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Scheidung per Mausklick

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Trennung im August, Scheidung noch vor Weihnachten amtlich besiegelt - so schnell lässt sich eine Ehe in Frankreich heute schon beenden. Spezialisierte Anwaltskanzleien bieten eine rasche und kostengünstige Abwicklung per Internet. Zweieinhalb Monate Dauer, 289 Euro - wer will da noch in einer unglücklichen Ehe verharren?

123 500 Ehen wurden 2014 in Frankreich geschieden, 54 Prozent im beiderseitigen Einverständnis. Sind sich die Ehegatten im Vorfeld der Trennung über alle wichtigen Details einig, dauern selbst klassische Verfahren selten länger als vier Monate. Nur die Kosten, die zwischen 1900 und 2400 Euro liegen, sind höher als bei den sogenannten "Web-Trennungen", die mit 250 bis 500 Euro zu Buche schlagen.

Frankreichs Justizminister Jean-Jacques Urvoas aber ist das immer noch zu teuer und zu langwierig. Er hat der Nationalversammlung einen Gesetzesentwurf vorgelegt, nach dem Ehen demnächst sogar ohne Richter geschieden werden könnten, wenn sich die Betroffenen keinen Rosenkrieg liefern.

Die Reform, über die die Abgeordneten ab dem 17. Mai diskutieren werden, sieht vor, dass Eheleute ihre Scheidung einfach bei einem Notar registrieren lassen. Dieser notarielle Akt, dessen Kosten laut Gesetzesentwurf nur 50 Euro betragen soll, würde derselbe juristische Wert wie einem richterlichen Scheidungsurteil zuerkannt. Nur wenn sich ein Kind über die Trennung seiner Eltern äußern will, müsste ein Richter hinzugezogen werden.

Kritiker der Vorlage argwöhnen zwar, dass Urvoas in erster Linie das Pensum der durch die zahlreichen Scheidungsfälle überlasteten Richter verringern will. Doch die Franzosen dürften die Initiative mehrheitlich begrüßen. Bei einer Befragung sprachen sich 2013 rund 67 Prozent für eine Scheidung per Notar aus, weil sie eine Trennung als das Resultat eines "intimen Streits" ansehen und die Rolle des Richters als einen Eingriff in ihre Privatsphäre.

Obwohl die konservative Opposition ihren entschlossenen Widerstand gegen die Scheidung light angekündigt hat, hat die Reform gute Chancen, mit den Stimmen der Sozialisten, der Grünen und der Kommunisten abgesegnet zu werden. "Scheiden wie Gott in Frankreich" könnte also zu einem geflügelten Wort werden.

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