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Tracht tragen

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  • Auch wenn er schon immer irgendwie dazugehörte: Der Hut zum Dirndl und zur Lederhose gilt als Trendaccessoire.  1/3
    Auch wenn er schon immer irgendwie dazugehörte: Der Hut zum Dirndl und zur Lederhose gilt als Trendaccessoire. Foto: 
  • Derzeit sind eher schlichte Dirndl im Trend (links). Wer aufs Dirndl verzichten mag, findet auch Jeans mit Trachten-Verzierungen.  2/3
    Derzeit sind eher schlichte Dirndl im Trend (links). Wer aufs Dirndl verzichten mag, findet auch Jeans mit Trachten-Verzierungen. Foto: 
  • Der Trachtenhype hat inzwischen viele Ausprägungen: Wer auf das Dirndl verzichten mag, findet zum Beispiel auch Jeans mit entsprechenden Verzierungen. 3/3
    Der Trachtenhype hat inzwischen viele Ausprägungen: Wer auf das Dirndl verzichten mag, findet zum Beispiel auch Jeans mit entsprechenden Verzierungen. Foto: 
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Auf dem Oktoberfest tun sie es alle: Dirndl und Lederhose sind Einheitsuniform für Feiernde auf der Münchner Wiesn. Dabei tragen sogar gestandene Bayern eher selten die traditionellen Gewänder. Anlass für ein paar Fragen an Stil- und Kulturexperten zum Trachten-Look.

Welche Modetrends sind für die Wiesn 2017 zu erwarten? Heidi, Liesl, Fritzi, Marie & Co. – schon an den Namen der Dirndl zeigt sich der Trend zum Traditionellen, berichtet die Einkaufsberaterin Sonja Grau aus Ulm. Im Trend liegen klassische Schnitte und Muster, passend dazu haben Dirndl derzeit oft gedeckte Farben. Auch typisch für die Tradition: Es geht um hohe Qualität der Verarbeitung. Gleiches gilt für Männer. Aber: Die Bandbreite der Dirndl und Lederhosen im Handel ist so groß, dass sich letztlich kein klarer Stil auf der Wiesn durchsetzen dürfte.

Gibt es Trage-Empfehlungen für die Saison-Trends? „Der vorherrschende Trachtentrend birgt die Gefahr, sehr schnell altbacken, bieder oder spießig zu wirken“, erklärt Grau. Sie empfiehlt, mit Accessoires gegenzusteuern: Blüten, Schmucksteine und Bänder fürs Haar und den  Hut auf dem Kopf. Nichtsdestotrotz handelt es sich hier ebenfalls um eher traditionelle Beiwerke. Auch bei den Männern liegt das im Trend:  „Ein besonders schönes Charivari oder gar einen Ranzengürtel“, empfiehlt Grau.

Muss die Tracht auf dem Oktoberfest  sein? Nein, es gibt keinen Dresscode. „Vor den 2000er Jahren ist kaum jemand in Dirndl und Lederhose aufs Oktoberfest gegangen“, berichtet die Kulturwissenschaftlerin Simone Egger von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Sie hat ein Buch zum „Phänomen Wiesntracht“ geschrieben. Während man in den 50er und 60er Jahren sogar im Anzug und Kostüm die Wiesn besuchte, war später der Freizeitlook mit Jeans angesagt.

Der Trachten-Hype entstand zunächst in der Nische: Secondhand-Geschäfte in München verkauften alte Dirndl und Lederhosen und das Zubehör. Münchner nahmen nicht die Gesamtoutfits, sondern Einzelteile und peppten damit ihren Alltagslook für den Festbesuch auf. Dann kopierten immer mehr den Look, bauten ihn aus, und erste lokale Designer schneiderten moderne Kleider mit traditionellen Anleihen. Letztlich wurde daraus ein Massenmarkt.

Darf ich als Tourist Tracht tragen? Früher haben sogar nur Zugereiste Dirndl getragen, verrät Kulturwissenschaftlerin Egger. Hier ist ein bisschen Wissen für den Smalltalk im Festzelt: Der Begriff Dirndl steht für ein lokales historisches Gewand, das handgefertigt wird. Und Tracht gibt es überall auf der Welt – aber Dirndl und Lederhose gehören nicht unbedingt dazu. Letztere war eine klassische Arbeiter- und Jagdklamotte, und der Lodenjanker war die übliche Jacke. „Das Dirndl hingegen ist sogar eine Erfindung des späten 19. Jahrhunderts für Frauen aus Großstädten wie Berlin, Hamburg und London, die im Sommer auf dem Land Urlaub machten“, erklärt Egger. Das Baumwollkleid mit Mieder in Karo- und Blumenmuster erinnere also an historische Trachten, stehe aber immer schon mehr für eine schöne Modeidee.

Wenn ich Dirndl und Lederhosen trage: Welche Styling-Regeln halte ich besser ein? „Grundsätzlich ist kein Dirndl echter oder besser als das andere“, betont Egger. Das Dirndl setzt sich lediglich zusammen aus einem grundlegenden Schnitt, einem Miederoberteil und einem angereihten Rock. „Dieser Schnitt kann unendlich variiert werden, auch in der Länge.“ Von scheinbaren Stilvorgaben für das Kleid sollte man sich nicht irritieren lassen: So heißt es häufig, der Saum gehört einen Maßkrug breit über den Boden. „Die Geschichte mit dem Maßkrug und der Länge ist eine genauso schöne Erfindung wie die mit den Schleifen – völlig fantastisch.“

Auch wenn es sich um keine echte Tradition handelt, gut zu wissen ist das mit der Schleifenfrage beim Flirten allemal: die Binderichtung der Schürzenschleife am Dirndl gilt auf der Wiesn als Signal für den Beziehungsstatus. Sitzt die Schleife rechts, ist die Trägerin vergeben. Links signalisiert: Der Flirtversuch ist möglich, so Grau. Die Mitte stehe einfach nur für „modische Unkenntnis“.

Einen Tipp gibt noch die Oktoberfestseite der Stadt München: „gescheide Schuhe“ tragen. Flip-Flops zum Beispiel seien zur Tracht ein Tabu. Und außerdem tritt man sich im Gedränge schon mal gegenseitig auf die Füße, das tut in Haferlschuhen weniger weh.

Es gibt durchaus eine Vorschrift für alle Festbesucher – aus Sicherheitsgründen. So dürfen nur kleine Taschen mit einem Fassungsvolumen von maximal drei Litern und den Maßen 20 mal 15 mal 10 Zentimeter mit auf den Festplatz gebracht werden.

Das Oktoberfest 2017 in München findet vom 16. September bis 3. Oktober statt. Der Cannstatter Wasen in Stuttgart – wo inzwischen auch oft Tracht getragen wird – dauert vom 22. September bis 8. Oktober. dpa

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