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Die österreichische Bahn hat Vorbildcharakter

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Österreichische Bundesbahnen: Ticket Wien – Bregenz: 69 Euro  Foto: 

„Wer nix ist und wer nix kann, geht zur Post oder zur Bahn“, hieß es früher. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) galten als schwerfälliger Koloss, der von parteipolitischem Kalkül getragen seinen Beschäftigten ermöglichte, mit Mitte 50 in Pension zu gehen. Heute haben die ÖBB ein anderes Image. Im europäischen Vergleich gilt sie als eines der effizientesten und modernsten staatlichen Transportunternehmen.

 Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der Wirtschaftsuniversität Wien, erklärt das vor allem damit, dass Österreich in das Staatsunternehmen viel investiert – im Schnitt 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. „Das ist im Verhältnis zur Bevölkerung und zum Schienenkilometer etwa doppelt so viel wie in Deutschland.“ Außerdem sei in Österreich traditionell immer mehr Güterverkehr über die Schiene gelaufen, derzeit etwa knapp 30 Prozent. Durch Investitionen gelang es, diesen Anteil zu halten.

Die ÖBB konnten in den vergangenen Jahren aber auch ihren Anteil am Personenverkehr ausbauen. Laut Kummer legte ein Österreicher 2014 im Schnitt
1426 Kilometer mit der Bahn zurück, in Deutschland 1115 Kilometer. Zugfahren ist in Österreich um etwa 20 Prozent billiger, und die Preise sind viel transparenter. Auch die Verspätungen seien weniger geworden.

Allerdings ist das Unternehmen hochverschuldet. Die ÖBB mit ihren etwa 40 000 Angestellten sind ein hundertprozentiger Staatsbetrieb. Laut dem ­österreichischen Finanzministerium wurden für das Jahr 2014 mehr als 20 Milliarden Euro Schulden ausgewiesen.

Verdienste bei der ÖBB hat sich der jetzige Bundeskanzler und frühere Bahn-Chef Christian Kern erworben. Er setzte auf den Ausbau der Westbahn. Außerdem strukturierte er nichtprofitable Bereiche neu und stabilisierte den Konzern mit seinen 20 Subunternehmen. Zugute kam Kern aber auch, dass er Logistikzentren, Güterterminals und Güterwagen konzernintern abstoßen konnte. „Sein Verdienst ist es auch, dass er das Image verbessert hat. Mittlerweile kann man schneller mit dem Zug von Wien nach Salzburg fahren als mit dem Auto“, meint Kummer.

Kern habe die Bahn „marktorientiert“ geleitet. Der Experte ist überzeugt, dass es ihm gerade deshalb gelungen sei zu sparen, weil er selbst der SPÖ angehörte und damit der Eisenbahner-Gewerkschaft nahestand. Die „Eisenbahner“ galten immer schon als rote Hochburg. Oft war die Bahn deshalb ein Nebenschauplatz der Koalitionskrisen zwischen der SPÖ und der bürgerlichen ÖVP. Die Zeiten, in denen ÖBB-Beamte dachten „Ich setze mich auf den Sessel und die Partei beschützt mich“, sind allerdings vorbei.

Heute ist eine der größten Herausforderungen für die ÖBB die Digitalisierung. Denn über diverse Internetplattformen können Kunden leicht herausfinden, wie man am günstigsten reist – vor allem Bus­unternehmen profitieren davon. Das beste Argument fürs Bahnfahren ist nach wie vor der Umweltbonus: Eine Reise mit dem Auto verursacht rund zehnmal mehr Kohlendioxid.

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