Partner der

Drogenbericht 2017: Kinder Suchtkranker leiden besonders

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung fordert eine bessere Betreuung der Kinder von Suchtkranken. Mehr als drei Millionen Jungen und Mädchen sind betroffen.

|
Vorherige Inhalte
  • Mutter mit Kind und Bierflasche: Drogenbericht 2017. 1/2
    Mutter mit Kind und Bierflasche: Drogenbericht 2017. Foto: 
  • Foto: epd 2/2
    Foto: epd Foto: 
Nächste Inhalte

Kokain, Amphetamine und Chrystal Meth – und das alles gleichzeitig. Es ist der gefährliche Mischkonsum von Stimulanzien, der auch im vergangenen Jahr für eine Vielzahl von Todesfällen verantwortlich war. „Die Bandbreite des Angebotes wird immer größer“, sagte die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU), als sie am Freitag in Berlin ihren Drogen- und Suchtbericht vorstellte. Auffällig sei dabei vor allem der Anstieg der Vergiftungen im Zusammenhang mit Kokain auf 71 Tote, beinahe eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr.

Den größten gesellschaftlichen Schaden richten nach Mortlers Worten aber weiterhin der Alkohol- und Tabakkonsum an. 7,8 Millionen Menschen konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Menge, rund 20 Millionen sind Raucher. Trinken und Rauchen seien in unserer Gesellschaft tief verwurzelt, deswegen werde man dort „nicht mit Riesenschritten vorankommen“.

Trend zur E-Zigarette hilfreich

Hoffnung gebe beim Tabakkonsum aber, dass die Zahl der jugendlichen Raucher innerhalb von 15 Jahren von knapp 45 Prozent auf 26,2 Prozent zurückgegangen sei. Der neue Trend zur E-Zigarette sei hilfreich – allerdings nur für starke Raucher, die auf diesem Weg versuchen, von ihrer Sucht loszukommen.

Einen Schwerpunkt zum Thema Alkoholkonsum bildete im vergangenen Jahr die Situation von Kindern suchtkranker Eltern. Die Zahlen sind erschütternd: Über drei Millionen Kinder wachsen in suchtbelasteten Familien auf, wobei 2,6 Millionen Väter oder Mütter alkoholkrank sind. Nur ein Drittel der Mädchen und Jungen übersteht eine solche Kindheit unbeschadet, ein Drittel wird selbst suchtkrank, ein gleicher Teil erleidet psychische Schäden. Oft entsteht in der Phase des Heranwachsens eine fatale Kettenreaktion: Die Kinder erleben oft Auseinandersetzungen in der elterlichen Partnerschaft, werden überdurchschnittlich oft Zeugen häuslicher Gewalt, geraten aber auch selbst oft in Streit mit ihren Vätern und Müttern.

Immerhin: Auch die Zahlen von Alkoholkranken seien in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen, berichtete Mortler. Einen gegenläufigen Trend verzeichnet der Drogenbericht allerdings beim Cannabiskonsum. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2015 konsumierten 7,3 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen und 15,3 Prozent der 18- bis 25-Jährigen binnen eines Jahres Cannabis-Produkte wie Marihuana oder Haschisch. Damit liegen diese Drogen bei den illegalen Rauschmitteln weit an der Spitze.

Beratung statt Strafe

Mortler warnte vor einer Legalisierung des Cannabishandels. „Der Wirkstoffgehalt ist heute etwa fünfmal so groß wie vor 30 Jahren“, sagte sie. „Es geht bei Cannabis nicht um ein harmloses Genussmittel, sondern um eine Droge, die die Gesundheit gravierend schädigen und zu Angstzuständen, Depressionen und Schizophrenie führen kann.“ Auch wenn sie es für falsch halte, den Genuss und Verkauf völlig freizugeben, so sei sie doch grundsätzlich für „Beratung statt Strafe“.

Das von ihr mit auf den Weg gebrachte neue Gesetz zu Cannabis als Medizin wertete Mortler als Erfolg. „Einige tausend“ Patienten mit schweren Erkrankungen wie chronischen Schmerzen oder Multipler Sklerose würden bereits mit solchen Arzneimitteln versorgt, sagte sie. Kritiker monieren allerdings, dass es Lieferengpässe gebe und die Krankenkassen sich oft weigern, für die Kosten aufzukommen. „Jeder zweite Patient bekommt keine Erstattung“, kritisiert der drogenpolitische Sprecher der Linken-Fraktion im Bundestag, Frank Tempel. Die Anträge seien viel zu bürokratisch.

Kritik muss sich Marlene Mortler auch regelmäßig anhören, weil sie verständnisvoll mit der Alkohol- und Tabakindustrie umgehe. In ihrem Bericht betont sie allerdings, dass sie beispielsweise die Schockbilder auf Zigarettenpackungen gegen den erheblichen Widerstand der Tabakhersteller durchgesetzt habe.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, hält nichts von Forderungen nach einem Verbot für Alkoholwerbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Sie wünsche sich das; die Sender hätten dies aber selbst in der Hand. Stattdessen forderte sie eine Debatte darüber, ob Alkoholwerbung im gebührenfinanzierten Fernsehen noch nötig sei.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Stadt kauft Gelände im Wobachtal

Der Bietigheimer Trachtenverein hat sein sanierungsbedürftiges ehemaliges Vereinsheim an die Stadt zurückgegeben. Der Pächter der Wirtschaft ist insolvent. weiter lesen