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Busse, Züge und Straßenbahnen: Füße runter vom Sitz!

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Uns Deutschen wird nachgesagt, wir hätten etwas Oberlehrerhaftes. Da ist was dran, wenn man an die vielen Hinweis- und Verbotsschilder in Hausfluren und an anderen Orten denkt. Vom Betreten bis zum Fußballspielen ist eigentlich alles verboten. Wer’s trotzdem macht, darf sich als Revolutionär fühlen, falls er nicht mit dem Hinweis auf das Schild gemaßregelt wird. Können Sie nicht lesen?

Schilder haben den Vorteil, dass der Maßregler darauf Bezug nehmen kann: Da steht’s doch! Was aber tun, wenn es Regeln gibt, die auf keinen Schildern stehen? Die zu befolgen einfach anständig ist? Verlassen wir den Schilderwald und steigen in einen Bus zur Hauptverkehrszeit. Sicher werden wir dort einen anderen Typus des Revolutionärs treffen: jung, auf Krawall gebürstet und die Beine auf den Sitz gegenüber ausgestreckt. Und weit und breit kein Verbotsschild. Darf oder soll man etwas sagen?

„Da gibt es keine Knigge-Regel“, sagt Linda Kaiser, die stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Knigge-Gesellschaft und Benimm-Trainerin. „Das hat eher etwas mit Zivilcourage zu tun“, sagt Kaiser.

Im Bus haben auch andere Fahrgäste ein Recht auf einen Sitzplatz, wenn noch einer frei ist. Nicht nur deshalb darf man den Lümmel ruhig darauf ansprechen, dass er doch bitte seine Beine einziehen und abstellen möge. Höflich natürlich und in der angemessenen Lautstärke. Immerhin besteht zumindest die theoretische Möglichkeit, dass er in seiner Traumwelt versunken ist und gar nichts von der Realität im Bus mitbekommt.

„Überlegen Sie sich vorher aber gut, ob Sie sich auf ein Streitgespräch einlassen wollen“, rät die Benimm-Trainerin. Ohne Schilder recht zu haben und es auch durchzusetzen, ist keine leichte Aufgabe. Es wäre also nicht schlecht, wenn man die richtigen Argumente zur Hand hat, bevor man die ausgestreckten Beine anspricht. Denn eine Diskussion mit ihrem Besitzer könnte ausarten und mit dem Austausch von Argumenten bald nichts mehr zu tun haben. Wobei es eigentlich kein einziges Argument dafür gibt, zwei junge, gesunde Beine auf einem leeren Sitzplatz gegenüber zu parken.

Die Jungen kennen ihre Rechte und nehmen die Privilegien der Jugend gerne in Anspruch. Und vernachlässigen die Pflichten. Wahrscheinlich waren wir auch nicht besser, als wir jung waren. Aber Achtung: Das auszudiskutieren mit einer Generation, die mit Diskussionen aufgewachsen ist, kann anstrengen und dauern. Und den Rahmen einer Busfahrt sprengen. Wer hat schon Lust, drei Haltestellen lang wegen zweier renitenter Beine auf einem leeren Sitzplatz zu streiten? „Nicht jeder hat das Standing dazu“, sagt die Benimm-Trainerin, oder die passende Laune. Abwägen, wie man drauf ist – und entscheiden. Manchmal ist nichts sagen die klügere Variante. Erziehungsarbeit, die den Eltern misslungen ist, lässt sich nicht mit einem Satz nachholen.

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