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Interview mit Annika Blendl: Auch mal Lust auf einen leichteren Film

Man kennt Annika Blendl aus dem Tatort und eigenen Regie-Projekten. Im Interview erzählt sie, warum sie jetzt auch mal Lust auf einen leichteren Film hatte.

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„Mich hat das Menschliche einfach immer interessiert“: die Schauspielerin und Regisseurin Annika Blendl.  Foto: 

Seit mehr als 15 Jahren steht die 35-jährige Schauspielerin Annika Blendl vor der Kamera. Auch in der Dokumentarfilmregie hat sie sich mit dem Film „Mollath – und plötzlich bist du verrückt“ einen Namen gemacht. Nun macht sie sich an eine Sommerromanze: In „Ein Sommer auf Zypern“ spielt sie die Mutter eines Jungen, der seinen Vater kennenlernen möchte – und mitten in eine türkisch-griechische Großfamilie gerät.

Frau Blendl, Sie stehen seit Jahren vor der Kamera, arbeiten aber auch als Regisseurin. Was ist spannender?
Annika Blendl: Es macht beides Spaß, aber ich finde das Regieführen sehr viel anstrengender – man muss sich die Geschichte ausdenken und alles im Kopf behalten. Ich würde mal sagen, beide Berufe sind spannend. Denn beim Schauspielen lernt man fremde Leute und fremde Situationen kennen und kann jemand anderen spielen. Das kann sehr befreiend sein.

Also am liebsten beides parallel?
Genau (lacht). Beim Schauspiel geht es mir nur um meine Rolle und dann vergesse ich auch die Regie. Das schalte ich dann einfach ab.

Bisher haben Sie zwei Dokumentarfilme gedreht. Das ist schon ein Kontrast zu Ihren sonstigen Filmen. Wa­rum machen Sie das?
Mich hat das Menschliche einfach immer interessiert. Bei Gustl Mollath hatte ich zum Beispiel einfach Lust zu wissen: Was passiert da, was ist das für ein Mensch? Jetzt schreiben wir gerade am Treatment (Anm. d. Red.: Vorstufe eines Drehbuchs) für den nächsten Dokumentarfilm, den ich im Herbst drehen werde.

Wovon handelt er?
Da geht’s um Selbstoptimierung und das Selbstbildnis von Menschen. Ich halte mich mit Infos noch ein bisschen zurück. So lange wir noch nicht angefangen haben, habe ich immer Angst, dass es doch nicht funktioniert.

In „Ein Sommer auf Zypern“ sind Sie in einer Romanze zu sehen. Was hat Sie an dem Film gereizt?
Ich fand es toll, dass ich fast die einzige Deutsche war. Die anderen Schauspieler waren Griechen, Türken, Iraner – und alle leben sie in Deutschland und sind dort aufgewachsen. Das war schon beim Dreh spannend und anders. Dann waren wir alle noch auf Zypern, da ist ja auch die politische Lage brisant. Die Situation mit  Erdogan hat sich gerade zugespitzt. Wir haben viel über die politische Lage geredet.

Eine Romanze sieht so leicht aus, dabei steckt auch viel Arbeit dahinter. Sehen Sie das Genre genügend gewürdigt?
Das ist ja auch nicht mein Genre, ich spiele sonst eher ernste Rollen. Es stimmt aber, man hat manchmal das Gefühl, als würden Romanzen nicht so gewürdigt. Aber die schön und interessant zu machen, ist auch nicht so einfach, wie man erstmal denkt.

Liegen Ihnen ernstere Rollen eher?
Vielleicht, das kann sein. Aber an der Rolle in „Ein Sommer auf Zypern“ hatte ich auch viel Spaß. Weil es einfach schön war, einen Sommerfilm zu machen. Und in so schweren Zeiten, wie wir sie jetzt gerade haben, hab ich mir gedacht: Jetzt reicht’s auch mal mit dem ganzen Totschlag. Da ist es auch mal gut, einen Film mit einer gewissen Leichtigkeit zu drehen.

Waren Sie davor schon mal auf Zypern?
Nein, da war ich noch nie. Ich hab’s romantischer erwartet, es ist schon sehr karg. Aber was mir gefallen hat: Es hatte ständig 40 Grad.

Sie haben in einem Interview mal gesagt, dass Sie sehr zappelig seien. Also lieber Action- statt Strand­urlaub?
Ja, eigentlich schon. Vier Wochen auf Zypern wären mir zu langweilig geworden, das ist ja nur eine kleine Insel. Ich glaube, eigentlich liegt es mir mehr, in einen Action-Urlaub zu fahren. Ich will immer von einem Ort zum anderen reisen und viel sehen.

Sie haben zwei Kinder. Wie bringt man das mit dem Schauspielerleben unter einen Hut?
Zum Dreh auf Zypern habe ich die beiden mitgenommen – mitsamt Babysitter und Freund. Sie waren zwei Wochen dabei. In dem Fall ist der Dreh in die Sommerferien gefallen. Das war auch wirklich toll, dass sie dabei sein konnten.

Wie organisieren Sie das sonst?
Sonst haben wir eine Kinderfrau und einen Babysitter. Die Organisation ist schon schwierig, aber es geht immer. Es hat noch nie nicht geklappt.

Ist da noch Zeit für Hobbys?
Wenig. Aber ich muss sagen, mir macht das alles so Spaß, dass das auch okay ist. Und gerade, wenn man selbst Regie führt, schaut man sowieso in alle Bereiche rein – ob es die Kunst oder das Theater ist. Nur Sport könnte ich vielleicht mal ein bisschen mehr machen.

Welchen Sport machen Sie denn am liebsten?
Ich gehe zum Beispiel sehr gerne Joggen. Auch Pilates würde ich gerne öfter machen, aber das schaffe ich gerade nicht.

Ihr Lebensgefährte Alexander Beyer ist auch Schauspieler. Kommt da manchmal Konkurrenzdenken auf?
Das Gute ist, dass ich jetzt noch die Regie habe. Und ich glaube, dadurch ist es tatsächlich leichter geworden. Wenn beide genau das Gleiche machen, kann es schon manchmal passieren, dass man denkt: Jetzt hat der gerade eine Rolle und ich nicht. Durch die Regie hat sich das geändert.

Sind Sie denn auch bald wieder vor der Kamera zu sehen?
Ja, auf jeden Fall. Das ist aber gerade alles so eine Organisationsfrage. Das trifft manchmal alles im gleichen Moment zusammen. Und sagen wir es mal so: Das Regie-Projekt geht jetzt vor.

Gibt es eine Rolle, für die Sie alles stehen und liegen lassen würden?
Ja, ich würde wahnsinnig gerne mal was Historisches spielen! Und eine starke Frauenfigur, darauf hätte ich mal Lust.

Zum Beispiel?
Leni Riefenstahl hätte ich gerne gespielt. Ich weiß, sie ist auch umstritten. Aber ich finde, sie ist eine sehr interessante Frauenfigur. Ich hätte mich gerne mit ihr befasst.

Macht es einen Unterschied, ob man einen Kino- oder Fernsehfilm dreht?
Schon. Beim Kino ist einfach noch mehr Zeit, das ist toll. Beim Fernsehen geht es immer mehr darum, in schnellerer Zeit etwas zu schaffen. Das ist für die Qualität schlecht.

Auch im „Tatort“ sind Sie ein bekanntes Gesicht. Hätten Sie gerne eine feste Rolle als Ermittlerin?
Ja klar, da hätte ich nichts dagegen. Es ist toll, an einer Figur über längere Zeit etwas zu erarbeiten. Ich schaue mir den Tatort auch gerne an, das sind immer spannende Geschichten. Außerdem ist es manchmal anstrengend, wenn man als Schauspielerin vor einem Jahr steht und noch gar nicht weiß, was jetzt kommt.

Info „Ein Sommer auf Zypern“ läuft am Sonntag, den 21. Mai, um 20.15 Uhr im ZDF.

Annika Blendl wurde im Juni 1981 in Regensburg geboren. Ohne Schauspielausbildung übernahm sie 2001 ihre erste Fernsehrolle in der Serie „Aus gutem Haus”. Seitdem war sie in zahlreichen Serien und Filmen zu sehen, vor allem in Krimis von ARD und ZDF. Auch in Til Schweigers Kinofilm „Zweiohrküken“ spielte sie mit.

Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin begann Blendl 2009 ein Studium der Dokumentarfilmregie in München. 2015 kam ihr Film „Mollath – Und plötzlich bist du verrückt“ ins Kino, den sie zusammen mit der Regisseurin Leonie Stade drehte.

Heute lebt die 35-Jährige mit ihrem Lebensgefährten, dem Schauspieler Alexander Beyer, und ihren zwei Kindern in München. bf

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