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Experte Fussek zu Missständen in der Pflege

Claus Fussek beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Missstand in der Pflege. Er fordert mehr Kontrollen und vor allem mehr Wachsamkeit aller Akteure.

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Claus Fussek befasst sich seit Jahren mit Missständen in der Pflege. Foto: epd  Foto: 

Herr Fussek, als kritischer Beobachter beschäftigen Sie sich seit Jahren mit der Pflege. Lädt diese zum Betrug ein?

Claus Fussek: So ein sensibler Bereich wie die Pflege kann nur funktionieren, wenn wir ein Frühwarnsystem haben. Wenn die Angehörigen nicht mitmachen würden, gäbe es keinen Betrug. Wenn die Pflegekräfte ihr Berufsethos leben würden, könnte das System nicht funktionieren. Wenn die Ärzte nicht entsprechend verordnen würden, würde das System nicht funktionieren. Durch die vielen Akteure ist Betrug möglich. Alle schauen viel weg. In der Pflege herrscht eine Allianz des Schweigens und des Mitmachens.

Betrug scheint  folgenlos zu sein.

Pflege ist aufgrund der demografischen Entwicklung und des medizinischen Fortschritts ein gigantisches Geschäft, das Renditen abwerfen soll. Solange das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, ist nichts dagegen einzuwenden. Doch darf man die Pflege nicht den Gesetzen der freien Marktwirtschaft übergeben.

Wo müssten Kontrollschranken eingezogen werden?

Obwohl das Thema jeden betrifft, verdrängen wir es kollektiv. Wir haben es noch nicht einmal geschafft, es zu einem Wahlkampfthema zu machen. Dabei haben wir einen gigantischen Pflegenotstand. Ohne die rund 300 000 osteuropäische Haushaltshilfen ginge es nicht.

Russische Anbieter stehen im Fokus der Ermittler. Gibt es eine Verschiebung auf dem Pflegemarkt?

Natürlich. Doch bitte jetzt nicht ablenken nach dem Motto: die bösen Russen. Auch bei deutschen Pflegediensten gibt es kriminelle Strukturen. Das wissen wir. Nur haben wir dann den Datenschutz, die Schweigepflicht und – zu Recht – die Unverletzlichkeit der Wohnung, die unangemeldete Kontrollen unmöglich macht. Es ist nicht schwer, an einem betrügerischen System mitzuwirken. Je größer die Verzweiflung, desto niedriger werden die Ansprüche.

Nach dem Betrugsskandal 2016 wurden die Kontrollen verschärft. Genügen sie nicht?

Die Kontrollen wurden ausgebaut, aber nicht ausreichend. Das Thema Pflege muss zu einer Schicksalsfrage der Nation werden. Parteiübergreifend. Wir haben einen gespenstischen Notstand. Wenn man nur um Preise feilscht wie auf einem Bazar, wenn Billigstanbieter den Zuschlag bekommen, obwohl jeder weiß, dass zu diesem Preis keine legalen Kräfte arbeiten können, dann muss man sich nicht wundern.

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