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Café statt Auto: Gastronomie bevölkert Parkplätze

Wo noch vor kurzem Autos parkten, gibt es nun Cafés: In Mannheim versuchen Gastronomen, sich Parkplätze wieder ein Stück weit zurückzuerobern.

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Um die Straßen um die Flaniermeile Planken aufzuwerten, dürfen Café-Betreiber in Mannheim Parkflächen nutzen.  Foto: 

Es sind nur 24 ganz normale Sitzplätze – aber für Ronnie Boland ist es eine „Großstadtoase“. Wo noch vor kurzem drei Autos parkten, sitzt der Mannheimer Café-Betreiber lächelnd auf seiner neuen Holzterrasse. In einem überraschenden Schritt bot die Verwaltung der badischen Stadt jüngst den einheimischen Gastronomen an, ihre Außenbestuhlung auf Parkbuchten auszuweiten. Boland zögerte keinen Moment. Kritiker der Neuerung nimmt er nicht ernst. „Von denen hat bei mir noch nie einer Kaffee getrunken“, sagt er.

Stadtgestaltern zufolge stören die Caféhaus-Terrassen die öffentliche Ordnung nicht, im Gegenteil: Sie werden zum Teil des Lebensgefühls einer Gesellschaft. So richtig angefangen hat demnach alles in San Francisco. Die Stadt im US-Bundesstaat Kalifornien erlaubte als eine der ersten sogenannte Parklets und befeuerte damit einen Trend, der längst auch in anderen Städten angekommen ist – etwa in der Landeshauptstadt Stuttgart. Schon lange ringen auch die Verwaltungen in Baden-Württemberg um die richtige Mischung aus Autos und Fußgängern in den Innenstädten.

Tristes Bild auflockern

In Mannheim heißt der Mann für die Parklets Klaus Elliger. Der Fachbereichsleiter der Stadtplanung will das oft triste Bild parkender Autos auflockern. Gastronomen könnten den neuen Bereich mit Blumenkästen abgrenzen oder auch Podeste aufstellen, sagt er. Die Stadt lasse den Unternehmern hier weitgehend freie Hand – wichtig sei, dass etwa die Kanalabflüsse zugänglich blieben. Im Kampf gegen Parkplätze sieht Elliger sich nicht. Die Kommune wisse sehr gut, dass Parkgelegenheiten vor der Tür für Geschäftsleute wichtig seien.

Boland ist der erste Gastronom in Mannheim, der das Prinzip „Sitzplätze statt Parkplätze“ nutzt. Vier weitere Lokale wollen nachziehen, heißt es. Mitte März hatte die Stadt mehrere Unternehmer eingeladen, um ihnen die Idee schmackhaft zu machen. Ronnie Boland war sofort begeistert. „Ich denke, das Ganze gibt der Stadt mehr Flair“, sagt der gebürtige Schotte.

Kopenhagen als Vorbild

Das findet auch Ayla, die an diesem Augusttag auf der Terrasse Kaffee trinkt. „Natürlich stört es ein wenig, dass die Autos so nahe vorbeifahren“, sagt die 35-Jährige. Aber es sei besser als vorher. „Ohne Autos hat man mehr freie Sicht und Parkplätze gibt es genug“, sagt sie. Nur zwei Straßen weiter bietet ein Parkhaus 1300 Plätze. Die Anlage sei längst nicht ausgelastet, betont die Stadt. Selbst wenn alle derzeit interessierten Gastronomen das neue Konzept umsetzen würden, beträfe dies nur schätzungsweise 50 Parkplätze.

Als historisches Vorbild der Parklets gilt auch Kopenhagen. Ladenbesitzer in der dänischen Hauptstadt fürchteten Umsatzeinbußen, als 1962 eine Straße im Zentrum für den Autoverkehr gesperrt wurde. Als aber die Geschäfte florierten, folgten Dutzende weiterer Plätze.

Auch in Baden-Württemberg stehen Kommunen oft vor der gleichen Herausforderung: die Interessen der Verkehrsteilnehmer zu wahren einerseits und Gastronomen andererseits keine Steine in den Weg zu legen. Im Internet wird das Thema Parklets kontrovers diskutiert. Gegner sprechen von einem Ärgernis für Autofahrer, Unterstützer sehen die Maßnahme hingegen als Schritt, die Stadt als Lebensraum zeitgemäß zu gestalten. „Je lebenswerter eine Stadt für Menschen ist“, schreibt einer von ihnen, „umso besser ist sie auch für den Handel.“

Renovierung: Mannheim baut gerade seine Flaniermeile Planken für rund 30 Millionen Euro um – da sollen auch die umliegenden Straßen aufgewertet werden. Die Stadt will die Qualität rund um die Planken steigern, ohne viel Geld zu investieren oder den Verkehr zu behindern. Die Erlaubnis für Außengastronomie auf Parkplatzflächen gilt vorerst für zwei Jahre. Experten sehen die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs dadurch in der Regel nicht gefährdet. dpa

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