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Mannheim bekennt sich zu Eintracht in Vielfalt

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Seit Jahrhunderten, so sagt Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD), sei die Vielfalt in der Mannheimer Stadtgesellschaft Realität. Und: Sie nehme weiterhin zu. Angehörige von 166 Nationen sind in der Metropole an Rhein und Neckar vertreten. Die unterschiedlichen Lebensarten gehen durch alle Milieus, sagte Kurz bei der Gründungsfeier des „Mannheimer Bündnisses für ein Zusammenleben in Vielfalt“.

Der Fokus liege gegenwärtig auf von rechten Kreisen bestimmten Debatten. Diese aber verschiebe die Realtiätswahrnehmungen. „Wir müssen uns gegen alle gemeinsam zur Wehr setzen, die die Gemeinschaft spalten wollen“, sagte OB Kurz. „Vielfalt ist schlicht eine Tatsache und wir wollen sie gestalten.“

Insgesamt 140 Institutionen unterstützen das Mannheimer Bündnis – Konzerne, Betriebsräte, Parteien, Verbände, Behörden.  Ein Zeichen gegen den Zeitgeist: Die Gestalter einer Gemeinschaft in Vielfalt würden gegenwärtig als realitätsfern gebrandmarkt, sagte Kurz. „Aber wir dürfen uns auf diese Spaltung nicht einlassen, unsere Grundwerte sind Rechtsstaatlichkeit und Toleranz.“ Mit der Gründung des Bündnisses sei eine wichtige Gestaltungsaufgabe verbunden, so der Mannheimer Oberbürgermeister.

Das Bündnis, so das erklärte Ziel, will ein von gegenseitigem Respekt getragenes Zusammenleben fördern und jeglicher Form der Benachteiligung und Ausgrenzung entgegenwirken. Grundlage der Initiative ist die seit der Zeit des Gaza-Krieges 2008/09 angestrebte „Mannheimer Erklärung“. Damals hatten einzelne Islamverbände antisemitische Parolen verbreitetet.

„Seitdem sind wir einen schweren Weg gegangen“, sagte Kurz, „um einen soliden Standard zu erreichen.“ Dieses „Werteverständnis für ein gelingendes Zusammenleben wurde im Mai vom Gemeinderat verabschiedet. Es orientiert sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948, welche die unveräußerliche Würde und die Grundrechte jedes einzelnen Menschen festschreibe.

Kurz erklärte zur aktuellen politischen Situation: „Das, was am 3. Oktober in Dresden passiert ist, war kein normaler Protest, wie wir ihn bisher kannten.“ Nicht Trillerpfeifen und Schmährufe seien neu, sondern das Motto, unter dem das geschieht. „Wir sind das Volk“ sei eine zutiefst ausgrenzende Parole und die Aufkündigung des Dialogs. Der Mannheimer OB sieht das Bündnis für Vielfalt als „Einladung an alle mitzumachen“. Es sei aber auch schon vorgekommen, dass bestimmte Kreise dieses für ihre Zwecke zu missbrauchen gedachten. „Wir distanzieren uns von allen, die es und seine Ziele unterlaufen wollen“, betonte Kurz.

Andreas Foitzik vom Netzwerk Anti-Diskriminierung in Reutlingen betonte die Bedeutung von Vielfalt für die Stadtgesellschaft. Er wies auf die Folgen von Diskriminierung hin und sagte, im Südwesten seien diese Themen „lange am Rand gehalten“ worden. Die Mannheimer Erklärung hingegen stelle sich klar gegen jede Form von Rassismus oder Diskriminierung. „Dass Menschen die Möglichkeit haben, die zu sein, als die sie sich selbst verstehen, das ist Vielfalt.“

Diskriminierung werde oft nicht bemerkt oder beabsichtigt. Das ändere gleichwohl nichts, es seien „die gleichen Effekte, die bei den Menschen ankommen“. Foitzik nannte das Mannheimer Bündnis „breit, tief und aktiv“: „Hier treffen sich Menschen, die sonst eher mit sich selbst zu tun haben. Und sie erkennen, dass sie mehr Verbindendes als Trennendes haben.“ OB Kurz erinnerte an den Satz des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber: „Alles Leben ist Begegnung“.

Erklärung „Die Stadt Mannheim ist in ihrer über 400-jährigen Geschichte überwiegend geprägt von einem Zusammenleben im Geist der Offenheit und der Verständigung. Dieses Selbstverständnis gilt es zu bewahren und aktiv fortzuschreiben. Auf der Grundlage jener welt­anschaulichen und religiösen Überzeugungen [...] besteht die Verpflichtung, ein gelingendes Zusammenleben in einer von Vielfalt geprägten Gesellschaft zu gestalten. Eine notwendige Verantwortung ergibt sich in besonderer Weise durch die historischen Erfahrungen geschehenen Unrechts [...]. Aber auch aktuelle Auswüchse gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit fordern eine Positionierung [...].“

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