Partner der

Kommunen hoffen auf neue Impulse durch Bauausstellung

|
Blick auf Ludwigsburgs Weststadt: Hier könnte laut der Stadt ein IBA-Projekt entstehen.  Foto: 

Ein Ziel der Internationalen Bauausstellung (IBA) „2027 StadtRegion Stuttgart“ soll sein, Stuttgart und die umliegenden Kommunen einander näher zu bringen, eine regionale Identität zu schaffen. Der offizielle Startschuss für die IBA ist zwar noch nicht gefallen, die Denkmaschinen wurden jedoch schon angeworfen – erste Ideen, wie man sich an dem Projekt beteiligen könnte, werden diskutiert. In Stuttgart selbst könnte das neue Rosenstein-Quartier, das durch S 21 auf frei werdenden Gleisflächen entstehen soll, Raum für IBA-Projekte bieten. Doch auch jenseits der Landeshauptstadt gibt es Bestrebungen.

Allen voran im Kreis Esslingen: So hat sich die dortige Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen des Themas angenommen, einen IBA-Projektleiter benannt und bereits ein Fachforum veranstaltet,  bei dem viele Schnittstellen zwischen den Themenfeldern der Hochschule und den Zielen der IBA identifiziert wurden. Weitere Fachvorträge, Exkursionen und Workshops sind geplant. Auch Studienprojekte sollen ermöglicht werden.

In Esslingen selbst sieht Oberbürgermeister Jürgen Zieger (SPD) in Zusammenhang mit dem Umzug der Hochschule in die Weststadt in einigen Jahren Chancen, ein IBA-Projekt zu verwirklichen. Eine Fläche von bis zu 500 Wohneinheiten wird durch den Umzug auf der Flandernhöhe frei. Wie dieses Potenzial genau genutzt werden könnte, ist noch unklar und soll laut Rathaus-Sprecher Roland Karpentier mit dem Gemeinderat diskutiert werden.

Auch im Landratsamt von Esslingen werden bereits, wenn auch vage Pläne geschmiedet: „Wir haben in den nächsten zehn Jahren ein Investitionsvolumen von 200 Millionen Euro“, sagt der Sprecher des Landratsamtes, Dieter Keck. In der Behörde kann man sich gut vorstellen, das ein oder andere Projekt mit der IBA zu verbinden. Unter anderem sollen neue Schulen sowie ein neues Landratsamt gebaut werden. Richtig positionieren will man sich jedoch erst, wenn die IBA-Gesellschaft als Organisationseinheit gegründet ist und Rahmenbedingungen sowie Kriterien feststehen, so Keck. In den Sommerferien könnte es so weit sein.

In der Barockstadt Ludwigsburg könnte die IBA nach der Vorstellung von Baubürgermeister Michael Ilk der Transformation der Weststadt auf die Sprünge helfen. Im dortigen Gewerbegebiet stehen Umbrüche an. „Handwerker sind ausgezogen, Firmen wie Bosch und Porsche ziehen ein“, sagt Ilk. Firmen, die andere Bedingungen bräuchten, und darauf will man reagieren. Die Aufenthaltsqualität könnte ihm zufolge beispielsweise mit Grünflächen und freiem WLAN im Außenbereich gesteigert werden. Man erhoffe sich, durch die Bauausstellung neue Impulse zu erhalten, bisherige Gedankengänge sollten dadurch verstärkt werden.

Welche Projekte am Ende für die IBA taugen, darüber wird sicher noch viel diskutiert werden. Für Esslingens OB Zieger ist klar: „Schöner Wohnen ist keine IBA. Ein Reihenhaus mit Grasdach ebenfalls nicht.“ Walter Rogg, Chef der regionalen Wirtschaftsförderung, fasst es so zusammen: „Die IBA soll radikal neue Ideen für Stadtregionen im Zeitalter von Digitalisierung, Klimawandel und Globalisierung entwickeln.“ Er und seine Mitstreiter stellen sich eine Ausstellung von Weltrang vor, die weit über regionale Grenzen von sich reden machen soll.

Kommentieren

Kommentare

04.07.2017 21:41 Uhr

Hier wird das Fell des Bären verteilt, bevor er erlegt ist

Bezeichnend für die verschrobenen Ansichten so mancher durchgeknallter Stadtplaner. Was die Stadt Stuttgart auch im Hinblick auf die Feinstaubproblematik derzeit bestimmt nicht braucht, sind neue Baumassen im Talkessel und schon gar keine Hirngespinnste wie die angedachte Internationale Bauausstellung.

Eher sollte sie sich für den Erhalt der Gleisflächen des Kopfbahnhofs einsetzen, denn die tragen erheblich zur Abkühlung des Talkessels bei. Dies ist schon längst bekannt, wird aber von den verantwortungslosen S21-Fetischisten tunlichst geleugnet und ignoriert.

Besonders auffällig: Mit dem Bau des Europaviertels direkt neben den Gleisflächen sind weitere "Hotspots" entstanden. Ähnliches droht, wenn die Stadt wie geplant die durch Stuttgart 21 freiwerdenden Gleisflächen bebauen würde. Sie hat die Grundstücke aber bereits gekauft und dabei darauf spekuliert, den Kaufpreis durch Immobiliengeschäfte refinanzieren zu können. Ein völlig kontraproduktives Unterfangen, wenn sie die Probleme mit Stadtklima, Feinstaub, Smog usw. ernsthaft irgendwann lösen will.

Unbestritten ist, dass die angebliche "Gleiswüste" im Vorfeld des Stuttgarter Hbf jahrzehntelang als unverbaute Frischluftschneise aus dem Neckartal für die nächtliche Abkühlung des Talkessels sorgte, die mit S21 nicht nur unterbrochen, sondern auch noch zugebaut werden soll. Zudem stellen gerade die Gleiskörper mit ihren Schotterflächen ein reichhaltiges Refugium für seltene Reptilien und Kriechtiere dar.

Geradezu symptomatisch die Denkweise und fadenscheinigen Begründungen total verrannter S21-Befürworter wie die des seligen Pfarrers Bräuchle, der einst bei der S21-Schlichtung unter der Moderation von Heiner Geißler den doch recht skurrilen Begriff vom "Stahlglutofen" Nordbahnhof prägte, der die dortigen Bewohner im Sommer angeblich nicht einmal mehr richtig "schnaufen" ließe.

https://www.youtube.com/watch?v=0jiXwyq3PK4

Antworten Kommentar melden

20.06.2017 22:51 Uhr

Vom Regen in die Traufe oder von einem Fettnäpfchen ins andere

Verglichen mit anderen nationalen Großstädten ist Stuttgart eine planlose Ansammlung von Bauklötzen, ein Ergebnis jahrzehntelanger Ideen- und Tatenlosigkeit, getrieben von parteipolitischen Interessenspielchen. Da hilft auch keine überkommene Bahnhofsplanung aus den 1990er-Jahren. Dieses Projekt hat aber die Stadt inzwischen über Jahre hinweg hypnotisiert und gelähmt und tut es immer noch.

Ob die damit verbundene städtebauliche Entwicklung des Gleisvorfeldes ein großer Wurf wird, darf ebenso bezweifelt werden, wie der Nutzen des neuen Tiefbahnhofs für viele Milliarden Euro mehr als umstritten ist. Bislang sind außer der Stadtbibliothek auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände ausnahmslos gesichtslose Bauten entstanden.

Eine von der Stadt betriebene ganzheitliche, übergeordnete Planung hat nie stattgefunden, so wie es z.B. in Hamburg mit der HafenCity der Fall gewesen ist. An einen städtebaulichen großen Wurf mag man auch im Rahmen der IBA nicht glauben, fehlen doch im Rathaus und im Regionalparlament der Sinn und der Mut, etwas Großes und Sinnvolles in Gang zu setzen.

In den letzten Jahren wurde nur mimosenhaft die Folgen schlechter Verkehrsplanung bekämpft, statt die Ursachen mit einer großen Lösung anzugehen. Stichwort: Mooswand gegen die Feinstaubprobleme in der Stadt. Somit wird auch die nächste Chance an parteipolitischem Kleinklein, der mangelnden Bodenhaftung der Entscheidungsträger und fehlendem Blick auf die wirklichen Probleme der Region ungenutzt verstreichen.

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.internationale-bauausstellung-architekten-reklamieren-fuehrungsrolle-fuer-sich.80bab27e-e4fb-4612-8ba5-f376f8f72852.html

Antworten Kommentar melden

20.06.2017 22:24 Uhr

Notwendige Stadtreparatur scheitert an ihrem eigenen Zeitplan

Braucht Stuttgart eine Internationale Bauausstellung? Stadt und Region könnten das Format nutzen, um ihre größten Probleme zu lösen: den Mangel an bezahlbaren Wohnungen sowie das Verkehrs- und Feinstaubproblem. Gelingen wird das nur, wenn die Politik diese Probleme endlich mutig angeht ...

Allerdings geht es bei einer IBA primär nicht um Wirtschaftsförderung, wie dieser Artikel glauben macht, sondern um Architektur und Stadtplanung. Und auf diesem Gebiet ist die Stadt Stuttgart in den letzten zwei Jahrzehnten in die größte Krise ihrer Geschichte gestolpert: Mitten im Stadtzentrum die größte Baugrube aller Zeiten.

Die Sünden der "autogerechten Stadt" der Nachkriegszeit nicht ansatzweise bewältigt. Nutzlose Shopping Malls, die sich gegenseitig und den verbliebenen Einzelhändlern das Wasser abgraben. Die halbe Innenstadt abgerissen und neu bebaut, ohne dass dabei ein einziges ansehnliches Bauwerk herausgekommen wäre. (...)

Auch im Fall des Rosensteinquartiers bleiben viele Unwägbarkeiten: Wann wird Stuttgart 21 wirklich fertig? Vor einem Rückbau wird es ein Planfeststellungsverfahren geben müssen, das haben auch die Stuttgarter Verwaltungsrichter betont. Werden die Überwerfungsbauwerke, wo sich die Bahnlinien kreuzen, einplaniert oder nur umgenutzt? Ist das Gelände kontaminiert? Gibt es Altlasten? In jedem Fall wird ein Quartier allein das Wohnproblem nicht lösen. (...)

https://www.kontextwochenzeitung.de/debatte/288/stadtreparatur-wagen-3910.html

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Nach Bamberger kandidiert auch Chef nicht mehr

Die Gemmrigheimer Bürgermeisterin tritt nach 24 Jahren nicht mehr an. Am 4. März wird in Gemmrigheim und am 15. April in Bönnigheim gewählt. weiter lesen