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„Klangraum der Freiheit“

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Beide Aufführungen des Projekts „Luther klingt Klasse“ in der Porsche-Arena mit 7500 Kindern waren ausverkauft. :Ferdinando Iannone  Foto: 

Am Ende hat es die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann zur festlichen Eröffnung in der Stuttgarter Stiftskirche doch nicht geschafft. Aber das tut ihrer Wertschätzung für das  Musikfest der württembergischen evangelischen Landeskirche keinen Abbruch. Denn Kirchenmusik ist für sie „ein wichtiger Kultur- und Bildungsträger“, wie sie in der Festschrift zur Veranstaltung schreibt. Dort würdigt sie auch im Namen des Landes alle „Aktiven in der Kirchenmusik“. 17 000 Teilnehmer und Besucher strömten am Wochenende in die Landeshauptstadt zu Workshops und Konzerten und zu Austausch und Begegnung beim Landeskirchenmusikfest 2017. Landeskirchenmusikdirektor Matthias Hanke zeigte sich begeistert von der Stimmung.

Beim Eröffnungskonzert in der voll besetzten Stiftskirche erlebten die Besucher nicht nur Chormusik der Spitzenklasse von der Stuttgarter Kantorei und der Christophorus-Kantorei Altensteig. Der württembergische evangelische Landesbischof erläuterte in seinem Grußwort auch ein paar grundsätzliche Dinge. Schließlich stellte das Motto des Fests „…da klingt Freiheit!“ den Bezug her zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation, das in diesem Jahr gefeiert wird.

Fünf Monate lang geübt

Die Musik nehme in der evangelischen Kirche deshalb so einen markanten Platz ein, weil sie für den Reformator Martin Luther „Gabe Gottes, nicht Menschengeschenk war“, so July. Deshalb habe die Musik nach der Theologie den zweiten Platz inne. Sie eröffne „einen Klangraum der Freiheit“. Und er fügte hinzu, dass „Singen seit der Reformation in der Landeskirche das zentrale Medium ist“.

Der Theologe betrachtet die Kirchenmusik auch als „wichtigen Beitrag in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft, die Orientierung nötig hat“. Musik sei Herzensbildung und schaffe Gemeinschaft. Deshalb sei der Ruf nach musikalischer Erziehung wieder deutlich vernehmbar. „Wir wissen eine Antwort darauf“, betonte July, bevor er mit einem kräftigen „Freut Euch“ das Musikfest am Freitagabend eröffnete.

Als einen Höhepunkt nannte der Bischof das spektakuläre Musikevent zum Abschuss des Schulprojekts „Luther klingt klasse“. Dies hatte die Landeskirche im Jahr des Reformationsjubiläums angeboten, um so Schülern der Klassen 1 bis 6 die Reformation näher zu bringen. Fünf Monate lang hatten die Kinder Zeit zum Üben für die Aufführung des Theaterstücks „Der mysteriöse Tintenfleck“. Unterstützt wurden sie von der bekannten A-cappella-Gruppe „füenf“.

Aber werben hätte der Landesbischof für die Aufführung nicht mehr müssen. Denn die Porsche-Arena platzte am Sonntag aus allen Nähten, weil sich mehr als 7500 Kinder aus Schulklassen und Chören angemeldet hatten. Und diese kamen mit Familienangehörigen, die hören wollten, wie ihre Sprösslinge mit ihren Stimmen die große Arena erfüllten.

Aber für die Besucher des Landesmusikfests gab es am Samstag ohnehin an den verschiedensten Ecken in der Landeshauptstadt eine Fülle von Angeboten. So konnte sich jeder Teilnehmer zwei Workshops aussuchen. Das nutzte auch Christina Wensing, die mit ihrem Chor aus Rottenburg angereist war. In der Thomaskirche in Kaltental übte sie mit 60 weiteren Teilnehmern beim Workshop „Gospel und Pop“ vier neue Stücke ein. Ganz begeistert war sie vom zweiten Workshop „Singen ohne Noten“ in Bad Cannstatt. „Dadurch nimmt man Lieder ganz anders wahr“, erklärte sie. Außerdem sei dies „ganz toll für die Stimmbildung“, sagte die 26-Jährige, während sie auf Einlass in die Porsche-Arena wartete. Dort wollte sie am gemeinsamen Musizier-Eevent von Chorsängern und Posaunenbläsern teilnehmen.

Aus Vaihingen an der Enz waren Thomas Rummel und Esther Hofmann angereist. Ihr Ziel war die Heilandskirche im Stuttgarter Osten, wo sie ihre Leidenschaft fürs Gospelsingen bei „Gospel im Osten“ ausleben konnten. Sie mussten nach dem Workshop „Mighty Wind“ schnell zur Generalprobe für das Gospelkonzert vor der Villa Berg.

Das war nicht das einzige Konzert am Samstagabend. Das Angebot reichte vom Pop-Event in der Porsche-Arena über „Petrus – das Crossover-Oratorium“ von Manuela Nägele in der Leonhardskirche bis zur Chornacht in der Stiftskirche und zur Orgelnacht in der katholischen Domkirche St. Eberhard.

Vielfalt Nach Angaben der Evangelischen Landeskirche singen und musizieren in Württemberg rund 65 000 Menschen in mehr als 3000 Kinder- und Jugendchören, Kirchenchören, Kantoreien, Singteams, Posaunenchören, Bands oder weiteren Instrumentalkreisen. Rund 150 haupt- und 4000 nebenamtliche Kirchenmusiker gestalten Kirchenkonzerte.

Ausbildung Um die Ausbildung der Musiker kümmern sich vier landeskirchliche Einrichtungen, darunter die Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen. Zuständig für Pflege, Förderung und Ordnung der kirchenmusikalischen Arbeit ist das Amt für Kirchenmusik in Stuttgart. lan

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