Partner der

Guido Wolf feilt noch am programmatischen Image

Die alten Lager seien Vergangenheit, sagt Guido Wolf, und er habe nie einem angehört. Verwurzelung im Land sei dennoch wichtig, und in diesem Punkt glaubt sich Wolf von Thomas Strobl zu unterscheiden.

|

Eigentlich könnte man anfangen, aber noch tröpfeln die Zuhörer in den Saal, ältere Herrschaften zumeist. Später wird Guido Wolf schnell ausrechnen, dass sich mehrere tausend Jahre Parteizugehörigkeit in der Villinger Altstadt versammeln. Als Kandidat ist er zunächst nicht gefragt, eher als Überbringer von Ehrennadeln. "Die sind ja grün", sagt er amüsiert nach einem Kontrollblick in die Schatullen.

Aus ersten, plumpen Attacken auf den grünen Regierungschef Winfried Kretschmann hat er gelernt. Gern beginnt er seine Reden jetzt mit Gemeinsamkeiten, zitiert seinen greisen Vater: "Der Kretschmann ist doch nicht schlecht . . . für einen Grünen." Wolf hat auch begriffen, dass man bei aller Selbstkritik, die nach der Mappus-Pleite in der Union umgeht, den eigenen Laden nicht "Allerweltspartei" schimpfen darf. Und er wendet sich, diesmal nahe bei Kretschmann, gegen die alltägliche Skandalisierung von Allem und Jedem. "Ein bisschen Sachlichkeit wäre kein Fehler", mahnte er vor Jahresfrist seine eigene Fraktion, die er mittlerweile weitgehend hinter sich fühlt.

"Politik macht man an Köpfen fest", sagt Wolf - aber auch an seinem? Bislang kannte man den Wolf ja eher als lammfromm, wie er über den Niederungen des Parlamentsalltags nahezu überparteilich präsidiert. Studierter Jurist, Referent in Thomas Schäubles Verkehrsministerium, hernach Verwaltungsrichter für Asylfragen, Referatsleiter unter Erwin Teufel, Vize-Oberbürgermeister in Reutlingen und schließlich Tuttlinger Landrat. Da war er ein kleiner König, weswegen es heißt, er täte sich schwer mit Kritik.

Seit 2006 ist er Abgeordneter. Vorerst letzte Karrierestufe: Landtagspräsident seit 2011. Gewiss ein schönes Amt, ein vielfältiger Werdegang, aber richtig tiefe Spuren hinterlässt man so noch nicht. Am programmatischen Image feilt Wolf also noch. Im Landtag ging er nach einer blassen Regierungserklärung Kretschmanns zu digitalen Dingen ans Pult und gab den angriffslustigen, pointierten Oppositionschef.

Hans-Georg Wehling, südwestdeutscher Übervater der Politikwissenschaft, maulte hinterher zwar, "das kann man im Grunde nicht tun. Das war ein Fauxpas." Kann man aber doch: Die Unionsfraktion reagierte entzückt, solche Reden hört sie nur selten, und die braucht sie doch als Motivation. Und die Regierung zeigte sich sichtlich überrumpelt. "Ich bin kein politischer Eunuch", sagt Wolf, und doch bleibt der Auftritt wohl ein Einzelfall: Er hat versprochen, den Präsidentensessel zügig zu räumen, sollte er das Mitgliedervotum gewinnen.

Vorige Woche hat Guido Wolf ein Zwölf-Punkte-Papier vorgelegt, das kaum ins Detail geht. Der grüne Landwirtschaftsminister Alex Bonde schimpfte es denn sogleich "einen innovationsfreien Aufguss alter CDU-Programme, emotionslos und technokratisch". Aber es soll eben auch keine Matrize sein, kein Wahl- und erst recht kein Regierungsprogramm. Sondern Diskussionsgrundlage für die fortgesetzte Mitgliederbeteiligung, denn die Basis hat Blut geleckt. Wolf versteht seine Vorstellungsrunden als "Graswurzelkampagne": "Mein Politikstil heißt: Beteiligen." Er redet die Gründe für den Machtverlust 2011 nicht schön: Zu arrogant war die CDU, "es ist zu wenig, nur so zu tun, als ob die Anderen nix sind". Die Partei sei gut beraten, die Beliebtheit Kretschmanns anzunehmen, "weil der nahe bei den Menschen ist".

So wie einst Teufel? Von ihm hat er viel gelernt, dessen konservativ-ländlichem Flügel will er sich aber ebenso wenig zurechnen wie dem liberal-städtischen Oettingers. "Die alten Lager sind Vergangenheit, ich habe nie einem angehört." Auf Verwurzelung legt er dennoch wert, mit ihr fühlt er sich unterscheidbar vom Mitbewerber Strobl. "Du bist in der Ferne nur gut, wenn du zuhause das Feld bestellt hast."

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Drehleiter-Einsatz nach Sturm-Schäden

Mehr als 30 Einsätze wegen eines Sturmtiefs verzeichnete das Polizeipräsidium Ludwigsburg am Donnerstagmorgen in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen zwischen 5.20 und 8 Uhr weiter lesen