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Schlemmer-Werke im Hinterzimmer

Düster, altmeisterlich. So präsentieren sich die Bilder von Mattias Gálvez in der Galerie von Thomas Fuchs. Eine von rund 50 solcher Kunsthandlungen in der Stadt, die ebenfalls wahre Schätze in petto haben.

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Thomas Fuchs in seiner Galerie im Westen. Die aktuelle Ausstellung heißt: "Die Enthusiasten".  Foto: 

Die Galerie "Thomas Fuchs" im Stuttgarter Westen liegt gegenüber dem Gänsepeterbrunnen und der Internationalen Bachakademie. Durch das große Schaufenster fällt der Blick der Passanten tief ins Innere der klassischen Ladengalerie mit dem rötlichen Klinkerboden. Derzeit sieht man Bilder von Mattias Gálvez an den Wänden hängen. Es sind moderne, meist düstere Gestalten und Szenen, in altmeisterlicher Manier gemalt.

Vor drei Jahren hat der aus Graz kommende Thomas Fuchs, ein Kunstsammler mit kaufmännischem Hintergrund, die Galerie gegründet. Erstaunlich schnell konnte er sich etablieren. Seine Geschäfte laufen gut, berichtet er. Den Standort Stuttgart habe er bewusst gewählt. "Hier gibt es ein kunstbegeistertes Publikum. Und auch die Kaufkraft ist da", sagt er. Ganz bewusst habe er sich auch für das mit leichter Patina angehauchte, mittelgroße Geschäft entschieden und nicht für einen sterilen, großen Raum á la "White Cube Gallery". Die Hemmschwelle, eine Galerie zu betreten, soll möglichst niedrig gehalten werden.

Mit dem Maler und Bildhauer Rainer Fetting vertritt Fuchs einen Künstler von nationalem Rang. Daneben präsentiert der Galerist aber auch zahlreiche junge, aufstrebende Talente. Der Fokus liegt auf zeitgenössischer figurativer sowie abstrakter Malerei.

Fuchs' Geschäft gehört zu einer breiten Landschaft an Galerien in Stuttgart. Rund 50 gibt es in der Stadt. 23 davon sind Mitglied der "Initiative Stuttgarter Galerien zeitgenössischer Kunst". Der Verein organisiert seit 16 Jahren den Galerienrundgang "Art Alarm", der vom Stuttgarter Kulturamt unterstützt wird. Der nächste findet im September statt.

Neben Thomas Fuchs gehört auch Karin Abt-Straubinger mit ihrer Galerie "Abtart" in Möhringen zu dem Kreis. Die humorvolle, meist etwas extravagant gestylte Stuttgarterin betrieb bereits eine Galerie, als sie noch den eigenen Telefonbuchverlag leitete. Neben dem Studio 57A im ehemaligen Verlagsgebäude entstand der beeindruckende Galerieneubau. Das kubisch gegliederte Bauwerk bietet Raum auf drei Ebenen und wird durch einen Skulpturenhof ergänzt.

"Ich präsentiere eine Mischung aus arrivierter und unbekannter Kunst", sagt die Galeristin. Dabei ist sie offen für alle künstlerischen Ausdrucksformen. Abt-Straubinger sorgt immer wieder für etwas Glanz. Mal trägt die Schauspielerin Iris Berben im Beiprogramm Märchen vor, mal zeigt der weltberühmte Theatermacher Dario Fo sein bildnerisches Werk.

Als die Nazis eine Ausstellung mit Oskar-Schlemmer-Werken im Kunstgebäude verboten, lagerte der Galerist Fritz Valentien die Exponate heimlich in einem Hinterzimmer und lud zu einer ebenso heimlichen Ausstellung ein. Heute befindet sich die Galerie Valentien nicht mehr am Schlossplatz, sondern in Halbhöhenlage an der Gänsheide und wird nun von Valentiens Enkelin Imke Valentien in dritter Generation geführt. Wer die Ausstellungen in der unter Denkmalschutz stehenden Bonatz-Villa anschauen möchte, muss läuten. Das soll nicht davon abhalten, sich in der ruhigen, großzügigen Atmosphäre der Galerie zwanglos umzuschauen. Übertriebener Respekt sei nicht angebracht, sagt die Kunsthistorikerin Imke Valentien. Der Besucher solle sich wohlfühlen.

Die Galeristin setzt auf Tradition, sorgt aber zugleich für ein neues, eigenständiges Programm. Im Fundus der Galerie befinden sich immer noch Werke der Klassischen Moderne, etwa von Willi Baumeister, George Grosz oder Otto Dix. Großvater Fritz und sein Sohn Frerk hatten zudem eine Vorliebe für Künstler der Französischen Moderne wie Braque, Picasso oder Delvaux. Doch auch zeitgenössische Künstler wie Amely Spötzl, Anna Ingerfurth oder der Chinese Xuan Wang haben ihren Platz.

Viele weitere Schwerpunkte werden im Stuttgarter Galeriekosmos geboten. Da wäre die Galerie von Rainer Wehr in der Alexanderstraße, der einen guten Riecher für junge Talente bewiesen hat. Oder die "Urban Art Gallery" im Westen, die Straßenkunst salonfähig gemacht hat. Oder auch die Galerie "InterArt" am Olgaeck, die regionale Künstler präsentiert und samstags einen kleinen Flohmarkt für Trivialkunst veranstaltet.

Thomas Fuchs bereitet derweil seine nächste Schau vor. An diesem Samstag endet die Gálvez-Ausstellung. Ab 22. Januar stellt die Berliner Künstlerin Regina Nieke für einige Wochen bei Fuchs aus. Der Titel der Schau ist Programm: "paintings."

Konkurrenz im Internet

Erschwerte Geschäfte Die Stuttgarter Kunsthistorikerin und ehemalige Galeristin Anja Rumig beklagt die zunehmende Konkurrenz durch das Internet. Bis August 2015 war sie Vorsitzende der "Initiative Stuttgarter Galerien zeitgenössischer Kunst", gab diesen Posten aber auf, als sie auch ihre Galerie schloss. Das Internet habe ihr das Geschäft erschwert. Die Käufer machten sich zunehmend im Netz kundig, nähmen zum Teil direkt mit einem Künstler Kontakt auf und hätten durchs Internet auch einen "weiteren Blick", auch auf den nationalen Markt und nicht nur auf die Stuttgarter Galerienszene.

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