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Heidelbergs charmeloser Bismarkplatz

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Bismarckplatz Heidelberg  Foto: 

Die Altersflecken sind nicht zu übersehen. Der  Eingang zu Deutschlands längster Fußgängerzone ist in die Jahre gekommen. Dennoch steht der Bismarckplatz in Heidelberg auf der Prioritätenliste sowohl der Stadt als auch der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) erst auf den hinteren Plätzen. Schon vor fünfeinhalb Jahren startete die SPD im Gemeinderat einen Vorstoß, den meistfrequentierten Platz der Stadt am Neckar aufzufrischen, die Verwaltung erstellte eine Liste dringend notwendiger Erneuerungen. Geschehen ist freilich nichts, der Bahnhofsvorplatz und die Konversion der ehemaligen Militärflächen haben Vorrang. Der Platz, an dem kaum ein Heidelberg-Besucher vorbeikommt, sei, so das Rathaus, mitsamt dem beherrschenden Nahverkehr zwar „ein kompliziertes Ensemble, aber mittelfristig ist nichts geplant“.

„Die Aufenthaltsqualität am Bismarckplatz ist fragwürdig, Tram und Busse fahren im Minutentakt“, sagt der Leiter des Landschafts- und Forstamtes der Stadt, Ernst Baader. „Niemand wird hier ein innerstädtisches Gepräge genießen.“ Der Platz ist umringt von drei Hauptverkehrsstraßen, „wer in Heidelberg von Nord nach Süd will, kommt vorbei“, sagt Baader. Der Neckar lasse sich nur im Stadtteil Ziegelhausen im Osten überqueren oder eben am Bismarckplatz. Baader und seine Behörde, die den kleinen Park dort betreut, wünschen sich eine Verjüngungskur für den Platz.

„Die 1960er Jahre waren noch schön“, sagt Stefan Thoma, der den Bismarckplatz seit damals kennt, als er noch ein Kind war. Seine Familie betreibt den Kiosk dort seit 1909, „ich könnte ein Buch darüber schreiben“. Heute sei der wichtigste Bereich Heidelbergs nur „noch ein Zweckplatz und für den Verkehr viel zu klein“.

Der Bismarckplatz erhielt Ende des 1970er-Jahrzehnts sein heutiges Gesicht. Da wollte Reinhold Zundel, von 1966 bis 1990 Heidelberger Oberbürgermeister, der Stadt ein neues Gepräge geben. Die Tram-Trasse wurde aus der Hauptstraße verbannt und diese als eine der längsten Fußgängerzonen Europas angelegt.

Geschütztes Design

Der Hannoveraner Designer Herbert Lindinger übernahm die Gestaltung. Diese ist geschützt, auch in der Farbgebung, einer Art Lila, von einem „Brombeerton“ wird gelegentlich gesprochen. Mittlerweile hat die Platz-Gestaltung über die Jahrzehnte ziemlich gelitten, auch durch Schmierereien, selbst an dem Wachhäuschen der Polizei an der Südostecke. Der Ensembleschutz bereitet ebenfalls Probleme: Muss etwa eine Sitzbank ersetzt werden, sei diese im Lindinger-Design nicht mehr zu bekommen, sagt Baader. Einen Vorstoß in Sinne Baaders unternahm die SPD im Oktober 2011. Sie beantragte im Gemeinderat eine „Auffrischungs- und Verjüngungskur“ für den Bismarckplatz.

Das Rathaus erkannte eine „immer wiederkehrende öffentliche Diskussion“ und reagierte mit verhaltenem Einsatz, etwa durch die Erneuerung der Abfalleimer. Auch „eine umfassende Grund­reinigung der Plattenbereiche wurde bislang aus Kosten-Nutzen-Abwägungen verworfen“. Diese Mitteilung stammt vom Januar 2012.

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