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Werben für die autofreie Innenstadt

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Eine Autolawine rollt über die B 14, Stuttgarts meist befahrene Straße. Dazu ertönt das imposante Hauptthema aus dem Musical „Phantom der Oper“. Die überspitzte Dramatik eines Werbefilms, die schmunzeln lässt, aber natürlich einen ernsten Kern hat. Schließlich drohen der Landeshaupt wegen ihrer schlechten Luftwerte ab 2018 Fahrverbote. Ein Wecker klingelt, dann taucht die Frage auf: „Was nun, Herr Kuhn?“

Unter dieses Motto hatte die Initiative „Aufbruch Stuttgart“ am Dienstag einen Gesprächsabend im Hospitalhof mit Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne) gestellt, bei dem es um die Zukunft der Stadt gehen sollte. Erst vor einigen Monaten hat sich der Verein gegründet, der es sich, von den kulturellen Eliten der Stadt angeführt, zum Ziel gesetzt hat, Stuttgart schöner zu machen. Zu den Plänen gehört, eine Kulturmeile entlang der wichtigsten Museen zu schaffen. Genau dort, wo heute täglich 100 000 Autos unterwegs sind.

Ulrike Groos, Leiterin des Kunstmuseums, und SWR-Urgestein Wieland Backes moderierten das Gespräch mit Kuhn, „Aufbruch“-Mitglieder stellten ebenfalls Fragen, wobei sich offenbar vor allem TV-Profi Backes vorgenommen hatte, den Rathauschef nicht so leicht davonkommen zu lassen.  Der langjährige Nachtcafé-Moderator verwies auf den Erfolg seines Vereins, der bereits rund 500 Mitglieder zählt und mit seinen Ideen zur Umgestaltung in der Stadt einen Nerv getroffen hat: Rund 1000 Besucher wurden laut den Veranstaltern am Dienstagabend im Hospitalhof gezählt. Demgegenüber habe Kuhn Visionen bislang vermissen lassen, monierte Backes. Aus der Stadtverwaltung fehlten Signale, dass Stuttgart jetzt schöner werde.

Eine Kritik, die Kuhn freilich erwartet haben dürfte. Er ließ sich nicht foppen, setzte auf die Umarmungstaktik. „Aufbruch Stuttgart“ empfinde er nicht als Bedrohung, im Gegenteil: „Die Stadt braucht eine Bewegung aus der Bürgerschaft heraus.“ Der Verein habe „das visionäre Potenzial zur richtigen Zeit erkannt“. Mit einer solch tollen Initiative begebe er sich nicht in ein „Eifersuchtsverhältnis“.

„Ich bin nicht der Typ, der mit Leuchtturmprojekten wedelt, die dann nicht umgesetzt werden“, verteidigte sich der Rathauschef. Gleichwohl bestand er darauf, gerade im kulturellen Bereich schon viel erreicht zu haben: Die Villa Berg sei Immobilienheuschrecken entrissen worden, die Cranko-Schule bekomme einen Neubau, die Weichen für die Opernsanierung seien gelegt.

Auch an Ideen lässt er es nach eigenem Bekunden nicht vermissen, auch wenn Spötter unken, Kuhn sei erst mit der Gründung von „Aufbruch Stuttgart“ richtig in die Gänge gekommen. Jedenfalls setzt sich der 61-Jährige für ein neues Konzerthaus ein, das auf den durch Stuttgart 21 frei werdenden Gleisflächen entstehen soll. Im neuen Rosensteinviertel könnte laut dem OB auch ein Neubau fürs Lindenmuseum realisiert werden. Obendrein kann sich der Grüne vorstellen, Stuttgart zu einer Film- und Medienstadt weiterzuentwickeln mit einem eigenen Zentrum dafür.

Aus der Kulturmeile könnte sogar ein Kulturring zwischen dem Hauptbahnhof und dem Österreichischen Platz werden, auf dem man alle Einrichtungen zu Fuß ohne große Hindernisse erreichen könne – im Sommer soll sich ein Kolloquium dem Thema widmen. Um das zu realisieren, müsse der Verkehr zurückgedrängt werden: „Ich vertrete dezidiert die Meinung, dass die Innenstadt autofrei sein sollte“, wiederholte Kuhn eine jüngst formulierte Vision. Sie birgt Brisanz, vor allem wenn man bedenkt, dass Kuhns Parteikollege Winfried Hermann derzeit mit der Autoindustrie über Nachrüstungsmöglichkeiten für ältere Diesel verhandelt, um Fahrverbote abzuwenden. Autofahrer, so der OB, sollten nur noch direkt die Parkhäuser in der City ansteuern können. Die Autoindustrie wünscht er sich als Teil dieses Transformationsprozesses.

Um diese Vision umzusetzen, braucht es, so Kuhn, jedoch Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei mit „großem Hurra“ die autogerechte Stadt entwickelt worden. Das rückgängig zu machen, sei schwierig. In Kopenhagen etwa habe das 20 Jahre gedauert. „Doch wir haben keine 20 Jahre“, wie Kuhn selbst weiß.

Gleichwohl tue man schon viel, um den Autoverkehr zu verringern und zum Umstieg anzuregen –  vom Jobticket bis zu neuen Stadtbahn- und Buslinien. Fakt sei jedoch, dass diese Angebote nicht ausreichend angenommen würden, hielt Ulrike Groos dagegen. „Warum nicht?“, wollte sie wissen. Die 610 000 Stuttgarter seien nicht das Problem, so Kuhn, in der Metropolregion jedoch lebten 5,5 Millionen Menschen, die nach Stuttgart orientiert seien. Um die dadurch entstehenden Verkehrsmengen zu bewältigen, brauche es auch außerhalb der Stadt einen gewaltigen Ausbau des ÖPNV.

Voraussetzung für die Umsetzung von Kuhns Visionen ist die Fertigstellung von Stuttgart 21, auf die er drängt. Im Rosensteinviertel sollen nicht nur Kulturstätten entstehen, sondern auch neue Wohn-, Arbeits- und Mobilitätsformen. Kuhn will dort Teile der für 2027 geplanten Internationalen Bauausstellung realisieren, die neue Maßstäbe definieren soll. Auf Backes Nachfrage, ob man die Bagger an anderen Stellen in der Stadt nicht schon früher anfahren lassen könnte, sagte Kuhn, er könne nicht die ganze Innenstadt in eine Baustelle verwandeln. So manche Vision muss also noch warten. „Aufbruch Stuttgart“ will indes dafür sorgen, dass es nicht bei Visionen bleibt.

2030 Der Stuttgarter Gemeinderat beschäftigt sich am Wochenende bei einer Klausurtagung mit der Stadt­entwicklung bis zum Jahr 2030. Im Vorfeld hat Fritz Kuhn ein Positionspapier mit dem Titel „Eine Vision für Stuttgart“ verfasst, in dem er Ideen für die Zukunft skizziert. Unter anderem wirbt er für einen urbaneren Städtebau. Die Stadt müsse „zum Verweilen einladen und nicht zum Durchrauschen“. Die Themen Verkehr, Wohnen und Kitaversorgung sind für Kuhn zudem ebenso so wichtig wie die Behauptung Stuttgarts als Kulturmetropole. dl

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Kommentare

20.05.2017 15:57 Uhr

„Was nun Herr Kuhn?“- Die Bauarbeiten für Stuttgart 21 blockieren auf Jahre die Stadtentwicklung

Die Initiative "Aufbruch Stuttgart", die sich im Zuge der Openhaussanierung auch für die Gestaltung eines verkehrsberuhigten Kulturquartiers sowie für den Bau eines Konzerthauses und eines neuen Lindenmuseums einsetzt, musste der OB jedoch immer wieder auf die Zeit nach der Fertigstellung von Stuttgart 21 vertrösten.

Schließlich könne man nicht die ganze Innenstadt in eine Baustelle verwandeln. Er dränge die Bahn darauf, dass sie schnell fertig werde, weil es sonst andere Entwicklungen in der Stadt, wie beispielsweise die für 2027 geplante Internationale Bauausstellung, behindere. (...)

http://netzwerke-21.de/?p=23865

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18.05.2017 19:35 Uhr

Dauer-Hinhaltezustand Stuttgart 21

Gleich zu Beginn des diesjährigen Frühlingsfestes machte Stuttgarts Erster Bürgermeister Michael Föll der Wahragerin Odessa in ihrem Holzwagen auf dem Cannstatter Wasen seine Aufwartung. Schlussendlich konzentrierten sich die Mutmaßungen auf drei Themenbereiche.

Doch hat der CDU-Mann auch alles richtig mitbekommen? Ja, der VfB steigt auf, prophezeit Odessa. Ja, das Frühlingsfestwetter wird noch super! Aber was die Wahrsagerin zu Stuttgart 21 sagt, hat uns der Wasenbürgermeister – wohl mit Absicht – vorenthalten. Bis 2021 sei das Großprojekt auf keinen Fall fertig, sagt sie, „das dauert noch sehr, sehr lang“.

Dafür bedarf es wohl auch keiner Wahrsagerin mit Blick in die Glaskugel, um zu diesem Resultat zu kommen. Vom Wahrsagen kann man leben, wie Madame Odessa zeigt. Doch wie weit kommt ein Politiker, der die Wahrheit über Stuttgart 21 sagt? Wohl nicht arg weit, wie die bisherigen Durchhalteparolen der politischen Drahtzieher beweisen. Auf dieser Welle schwimmt neuerdings vermutlich auch OB Fritz Kuhn (Grüne), wenn er den baldigen Fertigstellungstermin dieses stadtzerstörerischen Irrsinnsprojektes beschwört.

Noch hat niemand außerhalb einer zeitweiligen Opposition dieses für die Stadt so lebenswichtige Datum ernsthaft hinterfragt. Doch kennen wir bereits mannigfache Gegenbeispiele, speziell in Person solcher fragwürdigen Gestalten wie Oettinger, Mappus, Schuster, Schmiedel oder Drexler ...

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.die-wahrsagerin-des-buergermeisters-was-die-hexe-vom-wasen-ueber-stuttgart-21-weiss.dddb5263-c459-4e99-b17e-73a3d5be6ad9.html

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.podiumsdiskussion-ueber-stadtentwicklung-in-stuttgart-kuhn-wirbt-um-geduld-bei-der-umgestaltung.1b1aa20c-3eb4-48c9-a74e-6c7ee2a37e95.html

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18.05.2017 12:02 Uhr

Elefant im Raum

Immerhin hat Kuhn den Elefanten im Raum, Stuttgart 21, erkannt. Der einzige Weg, zügig etwas für die Stadt zu tun, ist, diese Baustelle endlich einzustellen. Ab dem Moment geht es mit Stuttgart wieder vorwärts und je früher das passiert, desto besser. Diesen Tiefbahnhof braucht kein Mensch (Immobilien-Haie brauchen ihn schon).

Hatte die Stadt nicht erst letztes Jahr den sog. Rosensteindialog veranstaltet? Da sollten die Bürger mitbestimmen, was auf den eventuell frei werdenden Flächen gebaut wird. Dass die Ergebnisse dieses Dialogs mehr oder weniger ignoriert werden wird immer offensichtlicher. Denn von einer Oper oder einem Lindenmuseum war da nicht die Rede. Kuhn und Teile des Stadtrats verplanen da also Flächen gegen den Willen des Bürgers.

Bahnhofs-Architekt Ingenhoven will da übrigens auch noch mitmischen und so eine Art Parkhaus direkt neben den Bahnhof setzen. Auf den Planungsskizzen ist dieser ~5-stöckige Bau schon angedeutet.

So oder so, selbst wenn der Tiefbahnhof fertig gebaut werden sollte, vor 2025 wird das nichts. Und dann ist der Kopfbahnhof immer noch nicht abgebaut. Ob er selbst mit Fertigstellung des Tiefbahnhofs überhaupt abgebaut werden kann steht ebenfalls in den Sternen.

Schieflagen überall, sowie man nur ein wenig genauer hinschaut. Aber mit Versprechungen hinhalten, darin ist der Kuhn gut. Stuttgart als Dauer-Hinhaltezustand.

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