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Zwei Männer in Stuttgarter Anwaltskanzlei erschossen

Spezialkräfte der Polizei haben am Montag zwei tote Männer in einer Stuttgarter Kanzlei gefunden. Zuvor hatten sie das Haus stundenlang belagert.

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Das SEK der Polizei im Einsatz in Stuttgart.   Foto: 

Gegen 17.40 Uhr packen die Kräfte vom Spezialeinsatzkommando  zusammen. Kurze Zeit zuvor hatten sie die Anwaltskanzlei an der Gerokstraße 83 im Stuttgarter Osten gestürmt – und einen blutigen Fund gemacht. Zwei tote Männer seien im Keller des Hauses gefunden worden, teilt Polizeisprecher Stefan Keilbach Minuten später mit. An beiden Leichen habe man Schussverletzungen entdeckt. Den Angaben zufolge handelt es sich um den im Haus ansässigen Juristen Peter-Franz W. (75) sowie einen 67-jährigen Mann aus dem Großraum Frankfurt am Main. Was genau in dem gelben Eckhaus mit den blau-weiß-gestreiften Jalousien und dem Holzhäuschen im Garten geschehen ist, ist am frühen Montagabend noch unklar.

13 Uhr. Eine Nachbarin aus der Gerokstraße meldet sich. Sie habe beobachtet, wie nebenan ein Mann mit einer Schusswaffe hantiert habe. Dann sei ein Schuss gefallen. Die Polizei rückt daraufhin mit einem Großaufgebot von 300 Polizisten an. Das Gebiet wird großräumig abgesperrt – es gehört zu Stuttgarts besten Adressen in Halbhöhenlage mit vielen schmucken Einfamilienhäusern, der Amtssitz von Ministerpräsident Winfried Kretschmann liegt ganz in der Nähe. Auch Krankenwagen, Notarzt und das Kriseninterventionsteams werden angefordert. Der Auto- und Bahnverkehr wird umgeleitet.

Die Pressestelle vermeldet gegen 14 Uhr eine „unklare Bedrohungslage“, dann stundenlang eine „statische“. Grund: Um andere und auch sich selbst zu schützen, müssen die Einsatzkräfte das Gebäude und die Umgebung erst genau auskundschaften. Gegen 16 Uhr kommen zwei junge Männer angerannt. Sie haben im Internet von dem Einsatz erfahren, seien mit W. befreundet. „Wir kennen uns in dem Haus aus, können Angaben machen“, sagt einer der beiden schwer atmend. Sie dürfen die Absperrung, an der sich mittlerweile mehr als 20 Journalisten und Kamerateams versammelt haben, passieren. Parallel versuchen die Einsatzkräfte den Juristen immer wieder zu erreichen. Ohne Erfolg. Als sie das Haus schließlich betreten, wissen sie, wieso.  

Viele Fragen bleiben zunächst offen: Wie standen die beiden Toten zueinander? Hat der 67-Jährige erst W. und dann sich selbst erschossen, wie es zumindest die Logik vermuten lasse (Keilbach)? Und: Was war das Motiv für die Tat? Die Antworten darauf muss die Polizei am Montag schuldig bleiben. Das alles müssten nun die Ermittlungen ergeben, sagt Keilbach. Die Spurensicherung macht sich noch am Abend an die Arbeit.  Sicher scheint nur, dass die Beteiligung eines dritten derzeit ausgeschlossen wird.

Über die Hintergründe der Tat wird auch in der Nachbarschaft am Montag wild spekuliert. Viele stehen auf der Straße, beobachten den Einsatz, manche schon allein deshalb, weil sie nicht zu ihrem Haus können. Sie habe W. und seine Frau oft auf der Straße gesehen, berichtet eine Nachbarin, die vom Einkaufen kommt.  Er sei schon älter gewesen, sie deutlich jünger. Das Paar sei auffällig gewesen, „so wie sie angezogen waren und sich gegeben haben“. Ein anderer Anwohner erzählt, der Jurist, der auch heikle Fälle übernahm, etwa Vergewaltiger vertrat, und seine Familie seien in dem Quartier immer wieder Gesprächsthema gewesen.

Grund dafür dürfte auch eine Geschichte aus dem Jahr 2006 sein. Seinerzeit wurde W.s Schwiegermutter wegen versuchten Totschlags angeklagt. Den Prozess bezeichnete die Bild-Zeitung als den „bizarrsten des Jahres“: Demnach hatte W. mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter eine Dreiecksbeziehung unterhalten. Letztere soll er gegen Geld zu Besuchen in Swingerclubs animiert haben. Auch zu Hause soll es zu Fesselspielen gekommen sein. Dabei soll die Schwiegermutter einmal zu weit gegangen sein. Sein Sohn fand W. schließlich lebensgefährlich verletzt. Seinerzeit konnte der Anwalt noch behandelt werden.

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