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Drogenkartelle bezahlten Prostituierte für US-Fahnder

Eigentlich sollten US-Agenten in Kolumbien Rauschgifthändlern das Handwerk legen. Stattdessen ließen sie sich auf Sex-Orgien ein - bezahlt von Kartellen. So steht es in einem Bericht des US-Justizministeriums.

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Fahnder der US-Antidrogenbehörde DEA beim Training. Die DEA ist auch in Kolumbien aktiv - eigentlich, um den Kokainhandel in die USA zu unterbinden.  Foto: 

Amerikas oberste Ordnungshüter kommen vom Regen in die Traufe. Nachdem eine Serie von Skandalen eine Rauswurfwelle beim amerikanischen Secret Service auslöste, sind es nun ranghohe Drogenfahnder der US-Regierung, die in einem verheerenden Bericht an den Pranger gestellt werden. Darin wird Beamten der Rauschgiftbehörde Drug Enforcement Administration (DEA) nicht nur vorgeworfen, sich bei Diensteinsätzen im Ausland mit Prostituierten vergnügt zu haben. Schlimmer noch: Die DEA-Agenten ließen sich die wilden Feten von kolumbianischen Drogenkartellen bezahlen. Republikanische Parlamentarier haben angekündigt, gegen die Behörde Untersuchungen einleiten zu wollen.

Auf 138 Seiten fasst das US-Justizministerium eine Serie haarsträubender Vorfälle zusammen. Demnach haben nicht weniger als sieben Drogenfahnder bereits gestanden, bei Auslandseinsätzen an Sex-Parties teilgenommen zu haben. Sie sind aber offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Anderen DEA-Agenten wird nämlich vorgeworfen, außerdem mit Geld und Geschenken erpresst worden zu sein. Einige sollen sogar Waffen angenommen haben. Unter den Verdächtigen befinden sich mehrere ranghohe Vertreter der DEA, sogar ein stellvertretender Regionaldirektor.

Wie aus dem Regierungsbericht hervorgeht, sollen Prostituierte zudem regelmäßig an Treffen zwischen US-Drogenfahndern, ihren kolumbianischen Kollegen und Vertretern der Rauschgiftkartelle teilgenommen haben. Anzunehmen sei demnach, dass sie Zugang zu vertraulichen Informationen, Computern und anderen Geräten hatten und damit die Mission der DEA-Mitarbeiter womöglich kompromittiert wurde. Schließlich hatten mehrere der Beschuldigten von den US-Geheimdiensten die höchste Sicherheitsstufe zuerkannt bekommen. Sie waren folglich im Besitz hoch- sensibler und vertraulicher Informationen über exakt jene Verbrecher, denen sie auf die Schliche kommen sollten, von denen sie sich aber stattdessen die Sex-Feten finanzieren ließen.

Über den konkreten Ort der Geschehnisse ist aus dem Ministerium nichts zu hören. Gleichwohl bestätigen regierungsnahe Quellen, dass es sich um Kolumbien handelt. Dass die dort stationierten Beamten behaupten, von der Rolle jener Rauschgifthändler, denen sie eigentlich das Handwerk legen sollten, nichts gewusst zu haben, lässt der Bericht des Generalinspekteurs nicht gelten. Auch wenn ihnen keine konkreten Details vorlagen, "hätten die Betroffenen wissen müssen, dass die Veranstaltungen mit Kartellgeldern bezahlt wurden", heißt es. Beschrieben werden auch Vorfälle in anderen Ländern, unter anderem Thailand. In beiden Ländern, so berichtete ein DEA-Informant, sei Prostitution "ein Teil der Kultur". Die Begegnungen mit US-Agenten hätten in sogenannten "Toleranzzonen" stattgefunden, wo das Verhalten allgemein geduldet wird.

Als "besonders beunruhigend" bezeichnet der Regierungsbericht zum einen die Tatsache, dass die Begegnungen über mehrere Jahre stattfanden, und zwar weitgehend ohne Konsequenzen. Scharf kritisiert wird zudem, dass die Sex-Parties in Räumlichkeiten gefeiert wurden, die von der DEA ausschließlich zu dienstlichen Zwecken gemietet worden waren. Dort sollen sich mehrere der DEA-Beamten auf "hochriskante sexuelle Aktivitäten" eingelassen haben.

Nicht nachvollziehbar ist nach Darstellung des Justizministeriums, warum das Fehlverhalten jener Drogenfahnder, die dem Export von Kokain in die USA einen Riegel vorschieben sollten, praktisch ungestraft blieb. So wurden jene sieben DEA-Mitarbeiter, die ihre Begegnungen mit den Prostituierten gestanden hatten, lediglich zwei bis zehn Tage vom Dienst suspendiert. Weder kam es zu Entlassungen, geschweige denn zu einem Gerichtsverfahren. Die zuständigen Regionaldirektoren hatten offenbar versucht, die Verstöße unter den Teppich zu kehren und verhindert, dass die Namen der betroffenen Agenten an deren Vorgesetzte in Washington weitergegeben werden.

Das Weiße Haus reagierte postwendend auf die peinlichen Enthüllungen. In einer offiziellen Stellungnahme hieß es, dass Präsident Barack Obama "null Toleranz für sexuelles Fehlverhalten hat, vor allem seitens jener, die für die Einhaltung der Gesetze verantwortlich sind". Deutlich schärfer reagierte der republikanische Kongressabgeordnete Jason Chaffetz, Vorsitzender des Sonderausschusses zur Beaufsichtigung und Reform des staatlichen Verwaltungsapparats. Er nannte Einzelheiten des Berichts "umwerfend". Das Verhalten der Drogenfahnder, so Chaffetz, "stellt fraglos ein Risiko für unsere nationale Sicherheit dar". Der Republikaner kündigte an, baldmöglichst Kongressanhörungen zu dem Skandal abhalten zu wollen.

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