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Privat über den Wolken

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Das vom Auktionshaus „GWS Auctions“ veröffentlichte Foto zeigt den Innenraum eines Lockheed-Privatjets in New Mexico (USA), der einst von der Rock‘n‘Roll-Legende Elvis Presley genutzt wurde. Das Flugzeug ist bei einer Online-Auktion für 430 000 Dollar (384 000 Euro) versteigert worden.  Foto: 

Sie gelten als Inbegriff des obersten Luxussegments: Privatjets haben ein Image, das noch oberhalb des Rolls-Royce-Status angesiedelt ist. Das ist für die Anbieter aber auch ein Problem, baut es doch eher Hürden zu potenziellen Neukunden auf. Dies wurde auf der Fachmesse EBACE in Genf deutlich: „Es gibt eine einseitige Wahrnehmung der Geschäftsluftfahrt, und das ist Teil des Problems“, erklärt die Kommunikationsexpertin des europäischen Branchenverbands EBAA, Tanya Renson-Martin.

Denn das Geschäft mit Business-Jets ist alles andere als nur ein Transportdienst für Showgrößen oder hoch bezahlte Profi-Kicker. Geschäftsflieger, die mit ihren Angeboten weltweit eine Vielzahl von Lücken im Transportwesen füllen, setzen daher nach Jahren des Niedergangs gerade auf eine Trend- und Imagewende in der öffentlichen Wahrnehmung. „Die Branche ist bisher extrem diskret aufgetreten“, sagt der Bonner Luftfahrtexperte Volker Thomalla.

Nach einer aktuellen Übersicht des Flugzeugfinanzierers Global Jet Capital gibt es allein in Deutschland 209 große bis mittelgroße Privatjets. Nach Großbritannien (255) wäre das in Europa die zweitgrößte derartige Flotte. Insgesamt zählte das Unternehmen in einer aktuellen Marktstudie 1742 Privatflugzeuge in Europa, die in die mittelschwere bis große Kategorie entfallen. „Das sich verbessernde ökonomische Umfeld in Europa sowie die Tatsache, dass es mehr als 1000 große bis mittelgroße Jets auf dem Kontinent gibt, bedeutet, dass wir diesen Markt zunehmend positiver beurteilen“, sagt Unternehmens-Manager Graeme Shanks.

Nach den jüngsten Statistiken des Branchenverbands liegt die Zahl der Starts von Geschäftsreiseflugzeugen seit November 2016 über den Zahlen des Vorjahresmonats. Mit 52 385 Starts in Europa gab es beispielsweise den besten Monat April seit 2011. Denn die Reise mit dem Privatflieger ist für viele Unternehmen aus Zeit- und Kostengründen ein lohnendes Investment – auch wenn sich das nur wenige Unternehmen angesichts des Luxus-Image der Nischen-Flieger öffentlich eingestehen mögen.

„Bei großen Messen oder auch auf der VW-Hauptversammlung sind hier oft große Teile des Vorfelds vollgestellt mit kleineren Privat-Jets oder Turboprop-Flugzeugen“, sagte der Chef des Flughafens Hannover, Raoul Hille. Der Manager, der selbst privat oft als Pilot am Himmel unterwegs ist, gibt den Herstellern dieser Maschinen einen Teil Mitschuld am verbreiteten Luxus-Image: „Die meisten Hersteller legen bei ihrer Werbung ja gerne den Fokus auf das Luxus-Interieur aus Leder, Holz und Champagner-Kühler statt auf den enormen Zeit- und Produktivitätsgewinn, den diese Maschinen bieten.“

Denn ob schnelle Transferflüge für Organspenden oder ganze Technikergruppen, die in Lappland unter Winterbedingungen Autos oder Reifen testen: Geschäftsflieger sind äußerst vielseitig einsetzbar. Und sie sind zudem alles andere als nur der kleine Bruder der großen Airline-Welt. Das beweisen die großen Hersteller Airbus und Boeing, die diverse Klassiker aus ihrer Modellpalette als geräumige Geschäftsreise-Jets anbieten. So stellte Airbus in Genf eine Privatjet-Version des zweistrahligen Verkehrsjets A330 vor: Die ACJ330neo kann 25 Passagiere nonstop über eine Distanz von 17 400 Kilometern transportieren – das ist in etwa immerhin die Distanz Europa-Australien.

Eine Kegelbahn über den Wolken

Wer es größer mag, für den hält die Firma Sparfell & Partners das geeignete Fluggerät bereit: vier doppelstöckige Gebrauchtflugzeuge vom Typ A380. Bei 550 Quadratmetern Fläche wäre sogar eine Kegelbahn über den Wolken drin.

„Die Branche stellt sich gerade neu auf und versucht auch durch Digitalmodelle, neue Kunden zu gewinnen“, sagt Volker Thomalla. Der Chefredakteur des Informationsdienstes Aerobuzz.de sieht darin eine Möglichkeit, die Kosten der kleinen, aber feinen Nischenflieger weiter zu senken. Denn als Alternative zu nervigen Sicherheits-Checks mit langen Warteschlangen in überfüllten Airports bieten Anbieter im Internet Mitflüge in Privatjets oder kleineren Propellermaschinen an. Als Trendsetter in diesem Bereich gilt die 2011 gegründete Mitflugzentrale „Victor“.

Es gibt mehrere Konzepte zum Betrieb und zur Nutzung von Geschäftsflugzeugen: Der Reisende oder das Unternehmen besitzen eine Flotte oder ein eigenes Flugzeug. Ein achtsitziger Learjet 45 (Baujahr 2001, 4500 Flugstunden) kostet rund 3 Millionen Dollar (etwa 2,6 Mio. Euro). Dies gilt als „Einstiegspreisklasse“ für einen Privatjet. Beim Executive Business Charter wird der Flieger samt Besatzung gechartert. Preisbeispiel des Anbieters „Jetbox“: Ein gecharteter Airbus A 320 mit 180 Sitzen kostet für eine Tour von Köln nach Tozeur (Tunesien) hin und am nächsten Tag zurück 55 000 Euro. Reisende können aber auch ein Kontingent an Flugstunden kaufen, das sie dann flexibel buchen können. ih

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