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Ab 18 Uhr ruhen die Arbeiten

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Diese Arbeitszeiten sind weltweiter Standard für Arbeiten unter Tage: 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Sie gelten auch für die Tunnelbauten des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn. Gearbeitet wird im Tunnelbau in der Regel im Zwei-Schicht-Betrieb mit je zwölf Stunden inklusive Pausen. Nach zehn Tagen auf der Baustelle haben die Arbeiter vier Tage am Stück frei.

Dennoch werden alle Arbeiten auf S 21-Baustellen am Donnerstagabend um 18 Uhr eingestellt. Bis Ostermontag ist Pause. Diesen Kompromiss haben die DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH (PSU) und die Evangelische Landeskirche sowie die katholischen Diözese Stuttgart-Rottenburg ausgehandelt.

„Wir leisten es uns nur noch zweimal im Jahr – zu Weihnachten und zu Ostern –, die Tunnelarbeiten ruhen zu lassen. Das sind christliche Feiertage, die man zu Hause mit der Familie verbringen will. Das wurde schon immer so gehalten“, erklärt jedoch Georg Hofer von der AtCOST 21 Arbeitsgemeinschaft. Der Sprengmeister aus dem österreichischen Linz ist seit 21 Jahren im Tunnelbau tätig und gleichzeitig Projektleiter für die S 21 Arbeiten an der Ulmer Straße. Hier arbeiten rund 90 Beschäftigte.

Zuschläge fest eingeplant

Die Regel  „zehn Tage arbeiten, vier Tage frei“ ist allen vertraut und kein Gegenstand für Diskussionen. Die meisten auf der Baustelle beschäftigten Spezialisten und Hilfskräfte haben lange Anfahrtswege zur Arbeit oder nach Hause. Heimfahrten nur über das Wochenende würden sich für sie auch aus Zeitgründen nicht lohnen. Je weiter die Baustelle entfernt ist, desto beliebter sind mehrere zusammenhängende freie Tage. Viele haben die Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit sowie für Überstunden fest eingeplant.

„Tunnelbau geht nicht im Stop- and-Go-Verfahren. Wenn – geplante oder ungeplante –  Unterbrechungen auftreten, müssen die bisherigen Arbeiten mit wesentlich mehr Stahl, Anker und Spritzbeton abgesichert werden, um den Vortrieb zu sichern. Wenn wir am Donnerstagabend um 18 Uhr die Baustelle schließen wollen, müssen wir mindestens fünf bis sechs Stunden vorher damit beginnen, die eigentliche Arbeit einzustellen und alles für die Osterpause vorzubereiten“, sagt Projektleiter Hofer.

Auch dann wird eine Tunnel-Baustelle sich nie ganz selbst überlassen. Schon allein die Elektrik wird von einem Pumpendienst alle paar Stunden kontrolliert. „Wenn der Strom und damit die Pumpen ausfallen, können die Tunnel schnell mit Wasser voll­laufen“, so Hofer. In 21 Jahren Tunnelbau hat er schon viele Schwierigkeiten gemeistert. Zuletzt baute er am steilen Berg. Aber ein innerstädtischer Tunnelbau wie in Stuttgart-Wangen hat seine besonderen Herausforderungen.

„Man hört immer was“, sagt Hofer, „wir müssen hier die ganze Zeit durch festes Gestein. Egal, ob wir sprengen oder nachts den leiseren mechanischen Meißel einsetzen, der dafür die ganze Nacht über hämmert.“ Schon häufiger sind Anwohner-Beschwerden wegen des Baulärms direkt bei ihm oder über die PSU eingegangen.

Zumindest über die Ostertage wird jetzt Ruhe sein. Doch das ist der ökumenischen Projektgruppe der „TheologInnen gegen S 21“ deutlich zu wenig. Sie kritisiert, dass die Bahn seit Jahren die gesetzlichen Feiertagsregeln unbeachtet lässt. Ihr Sprecher Martin Poguntke, evangelischer Schülerpfarrer in Stuttgart, hat vor kurzem eine ganze Sonntagspredigt den S 21-Baustellen gewidmet. Hier würde die gebotene Sonntagsruhe regelmäßig missachtet.

Mit der vereinbarten Osterpause mache die Bahn keinerlei Zugeständnisse, sondern halte sich lediglich an geltendes Gesetz, zeigt sich Poguntke verärgert. Im Feiertagsgesetz sei klar ausgeführt, dass an diesen Tage nur solche Arbeiten geduldet sind, die nicht warten könnten. Gearbeitet werden dürfe nur mit Ausnahmegenehmigungen, und vor jeder Ausnahmegenehmigung seien die Kirchen zu hören. Dies sei aber bei S 21 bisher noch nie der Fall gewesen. Deshalb gebe es jetzt auch keinerlei Grund, den Baustopp zu feiern. „Er ist eine Selbstverständlichkeit. Und schützt die ganze Gesellschaft.“

Ausnahmen Laut statistischem Bundesamt arbeitet schon mehr als jeder vierte Beschäftigte in Deutschland ständig, regelmäßig oder gelegentlich an Sonn- und Feiertagen. Nach dem Arbeitszeitgesetz dürfen Arbeitnehmer nur in Ausnahmefällen beschäftigt werden, etwa um „erhebliche Schäden zu vermeiden“, falls diese Arbeiten nicht an Werktagen vorgenommen werden können.

Notdienste Ausnahmen gelten per Gesetz etwa für Polizei, Feuerwehr, Krankenschwestern oder Notdienste. Die größte Gruppe der Erwerbstätigen mit regelmäßiger Sonntagsarbeit sind Krankenschwestern, gefolgt von Altenpflegern und Köchen. bw

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Kommentare

13.04.2017 21:42 Uhr

Ja die Kirchen

Es reicht schon, dass die Regierung uns verarscht. Die Kirchen sollten endlich weniger Einfluss haben.

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