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Interview mit DIW-Präsident Marcel Fratzscher zum VW-Skandal

Nachhaltigen Schaden für das gute Image deutscher Produkte insgesamt befürchtet DIW-Präsident Marcel Fratzscher nicht durch die VW-Affäre. Die Einbußen des Konzerns jedoch seien erst in Jahren zu beziffern.

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DIW-Chef Marcel Fratzscher: VW bleibt in der Pflicht, die Probleme zu lösen.  Foto: 

Herr Professor Fratzscher, lässt sich bereits abschätzen, ob der VW-Abgasskandal das gute deutsche "Made in Germany"-Image beeinträchtigt?
MARCEL FRATZSCHER: Das lässt sich wohl erst in einigen Jahren konkret beziffern. Allein die juristischen Verfahren durch Klagen von Konsumenten und ihre öffentliche Auswirkung werden sich jahrelang hinziehen. Die Unsicherheit bleibt. Aber zuletzt war die Entwicklung positiver als erwartet. Es gibt konkrete Lösungsvorschläge und in den internationalen Medien spielt das Thema keine große Rolle mehr. Es sieht so aus, als würde zumindest die Marke "Made in Germany" nicht wirklich leiden.

Ist der Imageschaden vergleichbar etwa mit der "Deepwater horizon"-Katastrophe und der Auswirkung auf den Eigentümer BP?
Schwer zu vergleichen, jeder Fall liegt anders. Eine Lehre aus allen ähnlichen Fällen: Ganz entscheidend ist, wie das Unternehmen selbst damit umgeht. Wie es Transparenz schafft und welche Lösungen es anbietet.

Hat VW richtig reagiert, nachdem die Affäre publik wurde?
VW hat klare Zeichen gesetzt und einiges auf den Weg gebracht. Ich bin kein Branchenexperte, aber aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive lässt sich feststellen, dass die Reaktionen der Finanzmärkte, etwa die Entwicklung des Börsenkurses, dafür sprechen, dass bei VW die richtigen Konsequenzen gezogen wurden.

Muss die deutsche Autobranche insgesamt im Ausland nachhaltig negative Folgen befürchten?
Es ist noch zu früh, die Folgen für die Automobilbranche insgesamt abzuschätzen. Die Exporte Deutschlands haben sich in den letzten Monaten insgesamt schlecht entwickelt, nicht nur die Verkaufszahlen der Autohersteller. Das ist ein globaler, breiter konjunktureller Trend, der hat nichts mit dem konkreten VW-Fall zu tun.

Ist es im Sinne der Schadensbegrenzung angebracht, jetzt die Elektromobilität stärker zu fördern?
Das ist die große Herausforderung für die gesamte Autoindustrie. Das lässt sich aber auch nicht losgelöst von der Entwicklung betrachten, die am vergangenen Wochenende in Paris vollzogen wurde, wo es eine überraschend weitgehende Einigung für eine Begrenzung der Erderwärmung gab. Das bedeutet auch, dass die Mobilität besonders auch im Individualverkehr mit LKW und PKW effizienter werden muss. Bei der Umstellung auf Elektromobilität sind die deutschen Hersteller weltweit nicht führend. Da stellt sich sehr wohl die Frage, ob man die Technologieführerschaft, die es gerade auch bei Dieselmotoren gibt, nicht auch in dem Bereich Elektromobilität gewinnen will und was man dafür tun muss.

Haben Regierung und Aufsichtsbehörden in Deutschland angemessen reagiert auf die VW-Affäre?
Nach meiner Wahrnehmung fanden viele der notwendigen Gespräche im Hintergrund statt. Es gibt offenbar Übereinkunft, dass VW den begonnenen Weg weitergehen muss. Ich sehe keinen Anlass für weitere Maßnahmen der Politik. Es ist klar, dass Volkswagen in der Pflicht bleibt, die Probleme so schnell wie möglich zu lösen.

Info Der Ökonom Professor Marcel Fratzscher (44) ist seit 2013 Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

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