Partner der

Bangen um das Kolosseum

|
Von manchen Arkaden bröckelt der Putz, möglicherweise wegen des U-Bahn-Baus in der Nähe: das Kolosseum in Rom.  Foto: 

Die römische Altertümerbehörde droht, den U-Bahn-Bau am Kolosseum wegen Schäden am Amphitheater zu blockieren. Der Streit um das seit Jahrzehnten geplante Infrastrukturprojekt mitten im Herzen des antiken Roms eskaliert. Es geht weniger um Vibrationen durch Baumaschinen als um eine Kostenexplosion und Kompetenzgerangel.

Für das Kolosseum als einem der meistbesuchten Denkmäler der Welt ist die Altertümerbehörde zuständig. Deren Chef Francesco Prosperetti habe den roten Alarmknopf gedrückt, schreiben italienische Medien. „Wenn die Finanzierung für die Konsolidierungsarbeiten nicht kommt, sehen wir uns gezwungen, den Tunnelbagger der Metro C zu stoppen, die sich mit ihren Bohrungen dem Denkmal nähert und Einstürze zu verursachen droht.“

Bereits jetzt falle von den oberen Arkaden des Kolosseums der Putz herunter, sagt der römische Chef-Archäologe. Deshalb sei ein Teil des Gebäudes für Besucher gesperrt worden.

Hintergrund

Der  Hintergrund des Streits ist die Ankündigung der Bürgermeisterin Virginia Raggi von der Fünf-Sterne-Bewegung, die Metro-Planungsgesellschaft zu schließen. Die habe eine Kostenexplosion hervorgerufen, ihr sei also keineswegs die weitere Planung für den Ausbau des römischen U-Bahn-Netzes anzuvertrauen.

Das Problem: Ohne die Gesellschaft als Partner für die Finanzierung der Konsolidierung des Kolosseums erhält die Altertümerbehörde nicht die zugesagten Mittel zur Stabilisierung.

 Die Bürgermeisterin hatte die Wahl vor wenigen Monaten auch mit dem Argument gewonnen, sie werde die Bürger über die Bewerbung für die Olympischen Spiele abstimmen lassen. Als sie gewählt war, fiel das Referendum mit dem Argument aus, wer sie gewählt habe, habe sich ohnehin gegen Olympia entschieden.

Anders als die Hamburger halten viele Römer nichts von einer Bewerbung ihrer Stadt für das Sportereignis. Sie sind überzeugt, das Geld für die Infrastruktur werde in schwarzen Kanälen verschwinden. Das gleiche Argument benutzt die Stadtverwaltung für den Stopp des U-Bahn-Ausbaus.

Wände versperren den Blick

Ursprünglich waren für die Konsolidierung des Kolosseums sechs Millionen Euro zugesagt worden. Seit Jahren versperren meterhohe gelbe Wände vor dem Kolosseum den Blick in die riesige U-Bahn-Baustelle. Wer gehofft hatte, die Haltestelle der neuen Linie C werde bald eröffnet werden, sah sich nach der Ankündigung, die Planungsgesellschaft zu schließen, enttäuscht.

Die Linie C sollte den Nordwesten Roms mit dem Südosten verbinden. Der Abschnitt im Ostteil wurde im vergangenen Jahr eröffnet. Am Kolosseum soll sie an eine der beiden bestehenden U-Bahn-Linien angeschlossen werden und damit den täglichen Verkehrskollaps lindern helfen.

Die Stadtverwaltung sieht sich Blockaden in städtischen Behörden gegenüber, unter anderem den Verkehrs- und Müllbetrieben. Sie gibt ihnen die Verantwortung für die Lähmung der Stadt. Die Bürger üben sich derweil weiter in niederschmetternder Kritik an den Stadtoberen. Und warten oft stundenlang auf Bus und Bahn.

So stehen die Zeichen für den Ausbau der Metro zum Kolosseum erst einmal auf Rot. Und der Traum der Archäologen, die in der Zeit des Faschismus vor hundert Jahren über das Forum Romanum zum Kolosseum angelegte Hauptverkehrsader abzureißen, rückt mit der Blockade für die Linie C ebenfalls in weite Ferne.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Nach Bamberger kandidiert auch Chef nicht mehr

Die Gemmrigheimer Bürgermeisterin tritt nach 24 Jahren nicht mehr an. Am 4. März wird in Gemmrigheim und am 15. April in Bönnigheim gewählt. weiter lesen