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Krawalle in Schorndorf: Polizei und OB räumen Fehler ein

Die Polizei hat bei Krawallen beim Schorndorfer Stadtfest zeitweise die Kontrolle verloren. Die Eskalation sei unvorhersehbar gewesen. Wer die Gewalttäter waren, ist aber unklar.

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Matthias Klopfer (links), OB von Schorndorf und Roland Eisele, Polizeipräsident in Aalen, bei einer Pressekonferenz zu den Vorfällen in Schorndorf.  Foto: 

Einst galt die Schorndorfer Woche als sicherstes Stadtfest im Umkreis. Mit einem neuen Sicherheitskonzept erhofften sich Stadt und Polizei in diesem Jahr sogar ein besonders friedliches Fest, das am heutigen Dienstag endet.

Doch trotz verstärkter Polizeipräsenz, eines zusätzlichen privaten Sicherheitsdienstes und hoher Investitionen in das neue Konzept kam es am Wochenende zu zahlreichen Eskalationen: Sexuelle Übergriffe auf junge Frauen, flaschenwerfende Gruppen und Gewalt gegen Polizisten. Mit Messern und Schreckschusspistolen bewaffnete Gruppen von bis zu 50 Personen zogen nachts durch die Stadt. In sozialen Medien ist vom „Grabbelfest“ die Rede. Die Polizei musste ihre Einsatzkräfte verdoppeln.

„Was den Kollegen da an Aggression und Gewalt entgegenschlug – das war ungekannt“, zeigt sich Polizeipräsident Roland Eisele bei einer spontan einberufenen Pressekonferenz am Montag schockiert. Als Hauptgrund sehe er den hohen Alkoholkonsum: „Alkohol ist ein Gewalttransmitter.“ Die Polizei habe die Lage nicht mehr im Griff gehabt, gibt Eisele zu. „Wir haben uns bei unserer Taktik an den vergangenen Einsätzen orientiert. In den Vorjahren lief die Schowo immer friedlich ab“, so Eisele.

Auch Schorndorfs Bürgermeister Matthias Klopfer räumt Fehler ein. Der Schlossplatz, der schon immer als Brennpunkt galt, wurde in diesem Jahr später als sonst und weniger konsequent geräumt. Etwa 1000 Jugendliche, die meisten zwischen 14 und 20 Jahre alt, hätten sich dort am Abend aufgehalten. Das späte Eingreifen sei in Absprache zwischen Stadt und Polizei beschlossen worden. „Das war ein Fehler und das tut mir auch leid“, sagt Klopfer. Man ziehe Lehren aus den Übergriffen. Bereits seit Samstag wurden Einsatzkräfte aus dem ganzen Land hinzugezogen und die Präsenz auf dem Fest verdoppelt. Zudem wird der Schlossplatz ausgeleuchtet. „Aktuell ist die Schowo sicher“, versucht Klopfer zu beruhigen.

Zwei Anzeigen wegen sexueller Belästigung sind bislang bei der Polizei eingegangen. In der Nacht von Freitag auf Samstag  wurde eine 25-jährige Frau von zwei Männern irakischer Abstammung begrapscht. Von Samstag auf Sonntag kam es zu einem weiteren Vorfall, bei dem drei Asylbewerber aus Afghanistan, zwischen 18 und 20 Jahre alt, eine 17-Jährige sexuell belästigten. Die Täter seien bekannt, Haftbefehle wurden allerdings noch nicht ausgestellt, da deren Wohnort noch unbekannt sei.

Dass man mit weiteren, noch nicht zur Anzeige gebrachten sexuellen Übergriffen rechnet, legt der Aufruf von Roland Eisele nahe. Er betont bei der Pressekonferenz: „Wir ermutigen alle Frauen, sich zu melden, sollten sie ebenfalls Opfer von Übergriffen geworden sein.“

Die Schorndorfer stehen sichtlich noch immer unter dem Eindruck der Geschehnisse des Wochenendes. „Die Schowo ist jetzt nicht mehr, wie sie einmal war“, sagt Besucherin G. De Bellis, die seit Samstag eine gedrückte Stimmung auf dem Fest wahrnimmt. Stefanie Österle und Alina Schmied, beide 19 Jahre alt, waren am Wochenende auf dem Schlossplatz. Sie hätten mehrere Schlägereien miterlebt, von den sexuellen Übergriffen hätten sie aber nur gehört, sie berichten aber auch von einer merklich höheren Polizeipräsenz als in den Vorjahren. „So krass war das Gewaltpotenzial noch nie“, sind sie sich sicher.

In einer ersten Pressemitteilung von Sonntag hieß es, dass es sich bei dem Großteil der Gruppe um Migranten gehandelt habe. Dies wurde gestern durch die Stadt sowie durch die Polizei dementiert. Es sei unmöglich zu sagen, wie viele der Personen Migrationshintergrund hätten. Laut OB Klopfer hätten auch viele Abiturienten und Realschüler im Schlosspark gefeiert.

Deutlich mehr Diebstähle

Die Forderung von Tübingens OB Boris Palmer, nach den Vorfällen in Schorndorf erneut öffentlich über das Verhalten von Flüchtlingen zu diskutieren, wollte Klopfer nicht unterstützen: „Wir haben hier ein gutes Miteinander in der Stadt“, so der Bürgermeister. Man diskreditiere so nur viele Menschen, die sich bemühten.

Auch unter den Standinhabern des Marktes herrscht Unruhe. Mehrere berichten von Diebstählen. „Ich bin seit fünf Jahren hier. Dieses Jahr wurde zum ersten Mal geklaut“, sagt Standinhaber Javier Edison. Rund 100 Lederarmbänder seien ihm gestohlen worden. Wie die Polizei bestätigt, hätten die Diebstähle in diesem Jahr zugenommen.

„Die Schowo soll künftig wieder das sicherste Stadtfest sein“, sagte Klopfer. Er sei in großer Sorge um die Stimmung in der Stadt – auch gegenüber Flüchtlingen.

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Kommentare

17.07.2017 20:32 Uhr

titanic

Dann hoffen wir doch mal auf ein ruhiges Schwörwochenende.
Wenn wir nur die Gymnasiasten in den Griff kriegen.
Und die Realschüler.
Gemeinschaftsschüler sind nicht so das Problem, was sollen die auch feiern?
Und die 1 bis 2 Millionen Neu-Einwohner aus „da unten“ haben ja auch keine Zeit: die Integrieren sich andauern, lernen jede Menge Deutsch und steigern heftigst das Bruttosozialprodukt.

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