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US-Schauspieler Gorman erinnert sich an seine Zeit als GI in Neu-Ulm

US-Schauspieler Patrick Gorman war wie Elvis oder Johnny Cash in Deutschland stationiert. Der Star von einst erinnert sich.

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    Historische Szenen aus der Neu-Ulmer Militärzeit Anfang der fünfziger Jahre: GI Patrick Gorman in seiner Kampfmontur mit Stahlhelm... Foto: 
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    und mit dem Fahrrad und leichtem Gepäck auf dem Weg Richtung Norden nach Dänemark und Schweden. Foto: 
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Elvis Presley („It’s now or never“), Johnny Cash („Ring of fire“) und Gus Backus („Da sprach der alte Häuptling“) waren in den 1950er Jahren als US-Soldaten in Süddeutschland stationiert – das weiß fast jeder. Aber dass der bekannte Schauspieler aus den USA, Patrick Gorman, zuerst in der Ulmer Flandern-Kaserne (heute Wilhelmsburg-Kaserne) und dann in den Neu-Ulmer Wiley Barracks in der US-Armee gedient hat, ist nur wenigen bekannt.

1951 hatte die damalige Besatzungsmacht in Ulm vier und in Neu-Ulm zwei ehemalige Kasernen der Wehrmacht beschlagnahmt, um links und rechts der Donau eine neue US-Garnison in Süddeutschland einzurichten. Sieben Jahre später schipperte der damals 24-jährige Patrick Gorman aus Hollywood im US-Bundesstaat Kalifornien Richtung Germany. „Ich hatte mich freiwillig gemeldet“, erzählt der heute 83-Jährige am Telefon. Zuvor war er bereits einige Jahre lang bei der US Navy.

Als er im Sommer 1958 mit dem Schiff in Bremerhaven ankam, „eine Woche vor Elvis‘ Ankunft“, hatte er, wie bereits der berühmte Rock‘n’Roll-Sänger, einen Namen. Bis dato nicht in Deutschland, aber in den USA. Gorman war mit Judy Garland durchs Land gereist und spielte im legendären Palast-Theater am Broadway. Zudem hatte er Auftritte mit Sammy Davis jr., Dean Martin und Jerry Lewis.

In Ulm hatte Gorman am Anfang im Hauptquartier der 4. US-Panzerdivision (4th Armored Division), wo er als Funker arbeitete, keinen leichten Stand. „Ich war einer der ältesten Soldaten, meine Kameraden waren alle unter 20. Deshalb war ich ein Außenseiter.“ Und wie nahm die Bevölkerung die US-Soldaten auf? „Die Älteren waren etwas reserviert, mit den Jüngeren hatte ich gute Kontakte.“ Gleich am ersten Tag ging er in der Uniform in die Stadt und kaufte sich ein Fahrrad. So konnte der Sergeant die Umgebung erkunden. Während seines Urlaubes fuhr er mit dem Rad von Ulm nach Hamburg, um weiter nach Dänemark und Schweden zu reisen. „Mit dem Bicycle fuhr ich die ganze Strecke zurück. Das vergesse ich nie.“

In Ulm traf Gorman „meinen lieben Freund und Kupferstecher“, den Choreografen Gene Reed, der ebenfalls dort stationiert war und mit dem er schon auf der Bühnen in den USA gestanden hat. Gemeinsam wurde das Heimweh überwunden. Mehr als Postkarten und Briefe zu schreiben war nicht drin. Telefonieren war zu dieser Zeit nur einmal im Jahr erlaubt. „Ein paar Minuten kosteten ein Vermögen, unbezahlbar“, erinnert sich Gorman. An einen Trip nach Hause war nicht zu denken. „Ich musste meiner Ex-Frau viel Geld für unsere Tochter in die Staaten schicken“, schmunzelt der heute 83-Jährige.

Deshalb spielte sich das Leben an der Donau überwiegend in den Kneipen rund um die Kasernen ab. Ab und zu ging er ins Capitol-Kino beim Ulmer Bahnhof, „um John Wayne auf Deutsch zu hören“. Da Gorman nur ein einfacher GI war, kam er nicht in den Genuss, bei der Armee Deutsch-Unterricht zu bekommen. Deshalb ging er oft ins Café Mohrenköpfle in der Kramgasse, um mit den „Frolleins“ ins Gespräch zu kommen. „So habe ich die Sprache gelernt“, erinnert sich der Schauspieler, mit dem man sich heute noch auf Deutsch unterhalten kann. Kein Wunder, dass er später in einigen US-Filmproduktionen einen deutschen Professor, einen deutschen Priester oder einen deutschen Schurken mimte. In der TV-Serie „Navy CIS: L.A.“ trägt er den Namen Hans Schreiber.

Vor Weihnachten hat die US-Garnison mehrere Hundert Kinder aus Neu-Ulm und Ulm in die Kasernen eingeladen, wo sie von Santa Claus mit seinem Rentier-Schlitten kleine Geschenke erhielten, erzählt Gorman. „Häf yu a Tschuing-Gamm?“, fragen die Jungs und Mädchen in breitem Schwäbisch-Englisch. Ihr Wunsch nach Kaugummi wurde natürlich erfüllt. Mit einem freundlichen „Sänk yu“ bedanken sich die Kleinen.

„Linsen and Spätzle und Maultaschen“, wenn Gorman daran heute denkt, läuft ihm sofort das Wasser im Mund zusammen. „Und das German Beer, ich liebe es.“ Das hat er früher in der Ulmer Altstadt „in einer gemütlichen Bierstube“ genossen.

Nach der Entlassung aus der Armee reiste Gorman nicht zurück in die USA, sondern nach Frankreich, wo er in Paris sein Schauspielstudium begann. Parallel dazu stand er auf der Bühne. Sein erster Job war ein Clown im berühmten Circus Medrano. Zurück in den USA ging es mit seiner Film- und Theaterkarriere steil bergauf. Er stand mit Marlene Dietrich, Robert Redford, Tom Berenger, Jeff Bridges und Sydney Pollack vor der Kamera. Einige seiner bekannten Steifen sind „Die drei Tage des Condor“, „Gettysburg“, „Wild Bill“ und „Airport ‚79 – Die Concorde“. Bis heute hat Gorman in 55 Kinofilmen und fast 100 Fernsehserien, unter anderem bei „MacGyver“, mitgespielt. Außerdem stand er rund 14 000 Mal auf der Bühne.

2001 reiste Gorman nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder nach Europa. Seine Tochter Brita begleitet ihn, der er an zwei Tagen „die alte Heimat“ zeigte. „Die Atmosphäre in Ulm war wie früher, ich habe viele Gebäude wiedererkannt. Nur der Münsterplatz war stark verändert.“ Wie einst hat er sich ein großes Stück Kuchen im Café Tröglen gegönnt und sich den höchsten Kirchturm der Welt ehrfürchtig angesehen.

Noch im hohen Alter steht der körperlich und geistig fitte Gorman vor der Kamera. Außerdem gehört er nach wie vor, und das seit mehr als fünf Jahrzehnten, der Gewerkschaft der Schauspieler an, die Screen Actors Guild (SAG), die jedes Jahr mit die besten filmischen Leistungen mit einem Oscar kürt.

Und, wird es noch mal mit einer Sightseeingtour nach „Good old Germany“ Richtung Ulm klappen? „Wer weiß, vielleicht. Ich werde dann vorher anrufen“, lacht Gorman und sagt fast akzentfrei „Auf Wiedersehen.“

Filmographie Den besten Überblick über das filmische Schaffen von Patrick Gorman gibt es auf der Seite www.patrickgormanonline.com Neben vielen Fotos aus Produktionen wie „Gettysburg“, „Wild Bill“ oder „Die drei Tage des Condor“ gibt es auch viele Informationen. Etwa, dass Gorman die japanische Kampfkunst Aikido beherrscht und dass er neben Französisch auch Deutsch, Spanisch, Russisch und sogar Spanisch gelernt hat, wenigstens ein paar Worte.

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