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In der Schule riefen sie ihn „Gsälz“

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Sein Spitzname war „Gsälz“. Das erzählt Grünen-Bundesvorsitzender Cem Özdemir (51) dem Publikum im Stuttgarter Club Schocken. Mit ihm auf der Bühne sitzt Dominik Kuhn. Den kennt man eher unter seinem Kunstnamen Dodokay  und von seinen auf Schwäbisch synchronisierten YouTube-Filmen. Zwischen ihm und dem Politiker liegen vier Jahre Altersunterschied – zwischen ihren Heimatorten knapp 20 Straßenkilometer und 390 Höhenmeter. Der 47-jährige Kuhn kommt aus Reutlingen, also vom unteren Rand der Schwäbischen Alb; Özdemir vom Herzen der Alb.

„Zwoi Schwobaseggl undr sich“, heißt der Abend an einem Ort, der nicht gerade für die Pflege der Mundart bekannt ist. Der Schwäbische Heimatbund ist der Gastgeber dieses ungewöhnlichen Zusammentreffens. Kuhn und Özdemir schwätzen eineinhalb Stunden so vor sich hin, erzählen Anekdoten aus ihren Kinder- und Jugendtagen, erinnern sich an Nachbarn und ignorieren die vorbereiteten Moderationskärtchen. Die sollten insbesondere Özdemirwohl daran hindern, über Politik zu reden.

Doch der Grünen-Chef hat keine Lust über Politik zu reden, auch nicht auf Schwäbisch, trotz Wahlkampfjahr. Er merkt lediglich beiläufig an, dass er wegen seiner überdimensionierten Koteletten (die bundesweit Thema waren und seit 2014 aber verschwunden sind) heftiger angegangen worden sei als wegen seiner kritischen Äußerungen über den türkischen Präsidenten Erdogan.

Dodokay fügt an, dass keine politischen Themen auf den Kärtchen stünden, sei ihm nur recht gewesen, weil er „nicht der Hofnarr von einer Partei sein will“.

Özdemir spricht zwar nicht von Mobbing, aber von seinen Mitschülern ein komplettes Schuljahr lang „Gsälz“ gerufen zu werden, hat ihn schon getroffen. Zu diesem Spitznamen kam er auf Umwegen: Im ersten Englischjahr lernten die Schüler das Wort Jam, das Marmelade bedeutet und wie Cem ausgesprochen wird. Weil aber auf der Alb niemand Marmelade sagt, sondern Gsälz, wurde aus dem Cem eben „d’r Gsälz“.

Dominik Kuhn tröstet mit einem schwäbisch Spruch: „Immer no besser als a Gosch voll Reißnägl.“

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