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40 Jahre Offizielle Deutsche Musik-Charts

Hitparaden gelten als wichtige Trendbarometer. Doch musikalischen Erfolg zu messen, ist in Zeiten von Streaming-Diensten und Download-Portalen komplizierter geworden. Nun wird die offizielle Bestenliste 40 Jahre alt - Zeit für eine Bestandsaufnahme.

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ZDF-Hitparade: Dieter Thomas Heck  Foto: 

Die historisch erste Nr. 1 war ein Lied ohne Text. Der Elektropop-Hit „Magic Fly“ lief in Discos von Flensburg bis Ibiza rauf und runter. In Deutschland ging die Single tausendfach über die Ladentheken. Am 29. August 1977, vor 40 Jahren, stürmte das Stück an die Spitze der ersten Offiziellen Deutschen Charts. Seitdem hat sich viel verändert. Eins gilt allerdings nach wie vor: Alle wollen es in die Bestenliste schaffen - aber nur wenigen gelingt es.

Schon vor 1977 gab es Hitparaden. „Deutsche Charts erschienen in der Zeitschrift "Automatenmarkt", später in der Fachpublikation "Musikmarkt"“, erzählt Mathias Giloth, Chef der Firma GfK Entertainment in Baden-Baden. Sie produziert seit vier Jahrzehnten die Offiziellen Deutschen Charts. „Der 29. August 1977 markiert einen Meilenstein, denn ab da wurden die Charts im Auftrag des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft - heute Bundesverband Musikindustrie - erstellt“, sagt er.

Die Offiziellen Deutschen Musik-Charts vom 29. August 1977 bis zum 29. August 2017

Seither hat sich das Kaufverhalten von Musikliebhabern geändert. Der digitale Wandel hat großen Einfluss auf dieBranche. Heute werden die Charts aus den Umsätzen von 2800 Händlern wie Media Markt oder Saturn errechnet, zusätzlich fließen Internetverkäufe von Portalen wie Amazon ein oder Downloadzahlen von Plattformen wie iTunes. Auch die Nutzung von Streaming-Diensten wie Spotify wird einbezogen. „Viele denken, man braucht nur auf einen Knopf zu drücken. Dabei ist die Methodik sehr komplex“, sagt Giloth. 90 Prozent des Musikmarkts seien mit dem Verfahren abgedeckt.

An der wöchentlichen Bestenliste kamen früher weder Fans noch Künstler vorbei. TV-Shows wie ZDF-Hitparade oder Formel Eins heizten die Leidenschaft der Fans von ABBA, Michael Jackson oder Boney M. weiter an. „Man hat den Sendungen entgegengefiebert, weil man sehen wollte, auf welchem Platz der eigene Liebling steht“, erzählt Sebastian Zabel, Chef der deutschen Ausgabe des Musikmagazins „Rolling Stone“.

Heute haben die Charts als kollektives Ereignis an Bedeutung verloren: „Die jüngere Generation hat einen viel schnelleren Umschlag beim Austausch von Musik - da bilden sich andere, informelle Charts“, sagt Zabel. Trotzdem seien die Listen auch heute noch wichtige Trendmesser. „Man kann gewisse Grundlinien erkennen. So ist erstaunlich, dass zum Beispiel neben Helene Fischer oft düsterer Rock vertreten ist. Auch der Siegeszug von elektronischem Pop ist mit den Charts klar zu belegen“, meint der deutsche „Rolling Stone“-Chef.

Hitlisten bieten Orientierung. Musiker können sehen, wie sie im Vergleich zu Kollegen dastehen. Und die Platzierungen beeinflussen, was im Radio gespielt wird und welche Werke im Handel prominent angeboten werden.

„Die Rekorde der Charts sind fast allesamt in deutscher Hand“, zählt Giloth auf. Kein Album habe sich so lange in der Liste gehalten wie Andrea Bergs „Best Of“ (349 Wochen), und kein Künstler habe so viele Nummer-1-Alben herausgegeben wie Peter Maffay (17 Stück). Und Helene Fischer? „Sie landete drei Mal hintereinander das erfolgreichste Album des Jahres“, sagt der GfK-Chef. „Das ist unerreicht.“

Und wie sieht die Zukunft aus? Der Handel in den Geschäften werde zumindest in den kommenden Jahren weiter eine wichtige Rolle spielen, sagt der 45-Jährige. Größter Wachstumstreiber sei aber das Streaming, das allein 2016 um rund 73 Prozent gewachsen sei. Was aus Giloths Sicht gleich bleiben wird: Manche Erfolge lassen sich vorhersagen, andere nicht. „Letztlich entscheidet der Konsument, was ihm gefällt“, meint Giloth. „Das ist das Spannende.“

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