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Guillermo del Toros tiefe Freundschaft mit Horror-Wesen

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  • Der Todesengel aus Guillermo del Toros „Hellboy 2“. Foto: Manuela Imre 1/4
    Der Todesengel aus Guillermo del Toros „Hellboy 2“. Foto: Manuela Imre Foto: 
  • Guillermo del Toro hat mit den Monstern einen Pakt geschlossen. Foto: Alberto Estevez 2/4
    Guillermo del Toro hat mit den Monstern einen Pakt geschlossen. Foto: Alberto Estevez Foto: 
  • Frankenstein - fast ein heiterer Geselle in Guillermo del Toros Horror-Kosmos. Foto: Manuela Imre 3/4
    Frankenstein - fast ein heiterer Geselle in Guillermo del Toros Horror-Kosmos. Foto: Manuela Imre Foto: 
  • Der furchteinflößende Faun aus Guillermo del Toros Film „Pan's Labyrinth“. Foto: Manuela Imre 4/4
    Der furchteinflößende Faun aus Guillermo del Toros Film „Pan's Labyrinth“. Foto: Manuela Imre Foto: 
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Schön sind sie nicht, Guillermo del Toros Freunde und Mitbewohner. Sie haben zu große Köpfe, drei Augen oder schlichtweg furchteinflößende Fratzen.

Gegen groteske Gestalten wie dem behörnten Faun mit seinen langen Haaren oder dem „Pale Man“, einem bleichen Kerl, der sein Auge in der Handfläche trägt, wirkt selbst Frankenstein anmutig. Und doch: Der preisgekrönte mexikanische Regisseur („Pan's Labyrinth“) liebt seine Monster – ob auf der Leinwand oder zu Hause.

In Torontos Art Gallery of Ontario (AGO) gibt del Toro vom 30. September an bis zum 7. Januar mit der Ausstellung „At Home with Monsters“ Einblick in die skurrile Welt seines, wie er selbst sagt, „explodierenden Kopfes“.

Nach Los Angeles und Minneapolis ist Toronto die letzte „Monster“-Station, die einzige in Kanada und – den Worten des Meisters zufolge – „anders als die anderen“. Sein aktueller Film „The Shape of Water“ wurde großteils hier gedreht. „Ich fühle mich in Kanada zu Hause“, hatte der Regisseur vor wenigen Wochen beim Toronto Filmfestival gesagt.

„The Shape of Water“, ein bildgewaltiges, magisches Märchen, bei dem sich eine gefährlich wirkende Wasserkreatur und die stumme Außenseiterin Elisa (Sally Hawkins) ineinander verlieben, hatte kurz zuvor den Goldenen Löwen beim Filmfest in Venedig gewonnen – das erste Mal, dass ein mexikanischer Regisseur die hohe Auszeichnung bekam.

Durch die Arbeit an „Shape of Water“ wuchs und veränderte sich auch die Ausstellung: Stücke wurden ergänzt und ausgetauscht, immerhin sei seine Sammelleidenschaft „zwar nicht manisch oder exzessiv, aber eben doch etwas ausufernd“, gibt der 52-Jährige in Toronto zu.

So ausufernd, dass del Toro seine weit über 1000 Stücke starke Sammlung in Los Angeles im sogenannten „Bleak House“, benannt nach dem Roman von Charles Dickens, untergebracht hat. In mehreren Bibliotheken ist jeder Fleck bevölkert von lebensgroßen Gruselfiguren, Skulpturen, Bildern, Büchern und Comics über Wesen aus anderen Welten. Hier findet der Regisseur Zuflucht, Ruhe und Inspiration für seine dunklen und magischen Filme, in denen die Kreaturen zum Leben erwachen.

Die Ausstellung ist ein ausgelagertes „Bleak House“: Die Wände im AGO wurden dunkelrot gestrichen, man spaziert von einer Bibliothek zur nächsten, vorbei an del Toros gruseligen Wunderwelten zu Themen wie Märchen, Kindheit, Tod oder Horror. Auch der „Rain Room“, ein Zimmer vor dessen Fenster es immer gewittert, steht im modernen Frank-Gehry-Bau.

Über 500 „Musen“ des Mexikaners, von winzigen Insekten über lebensgroße schwarze Todesengel bis zum meterhohen Frankenstein-Gesicht, das am Eingang den Weg weist, hat Kurator Jim Shedden für Toronto aus dem „Bleak House“ und eigenen AGO-Beständen zusammengetragen. „Einfach war das nicht. Guillermo hat extreme Trennungsängste, wenn seine Monster durch die Welt wandeln“, lacht Shedden.

Del Toro erzählt offen über seine schwierige Kindheit in Mexiko, in der er von Mitschülern gehänselt und vom Vater oft geschlagen wurde, und sich als Außenseiter fühlte. Von Klein auf flüchtete er in seine eigene Fantasiewelt aus dunklen Gestalten. „Ich erkannte einen Teil von mir in den Monstern, eine Art Zugehörigkeit. Im Grunde sind sie nichts anderes als Außenseiter. Wir fürchten uns vor ihnen, weil sie anders aussehen, sich anders verhalten“, erklärt der Regisseur.

Und so soll die Ausstellung weniger das Fürchten lehren, als den Besuchern einen Weg öffnen, sich mit dem Anderen anzufreunden, über Leben nach dem Tod nachzudenken oder mit den inneren Ängsten Frieden zu schließen. Für del Toro selbst war die Monster-Freundschaft eine Befreiung, ein Ventil, das Kreativität und Inspiration geöffnet hat: „Als Kind bin ich regelmäßig von Albträumen aufgewacht. Bis ich mit den Monstern unter meinem Bett einen Pakt geschlossen habe: 'Wenn ihr mich leben lasst, dann bleibe ich für immer mit euch befreundet.' Seitdem leben wir friedlich zusammen“, sagt der Regisseur. Ab und an bekommen die Monster Ausgang, so del Toro – aber nur für Ausstellungen.

Guillermo del Toro: At Home with Monsters

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