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Im Zeichen des Mopses: Winnender Mops wird 300 Jahre alt

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    „In Kriegsgeschrei und Pulverdampf“: Das Mopsdenkmal am Schloss Winnental. Foto: 
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    Vollgas voraus: Auch ein Mopsrennen ist am 7. Mai geplant Foto: 
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Heutzutage müsste der Mops ohne Namen draußen vor dem Tor warten. Der Zutritt für Hunde ist auf dem Areal des Schlosses Winnental – seit 1833 Standort einer Psychiatrie – nicht erlaubt. Vor 300 Jahren jedoch sorgte dort der Mops von Herzog Carl Alexander für große Freude, beim Herrchen ebenso wie bei dessen Bediensteten. Der treue Begleiter hatte mit seinen kurzen Beinen einen 1100 Kilometer langen Dauerlauf zurückgelegt, nachdem er 1707 im Getümmel der Schlacht von Belgrad seinen adligen Besitzer verloren hatte. Die unerwartete Rückkehr des Mopses hatte die Höflinge derart erfreut, dass sie nach dessen Tod 1733 ein Denkmal bestellten.

So will es die Überlieferung, deren Wahrheitsgehalt manchmal nicht nur wegen der langen Strecke angezweifelt wird. Die Geschichte sei „keine fake news“, versichert Hartmut Holzwarth. „Es gibt keinen Hinweis, dass es nicht stimmt“, sagt der CDU­Oberbürgermeister der Stadt im Rems-Murr-Kreis. Seines Wissens nach sei der tote Mops ausgestopft worden, aber bei den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs in Stuttgart verschwunden. „Er hatte also für die herzogliche Familie eine gewisse Bedeutung.“

Der „Hofmops“, heißt es im Denkmal, war „ungemein treu“. Sein „holdes Mäulchen“ zeugte von Freundlichkeit, „und jede Miene wies, was du nicht konntest sagen“, meißelte der Bildhauer in den Stein. Ein Gedicht erzählt die Mär vom „kleinen Mopshund“ noch wundersamer. „In Kriegsgeschrei und Pulverdampf, in Roßgewieher und ­-gestampf da sahn sie plötzlich sich nicht mehr“, schildert der Poet die Trennung von Hund und Herr. Elf Tage lang sei der bellende Begleiter gerannt, „von Belgrad heim ins Schwabenland“.

Carl Alexander (1684 ­-1737) führte als Reichsgeneralfeldmarschall das württembergische Heer an der Seite von Prinz Eugen von Savoyen gegen 150 000 Osmanen im Venezianisch-Österreichischen Türkenkrieg. Sein Wohnsitz war das Schloss Winnental, erst als er den Thron bestieg, zog er 1733 nach Stuttgart. Vom Mops blieb das Denkmal.

„Wenn man davorsteht, wird man ruhig und andächtig“, schildert Hartmut Holzwarth die Wirkung des Gedenksteins. 300 Jahre nach dem tierischen Langstreckenlauf will sich Winnenden „mopsfidel“ geben. Das Jubiläum wird am 7. Mai mit einem „Wonnetag“ gefeiert, wie einer der beiden verkaufsoffenen Sonntage in der Stadt heißt. „Die Innenstadt mopst an allen Ecken und Enden“, verspricht Organisator Timo Hettich. Möpse, lebendige ebenso wie Kreaturen aus Kinder­- und Künstlerhand, werden das Bild bestimmen. Für eine Parade werden jene Nachbildungen aus Glasfaser hervorgeholt, die schon 2006 bemalt worden sind. An einem Mopsrennen dürfen nur echte Vertreter dieser Schoßhundrasse antreten, über 20 Anmeldungen liegen bereits vor. Die Aktivitäten von Stadtverwaltung und Geschäftsleuten zeugen davon, wie beliebt der Mops ist. „Es ist Wahnsinn, was an Anfragen eingeht“, freut sich Hettich. Des Jubels dürfen sich auch jene acht Radler sicher sein, die in elf Etappen die Mopsroute von Belgrad nach Winnenden zurücklegen werden. Sie können mit einem Wein namens Mops anstoßen.

Bereits jetzt ist im Foyer des Rathauses eine Auswahl an Mopsschätzen der Allgäuer Sammler Brigitte und Bernward Miller zu bestaunen. Offenbar ließ sich alles mit dem aus China stammenden Klein-Kläffer verzieren, allerlei Porzellan ebenso wie die Meerschaumzigarettenspitze.

Die Mopsfidelität hat freilich auch in Winnenden ihre Grenzen. Das Stadtwappen schmücken zwei grüne Ranken und drei schwarze Hirschstangen. Aber warum fehlt der Mops? „Daran“, räumt der Oberbürgermeister ein, „daran hat noch niemand gedacht.“

Das Denkmal im Hof des Winnender Schlosses ist nicht die einzige Würdigung der Hunderasse mit asiatischem Stammbaum. Am Eugensplatz in Stuttgart erinnert eine als Mops-Monument ver­edelte Säule an Vicco von Bülow alias Loriot. Von ihm stammt die Erkenntnis: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“

In Bretten (Landkreis Karlsruhe) wird beim Peter-und-Paul-Fest an die Heldentat eines Mopses erinnert. Das „Brettener Hundle“ soll die Stadt 1504 bei der Belagerung durch Herzog Ulrich von Württemberg gerettet haben. Das Tierchen wurde mit den letzten Vorräten so gemästet, dass die Feinde abzogen, weil sie glaubten, Bretten sei nicht auszuhungern. Zum Dank gibt es einen „Hundle-Brunnen“, auch auf einem Fresko in der evangelischen Kirche ist der wohlgenährte Vierbeiner zu entdecken.

In Wernau am Neckar lassen im September die Besitzer von Möpsen und Bulldoggen ihre sportlichen Hunde über eine 50­-Meter-Strecke rennen. hgf

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