" ist "old school".

Die Auflage, die in den goldenen 1970er Jahren einst bei bei 7,16 Millionen Exemplaren glänzte, liegt heute bei 820.000 Stück. Dass der "Playboy" umdenken musste, war auch den Machern in Chicago klar.

Und trotzdem saß der Schock tief, als im Herbst die züchtige Welle verkündet wurde: Die Models für die US-Ausgabe lassen ihre Hüllen künftig nicht mehr fallen, sondern treten nur leicht bekleidet vor die Kamera. Heißt es jedenfalls. Der "Playboy" verwandle sich in ein "Magazin über nichts", titelte die "Washington Post".

Schuld ist in großen Teilen die immer noch hemmungslos regierende Umsonst-Kultur im Internet - teilweise aber auch der "Playboy" selbst. Denn seine Foto-Pornografie hat eine verklemmte in eine zumindest teilweise enthemmte Gesellschaft verwandelt - und einer noch viel enthemmteren Generation die Tore geöffnet.

Der "Playboy" versucht es mit greifbarer Qualität. Vergrößertes und höherwertiges Papier soll den Eindruck erwecken, dass man kein verbotenes Schmuddelheft in der Hand hält, sondern erotische Fotokunst in Hochglanz. Ob die Rolle rückwärts gelingt, ist genauso offen wie Aufmachungen, die man für "jugendlich" halten könnte.

Eine Stütze könnte der redaktionelle Teil sein. Denn außer mit all den betörenden Barbusigen war der "Playboy" mit gutem Journalismus gefüllt. Man denke an das Interview mit dem Jazzmusiker Miles Davis von 1962, der sich mit dem Schriftsteller Alex Haley über Rassismus in den USA austauschte. Oder das umstrittene Gespräch mit dem damaligen Präsidentschaftskandidaten Jimmy Carter im Jahr 1976. Oder das mit dem Bürgerrechtler Martin Luther King: Es könne ihm jederzeit etwas zustoßen, sagte er. "Ich fühle aber, dass mein Anliegen so richtig, so moralisch ist, dass es dem Zweck auf irgendeine Weise helfen würde, sollte ich mein Leben verlieren."

Der Schritt zu bekleideten Models ist geschickt, als der "Playboy" für hochwertige Marken interessant sein kann. Dennoch wird es kein Kinderspiel, den Namen vom Image nackter "Bunnies" zu lösen.

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