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Singen im schwarzen Talar

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Bis zum ersten Auftritt im Talar müssen Novizen der Hymnus-Chorknaben viel üben.  Foto: 

Ich finde es cool, einen schwarzen Talar und einen weißen Kragen zu bekommen“, sagt David Mang. Stolz sei er gewesen, als er als Zehnjähriger endlich so richtig dazugehörte und im traditionellen Outfit der Stuttgarter Hymnus-Chorknaben auftreten konnte. Heute absolviert der 19-Jährige sein Freiwilliges Soziales Jahr bei dem traditionsreichen Knabenchor, der zu den besten in Deutschland zählt. Nach vier Jahren Pause singt er auch wieder mit –  bei den Männern. „Ich war schnell wieder drin“, freut sich Mang.

Gerade steckt er mitten in den Proben für das Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das wird am Sonntagabend zum Abschluss des Landeskirchenmusikfests in der Stuttgarter Liederhalle aufgeführt. Ein ambitioniertes Stück. Schließlich legt Chorleiter Johannes Homburg Wert auf das künstlerische Profil des Chors.

Der gebürtige Gelsenkirchener war vor seinem Start in Stuttgart 2010  Landeskantor in Lemgo. Dass es bei seinem Amtsantritt Berichte über Spannungen mit Eltern wegen des strengen Probenstils gab, darauf will Geschäftsführer Emanuel Scobel genauso wenig eingehen, wie auf die Zeit, als der frühere Chorleiter Eckhard Weyand 1992 im Unfrieden schied und mit Ex-Hymnusianern in Reutlingen einen Chor aufbaute.

Glockenreiner Klang

„Ich schaue nach vorn“, sagt Scobel, der sein Amt Anfang des Jahres antrat. Die Stimmung sei harmonisch, sagt er. Momentan hat der Chor 207 Mitglieder im Alter von sechs bis 25 Jahren. Im Konzertchor singen 82 Kinder und 35 Männer. Vorschulkinder werden spielerisch ans Singen herangeführt. In den beiden Vorchören wird es dann ernst mit bis zu sechs Stunden Proben die Woche – gemeinsam und einzeln bei der Stimmbildung.

„Das erfordert viel Disziplin“, räumt David Mang ein. Nicht immer leicht gefallen ist es ihm, zweimal in der Woche von Fellbach ins 1970 auf dem Killesberg bezogene Chorheim zu kommen. Ein Zufall hat ihn mit neun Jahren zum Chor geführt. An der Grundschule ist er einer Stimmbildnerin der Hymnus-Chorknaben aufgefallen.

Mit klassischer Chormusik hat er bis dahin nichts zu tun gehabt. „Ich bin da aber gut hineingewachsen“, erinnert sich Mang. Schon nach einem Jahr war er im Konzertchor. „Das fanden meine Eltern cool“, meint er. Der 19-Jährige erinnert sich gern an die Zeit im Chor, mit dem er auch auf Konzertreisen in Deutschland, England und der Schweiz war. Mit 15 war dann wegen des Stimmbruchs Schluss.

Um die Gewinnung von Nachwuchs kümmert sich Chorleiter Homburg selbst. An Grundschulen lädt er regelmäßig zum Vorsingen ein. Daneben gebe es Bewerbungen aufgrund des guten Rufs des Chors oder von Geschwisterkindern, erklärt Scobel. Ideal sei es, wenn etwa 70 Jungs pro Jahr anfangen. Erfahrungsgemäß würden 30 bis zur Konzert­reife durchhalten.

Scobel ist selbst in einem Knabenchor groß geworden, dem weltbekannten Dresdner Kreuzchor. Später hat er Musikwissenschaft sowie Gesang und Dirigieren studiert. Er schwärmt vom „besonderen Klang“ eines Knabenchors. Dieser sei „glockenrein und strahlend“. Je nach Jahrgang überwiege Alt oder Sopran.

Das Repertoire des Chors, den die Stadt als exzellenten Kulturbotschafter würdigt, umfasst geistliche Vokalmusik vom Frühbarock bis zur Gegenwart. Dazu gehören Oratorien von Bach und Händel. Ein zentrales Werk ist das Weihnachtsoratorium. Rund 50 Mal im Jahr tritt der Chor auf, bei Gottesdiensten und Konzerten sowie auf nationalen und internationalen Konzertreisen.

Der Evangelische Kirchenkreis Stuttgart ist Träger des Chors. 2017 beträgt der Etat rund 800 000 Euro. Die Kirche steuert 350 000 Euro bei. Dazu kommen Zuschüsse von Stadt und Land sowie weiteren Gebern von gut 180 000 Euro. Über Konzerteinnahmen, den Förderverein und Elternbeiträge fließen weitere 250 000 Euro in die Kasse.

Gegründet wurde der Chor 1900 auf Initiative des Unternehmers Paul Lechler. 1922 mussten die Hymnusianer wegen der Teuerung ihre Arbeit einstellen. Die 1931 neu gegründete „Stuttgarter Knabenkurrende Hymnus“ fiel 1939 dem Krieg zum Opfer. Im dritten Anlauf 1946 gelang mit Chorleiter Gerhard Wilhelm der internationale Durchbruch.

Unter dem Motto „…da klingt Freiheit“ lädt die Evangelische Landeskirche Württemberg am Wochenende in Stuttgart zum Landeskirchenmusikfest. Erwartet werden mehr als 15 000 Besucher. Im Mittelpunkt steht die Erinnerung an 500 Jahre Reformation. Das Programm sieht heute mehr als 50 Workshops vor. Am Abend gibt es zehn Konzerte. Am Sonntag folgt der Landeskinderchortag.  7000 Kinder führen das Musikprojekt „Luther klingt klasse“ in der Porsche-Arena  auf.

Den Abschluss bilden die Hymnus-Chorknaben und die Stuttgarter Philharmoniker mit Mendelssohns Oratorium „Elias“ um 18 Uhr in der Liederhalle. lan

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