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Mama Varieté tritt kürzer

Seit 23 Jahren regiert Gabriele Frenzel im Friedrichsbau-Varieté. „Mama Varieté“, wie manche Künstlerinnen sie rufen, will bald etwas kürzer treten.

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Gabriele Frenzel hat das Varieté in eine gemeinnützige Gesellschaft überführt.  Foto: 

Mit Wohlgefallen ruht der Blick von Gabriele Frenzel auf dem Vorplatz. Kübel mit Pflanzen stehen auf hellem Grund, das Entreé des Friedrichsbau-Varietés ist einladender geworden. So langsam erhöht sich der Wohlfühlfaktor an der Spielstätte auf dem Pragsattel, auf dem das Varieté seit zwei Jahren residiert. Und Gabriele Frenzel, die Geschäftsführerin, ist glücklich, dass die Spielstätte besser geworden ist.

Die Frau mit den olivgrünen Augen ist eine Instanz in dem traditionsreichen Haus. Seit Ende 1993 führt sie die Geschäfte des Varietés, inzwischen mit dem jüngeren Timo Steinhauer an der Seite. Das Theater ist das Werk ihres Lebens geworden, und sie selbst ist vom Varieté nicht wegzudenken.

Aber so sehr sie sich mit diesem Kulturbetrieb identifiziert: Frenzel, Jahrgang 1950, beginnt, ein bisschen loszulassen. „Ab nächstes Jahr habe ich vor, weniger zu machen“, kündigte sie im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE an, „ich möchte mein Nervenkostüm schonen.“ Nur noch 25 Stunden in der Woche will sie im Varieté sein, mehr Zeit haben für ihre drei Enkel. Für das eingesparte Geld erhält Steinhauer eine Assistentin.

Gerne räumt die Geschäftsführerin ein, dass die Ereignisse der vergangenen Jahre an ihre Substanz gegangen sind. Erst die Kündigung der alten Spielstätte in der Rotunde der L-Bank, dann der Ausstieg der Deutschen Entertainment AG (Deag) als Trägerin und der L-Bank als Sponsorin, danach die Probleme bei der Finanzierung der neuen Spielstätte auf dem Pragsattel, die Verzögerungen beim Bau und der auch nicht völlig reibungslose Start. „Das alles hätte ich nicht gebraucht“, bekennt Frenzel, „das war schrecklich.“

Dankbar ist sie dem Gemeinderat und den Bürgermeistern Fritz Kuhn und Michael Föll für die Hilfe beim Aufbau der neuen Spielstätte. Die Stadt stellte das Grundstück zur Verfügung, gab einen Bauzuschuss in Höhe von 450 000 Euro, ein Darlehen über 475 000 Euro und gewährte eine Bürgschaft für einen Bankkredit. „Sie haben sehr viel für uns getan und uns unterstützt“, sagt Frenzel anerkennend.

Freilich, den Spielbetrieb muss das Varieté aus eigenen Mitteln stemmen, Zuschüsse gibt es keine. Doch mit dem neuen Standort ist die Chefin sehr zufrieden. Insbesondere die Nähe zum Theaterhaus, zu dem das Varieté ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, bringt viele Vorteile.

Frenzel hat selbst keine Artisten-Laufbahn beschritten. Die in Stuttgart-Hofen geborene Schwäbin, die zuvor die Veranstaltungen der Internationalen Gartenausstellung plante, kam eher zufällig zu ihrer Stelle. Die füllt sie als „Mutter der Compagnie“ aus. Manche der Künstlerinnen aus dem Ausland nennen sie zärtlich „Mama Varieté“.

Die Artisten kommen auch deswegen gern nach Stuttgart, weil ihnen das Varieté angemietete Wohnungen bereitstellt und die Kosten fürs Fitness-Studio übernimmt.

Frenzel hofft, dass der Standort auf dem Pragsattel eine feste Bleibe für das Varieté wird. Der Vertrag mit der Stadt ist auf fünf Jahre befristet, mit Option auf zehn Jahre.

Die erste Spielstätte ging im Bombenhagel unter

Jugendstil Seinen Namen hat das Varieté vom Friedrichsbau, einem prächtigen Jugendstilgebäude aus dem Jahr 1898 in Stuttgarts Mitte. Im ersten Stock verfügte das Haus über einen Theatersaal. 1900 wurde das Friedrichsbau-Theater eröffnet, in dem in den 1920er und 1930er Jahren Stars wie Grock, Josephine Baker und Charlie Rivel auftraten. Nach einem Bombenangriff 1944 brannte der Friedrichsbau komplett aus und wurde 1955 abgerissen. 1993 entstand an historischer Stelle der neue Friedrichsbau.

Gemeinnützig 2014 wurde das Varieté zu einer gemeinnützige GmbH mit derzeit 17 Gesellschaftern umgewandelt. Zum Leitungsteam gehört neben den Geschäftsführern Gabriele Frenzel und Timo Steinhauer der Künstlerische Leiter Ralph Sun. eb

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