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Rohkost ist der neueste Lifestyle-Trend

Spaghetti aus Zucchini? Kalte Kokos-Curry-Suppe? Roher Käsekuchen? Klingt lecker - finden Rohköstler. Ihnen kommt nichts Gekochtes auf den Teller. Der Gesundheit wegen - und ein bisschen, weil es hip ist.

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    Reine Rohkost wird an einem normalen Buffet höchst selten angeboten - auch wenn das Essen naturbelassener Lebensmittel gerade sehr angesagt ist. Foto: 
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Der Frühling naht und mit ihm die beste Zeit für Obst- und Gemüsefans, die sich nach dem Genuss von sprießenden Kräutern, knackigem Salat und jungem Gemüse sehnen. Nicht ohne Grund wurde der erste Samstag im März zum "Tag der gesunden Ernährung" erklärt. Anlass über Rohkost zu reden - auch, weil sich dank diverser Hollywood-Schönheiten (Demi Moore, Uma Thurman, Kirsten Dunst) ein regelrechter Hype um das Knabbern von knackigem Rohgemüse entwickelt hat.

Rohkost ist mehr als Essen; es ist Lifestyle: "Rohkost macht gesund, fit und schön", schreibt die Frauenzeitschrift "Freundin". "Rohkost ist hip - und sorgt für eine klasse Figur" titelt die "Brigitte". In New York haben jetzt sogar einige Restaurants aufgemacht, die komplett ohne Herd auskommen. "Raw Food" ist in den USA ein großer Trend - und zunehmend auch bei uns, wo in veganen und vegetarischen Restaurants das Rohkost-Angebot zusehends ausgebaut wird - inklusive Smoothies (Gemüsedrinks) in allen Farb-Variationen.

Rohköstler versuchen, sich ausschließlich von naturbelassenen und ungekochten Lebensmitteln zu ernähren. Damit hitzeempfindliche Vitamine, Mineralstoffe, Proteine und Enzyme nicht zerstört werden, dürfen Speisen und Getränke nicht über 42 Grad erhitzt werden. Töpfe und Pfannen braucht es bei dieser Art von "Essen machen ohne Kochen" nicht; stattdessen werden die Nahrungsmittel gemahlen, geschrotet, im Mixer zerkleinert und in Spezialöfen getrocknet oder gedörrt.

Heraus kommen dabei etwa leckere Zucchininudeln mit rotem Pesto, eine schmackhafte Sellerie-Rote-Bete-Lasagne, handliche Gemüsesticks mit Avocado-Dip oder Pfifferlingssalat mit Artischocken - alles andere als magere Kost. Ausschließlich Verzicht bedeutet Rohkost-Ernährung nämlich keineswegs. Wohl aber mehr Aufwand. Etwa, wenn der Pizzaboden nicht als Hefeteig gebacken, sondern aus Sellerie, Leinsamen, getrockneten Tomaten und Petersilie zubereitet wird. Oder Cremes und Pasten aus zerstoßenen Cashew-Kernen und Johannisbrotbaum-Mehl hergestellt werden.

Typische Zutaten für die rohe Küche wie Chia-Samen, Carobpulver, Goji-Beeren und Algen muss man längst nicht mehr bei Spezialhändlern suchen. Auch Bio-Supermärkte führen solche Produkte heute. Der Buchmarkt gibt stapelweise Literatur her. Und in Internet-Foren werden rege Rezepte und Erfahrungen ausgetauscht.

Abgesehen von gesundheitlichen, ethischen und ökologischen Aspekten loben Rohkost-Esser gerne den intensiven Geschmack ihrer Mahlzeiten und die Vielfalt an Möglichkeiten, die ihnen diese Ernährungsweise aus Pflanzen, Früchten, Nüssen, Samen, Keimlingen und Sprossen eröffnet. Häufig stehen Wildpflanzen auf der Zutatenliste. Und die sind oft reicher an Mineral- und Ballaststoffen, Vitaminen und ätherischen Ölen als Kulturpflanzen. So enthält die Brennnessel laut Vegetarierbund Deutschland mehr als zehnmal so viel Vitamin C wie Endiviensalat.

Der Verein "Vegetarische Initiative" setzt sich für den Verzehr naturbelassener Lebensmittel ein und führt die Entwicklungsgeschichte als Argument an: Der Mensch sei das einzige Lebewesen, das hitzebehandelte Lebensmittel zu sich nimmt. Genetisch sei der Organismus auf diese gekochte, gebratene, gebackene, frittierte oder wie auch immer denaturierte Kost aber nicht angepasst. Die Folgen seien Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rheuma und Allergien.

Zu süß, zu fett, zu salzig, zu ballaststoffarm - von Fertig-Nahrung und einem Übermaß an tierischen Produkten rät heute jeder ernstzunehmende Ernährungs-Experte ab. Dennoch ist strikte Rohkost umstritten. Vor allem, wenn sie einseitig betrieben wird. Schon in den 80er Jahren gab es eine Rohkost-Welle, bei der es aber weitaus asketischer zuging als beim aktuellen Trend, dem sich auch "Teilzeit-Rohköstler" zugehörig fühlen dürfen.

Zwar empfiehlt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), reichlich rohe pflanzliche Kost zu essen und Lebensmittel möglichst schonend zuzubereiten, also so kurz wie möglich bei niedriger Temperatur zu garen. Bei manchen Gemüsesorten aber werden Inhaltsstoffe für den menschlichen Körper erst dann voll verwertbar, wenn sie erhitzt beziehungsweise mit Fetten in Verbindung kommen, erklärt Antje Gahl, Ökotrophologin und DGE-Sprecherin - so etwa grüne Bohnen, Tomaten oder Karotten.

Und wer komplett auf tierische Produkte - vor allem Milch und Fisch - verzichte, müsse auf eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen wie Zink, Eisen, Calcium und Jod und Vitamin B12 achten.

Grundsätzlich aber ist der neue Trend zur Rohkost aus Sicht der DGE zu begrüßen - aus vielerlei Gründen: angefangen bei der Kräftigung des Kauapparats, über die Förderung der Verdauung, dem höheren Vitamingehalt unbehandelter Lebensmittel bis hin zum länger anhaltenden Sättigungsgefühl.

Voraussetzung freilich ist, dass auch eine Rohkost-Ernährung möglichst ausgewogen und vielseitig ist. Die Hauptgefahr für reine Rohköstler besteht laut DGE-Ernährungsexpertin Gahl darin, dass sie ihren Verdauungstrakt überfordern und energetisch nicht ausreichend versorgt werden; sprich zu wenig Kalorien zu sich nehmen und damit untergewichtig werden. Ansonsten gilt es, auch diesen neuen Trend nicht allzu verbissen zu sehen. Denn - so rät DGE-Expertin Gahl - Aufwand und Ertrag sollten in einem angemessenen Verhältnis stehen. Auch das gehöre zu einem gesunden Lebensstil.

Vegetarier, Veganer, Roh- und Urköstler

Zahlen In Deutschland gibt es laut Vegetarierbund 7,8 Millionen Vegetarier, das sind rund 10 Prozent der Bevölkerung. Darunter leben etwa 900.000 Menschen vegan.

Schätzungen Zur Zahl der Rohköstler in Deutschland gibt es bisher weder Untersuchungen noch repräsentative Umfragen. Vorsichtige Schätzungen bewegen sich im Bereich von einigen tausend strengen Rohköstlern. Die meisten Anhänger dürften "Teilzeit-Rohköstler" sein, also Menschen die versuchen, möglichst oft oder über einen gewissen Zeitraum ausschließlich frische und nicht erhitzte Nahrung zu sich zu nehmen.

Ansätze Auch innerhalb der Rohkost-Bewegung gibt es verschiedene Ansätze. Die meisten Rohköstler ernähren sich vegan oder zumindest vegetarisch. Einige verzehren jedoch rohe Eier, rohes Fleisch und rohen Fisch. So auch die so genannten Urköstler, die sich am Speiseplan des Steinzeitmenschen orientieren. 

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Kommentare

09.03.2015 22:23 Uhr

Go vegan !

Eine vegane Ernährung ist deutlich umweltfreundlicher als die übliche, fleisch- und käsebetonte Durchschnittskost: Sie verbraucht weniger Energie, Rohstoffe und Wasser, belegt weniger Landfläche und erzeugt deutlich weniger Klimagase. Aus ethischer Sicht ist die vegane Ernährung die konsequenteste Art, verantwortlich mit unserer Mitwelt umzugehen und so wenigen Mitlebewesen wie möglich durch unsere Lebensmittelauswahl zu schaden.

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