Partner der

Ganz nett nervig

Mein Heim ist meine Burg? Schön wärs. Der tiefe Wassergraben drum herum fehlt leider ebenso wie die Zugbrücke und das Personal, das die Burg in Schuss und ungebetene Gäste fern hält. Vor allem: Nachbarn.

|

Mein Heim ist meine Burg? Schön wärs. Der tiefe Wassergraben drum herum fehlt leider ebenso wie die Zugbrücke und das Personal, das die Burg in Schuss und ungebetene Gäste fern hält. Vor allem: Nachbarn.

Die meisten Menschen sind nun mal weder König noch Burgherrin, sondern Häuslebesitzer oder Mieterin und insofern in jedem Fall Menschen ausgesetzt, die sie sich nicht ausgesucht haben. Das Ausmaß der persönlichen Beeinträchtigung durch Nachbarn wiederum hängt von verschiedenen Faktoren ab, der Größe des Grundstücks, der Qualität der Trittschalldämmung usw. und natürlich vor allem von den jeweiligen Nachbarn selbst.

Selbstverständlich gibt es ganz zauberhafte Exemplare, ebenso wie Psychopathen. Im Hinblick auf Erstere, mithin auf Wunder, sei mangels Live-Erfahrung auf Film und Literatur verwiesen (von "Frühstück bei Tiffanys" bis zu "Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe"), im Hinblick auf Gewalttäter auf den alltäglichen Polizeibericht: "Auslöser für ein Blutbad in Bielefeld könnte ein Streit unter Nachbarn um Parkplätze gewesen sein."

Für die meisten Menschen dürfte indes gelten: Man wohnt vielleicht nicht unbedingt in Rufnähe eines umwerfend attraktiven jungen Schriftstellers, der sich zudem in lauen Sommernächten am Saxophon in Charlie Parker verwandeln kann, aber immerhin auch nicht neben Jack the Ripper. Sondern nur neben jemandem mit vergleichsweise durchschnittlichem Nerv-Potential. Der klassische Nachbar ist jemand wie Sie und ich, der andere schon mal mit einem Korb Äpfel beglückt (wohin auch sonst mit dem ganzen Fallobst), einem aber auch gelegentlich motorsägenderweise den Samstagvormittagsschlaf raubt. Im Folgenden ein grober Überblick über gängige Nachbar-Typen.

Tierhalter. Bei Einzel-Nachbarinnen ebenso anzutreffen wie in Großfamilien, wobei a) meist ein Rudel Katzen und b) gern gar alles Kreuchende beherbergen, vom Karnickel bis zum Paarhufer. Kein Wunder, dass es inzwischen praktisch zu jeder Tierart Gerichtsurteile gibt: Erdgeschoss-Mieter müssen zum Beispiel nicht dulden, dass ständig die Nachbarskatze zu Besuch kommt (obwohl das vielleicht nur für den guten Geschmack der Katze spricht). Bienenstöcke in der Nachbarschaft wiederum werden von Juristen als durchaus zumutbar em-pfunden. Nicht zuletzt der Umstand, "dass die Bienen im Rahmen ihres Reinigungsfluges ein Nachbarsgrundstück durch Bienenkot verschmutzen könnten", sei "als Unannehmlichkeit hinzunehmen".

Bastler. Ob hyperaktiver Rentner, junger Familienvater oder resolute Best-Agerin mit Vh-Holzsäge-Kurserfahrung - viele Menschen sind felsenfest davon überzeugt, dass ein Tag ohne den Einsatz von schwerem Gerät ein verlorener Tag ist. Freilich ist bei weitem nicht alles ein Regal oder gar Kunst, was beim Motorsägen herauskommt, aber solange der Nachbar nur auf seinem eigenen Territorium und im Rahmen der erlaubten Lärmzeiten wütet, ist Toleranz geboten. Sowieso sollte man mit einem Menschen mit gut sortierter Kellerwerkstatt tunlichst keine Händel anfangen. Ein Mann in Backnang hat eben dies vor Kurzem versucht. Resultat: Der von ihm angemoserte Nachbar streckte ihn kurzerhand mit einer Wasserpumpenzange nieder.

Gärtner. Gärtner sind häufig Bastler mit blauem und mit grünem Daumen. Was das Problem für die Nachbarn insofern verschärft, als dass schweres Gerät bei Hardcore-Gartenhandwerkern praktisch immer im Einsatz ist. Vor allem in diesen Tagen, im Herbst, wenn es gilt, den mithilfe von Aufsitzrasenmäher und Heckentrimmer eh schon porentief rein gestriegelten Garten hundertprozentig laubfrei zu blasen. Kollateralschäden wie gehäckselte Igel oder auch gesundheitliche Einbußen am eigenen Leib und darüber hinaus werden häufig billigend in Kauf genommen. Als Nachbar eines zu allem entschlossenen Blättervernichters ergreift man deshalb am besten die Flucht, hofft auf den Winter und darauf, dass sich der Laub-Terminator während seines grausamen Tuns vielleicht doch die Ohren zugestöpselt hat. Andernfalls hat man als Nachbar später noch ein anderes Problem: Der schwerhörig gewordene Gärtner vis-à-vis wird die Lautstärkeregler seiner Unterhaltungselektronik fortan auf Anschlag drehen. Nicht zuletzt beim ZDF-Fernsehgarten sonntagvormittags.

Schlamper. Schmeißt seinen Biomüll in die Restmülltonne und umgekehrt, wobei man von Glück sagen kann, wenn der Müll überhaupt in einer Tonne landet und nicht im Treppenhaus. Apropos. Die Kehrwoche wird von Schlampern ebenso geflissentlich ignoriert wie das ihrer Meinung nach bildschöne Unkraut, das freilich nicht nur ihr Handtuchwiesle ziert, sondern auch droht, auf umliegende Tippitoppi-Parkanlagen (siehe Gärtner) überzugreifen. Ob man in solchen Fällen einen Rechtsstreit vom Zaun bricht oder einfach Gras über alles wachsen lässt, muss jeder selbst entscheiden.

Blockwart. Hat mangels anderer Leidenschaften rund um die Uhr die Nachbarschaft im Visier. Wer wann mit wem auf dem Balkon etwas treibt, das er für Sex hält, wird ebenso penibel registriert wie das unzulässige Befahren eines Stichsträßchens. Des Blockwarts liebster Ansprechpartner ist das Ordnungsamt, zumal ihm sein tägliches Telefonat mit dem Amt den direkten Kontakt mit Menschen vor der Haustür erspart. Tipp: dem Blockwart, oft Langzeitehemann einer zerfenden Spinatwachtel, einfach mal ein zuckersüßes Törtchen hinstellen. Der rastet aus!

Jeder Dritte hat Stress mit den Nachbarn

Viel Ärger Nette, hilfsbereite, rücksichtsvolle Nachbarn: für viele ein Traum. Tatsächlich hat fast jeder dritte Deutsche Stress mit den Nachbarn. Lärm ist mit Abstand die häufigste Ursache. Das hat eine aktuelle Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für die Gothaer Versicherung ergeben. 1000 Menschen wurden befragt.

Krach Auf der Hitliste der Lärm-Belästigungen ganz oben steht laute Musik, gefolgt von Party-Lärm, Streitereien, lautem Fernsehen, Tierlärm, Handwerksarbeiten, Kinderlärm.

Schlamperei Außerdem nervt es viele, wenn der Nachbar bei der Treppenhausreinigung oder beim Schneeräumen schlampt.

Streitlustig Generell scheinen die Hamburger besonders streitlustig zu sein, dort hatte jeder Zweite schon einmal Ärger mit dem Nachbarn. Baden-Württemberg liegt mit 43 Prozent Nachbarschaftsstreiterfahrung auf Platz 2 der Bundesländer. Ob die ausgeprägte Streitlust hierzulande mit der Kehrwoche zusammenhängt? uck

 

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Im Süden daheim!

Daheim. Das ist ein kleines Wort, hinter dem ganz schön viel steckt. Menschen, Sprache, Gefühle. Ihre Geschichten, Hintergründe und Reportagen in unserem Themenspecial.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Expertenhilfe von Ruheständlern

Über den Senior-Experten-Service geben Rentner und Pensionäre ihr berufliches Wissen und Können im Inland und im Ausland weiter. So wie der ehemalige Bietigheimer Chefarzt Michael Butters. weiter lesen