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Belastete Eier auch im Südwesten

Der Fipronil-Skandal hat jetzt auch Baden-Württemberg erreicht. Landwirtschaftsminister Peter Hauk kündigt verstärkte Kontrollen bei den Erzeugern an.

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  • Hunderttausende Eier aus den Niederlanden sind bereits zurückgerufen worden, nun zieht der Skandal um belastete Eier weitere Kreise.   1/2
    Hunderttausende Eier aus den Niederlanden sind bereits zurückgerufen worden, nun zieht der Skandal um belastete Eier weitere Kreise. Foto: 
  • Kennzeichnung von Hühnereiern. 2/2
    Kennzeichnung von Hühnereiern. Foto: 
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Das ist eine kriminelle Handlung und die Landwirte sind die Opfer.“ Horst Wenk, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbands Baden-Württemberg, ist sauer. Was ihn wütend macht: Weil es von einer Reinigungsfirma mit anderen Mitteln gemischt wurde, ist Fipronil in Hühnerställe vor allem in den  Niederlanden gelangt. Das Insektizid ist zwar zugelassen, darf aber nicht bei Tieren, die der Lebensmittelproduktion dienen, eingesetzt werden. Darunter leide, mal wieder, der Ruf der Landwirte, so Wenk. Die verunreinigten Eier sind bis nach Baden-Württemberg gelangt. Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) rät: „Die Verbraucher sollten derzeit auf den Verzehr von Eiern aus den Niederlanden verzichten.“

Betroffen sind aber auch fünf Ställe in Deutschland, allerdings keiner davon in Baden-Württemberg. Sicherheitshalber werden auch Eier aus dem eigenen Bundesland auf Fipronil kontrolliert, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium. Dazu sei ein Sonderkontrollprogramm gestartet worden. Die Kontrolleure gingen dabei in die Packstellen der Betriebe, bevor die Eier in den Handel kommen. Bisher gebe es aber keine Hinweise auf Belastungen. Baden-Württemberg prüft zudem, ob das in der Kritik stehende Desinfektionsmittel im Südwesten eingesetzt wird.

Auch der Handel reagierte umgehend: Die Supermarktkette Rewe und ihre Discountertochter Penny hatten Eier aus den Niederlanden bereits am Mittwochabend aus den Regalen genommen. Eier mit niederländischem Stempel wurden zurückgenommen.

Darüber hinaus gibt es aber noch immer viele Fragen im Zusammenhang mit den insektizidbelasteten Eiern. Die wichtigste ist wohl die nach der Gefährlichkeit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt zwar, dass überdurchschnittlicher Konsum der belasteten Eier für Kinder gefährlich sein kann. Die Behörde gibt jedoch zugleich eine Teil-Entwarnung. „Das bedeutet nicht zwangsläufig eine konkrete Gesundheitsgefährdung durch den Verzehr von Hühnereiern.“

Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer kritisierte diese Einschätzung als irreführend. Die Argumentation, für Kinder gehe – bei einem Durchschnittskonsum – selbst bei den in Belgien festgestellten Höchstwerten von mit Fipronil belasteten Eiern keine Gesundheitsgefahr aus, „verharmlost das Problem“, sagte er.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) beklagt deshalb, dass eine einheitliche Handlungsanweisung fehlt. „Die Kommunikation der verschiedenen Behörden ist uneinheitlich und dadurch für Verbraucher höchst verwirrend“, sagt Jutta Jaksche, Ernährungsexpertin des Verbandes. Auch die Grünen beklagten, dass vom zuständigen Bundesminister Christian Schmidt (CSU) „erstmal tagelang kein Ton zu hören“ gewesen sei. Tatsächlich wandte sich der Minister erst am späten Donnerstagnachmittag an die Öffentlichkeit. Die Warenströme würden derzeit „mit Hochdruck“ untersucht, sagte er. Eine Schlüsselrolle nähmen bei der Verbreitung der Eier offenbar Nordrhein-Westfalen und Niedersachen ein. Das niedersächsische Agrarministerium in Hannover geht dagegen davon aus, dass die Verursacher in Belgien oder den Niederlanden sitzen.

Die Verbraucherzentrale in Baden-Württemberg vermutet, dass ein Reinigungsmittel namens Dega-16 mit Fipronil versetzt wurde. Wahrscheinlich sollte so eine Milbe bekämpft werden, die die Hühner befällt und ihr Blut saugt. Während Dega-16 ein erlaubtes Präparat aus Pflanzen ist, ist das Ergänzen von Fipronil in der Europäischen Union illegal. „Wer auch immer bewusst oder fahrlässig Mittel zur Schädlingsbekämpfung bei der Lebensmittelherstellung verwendet hat, muss unnachgiebig zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte Minister Meyer. „Mit den belasteten Eiern wird eine Gesundheitsgefährdung insbesondere von Kindern billigend in Kauf genommen.“

Solche Methoden werden immer wieder angewendet. Nachdem die Fälle in den Niederlanden und Belgien bekannt wurden, meldete sich ein Betrieb in Niedersachsen bei den Behörden: Auch dort wurde die illegale Mixtur verwendet – ebenso wie möglicherweise in vier weiteren Betrieben. Alle fünf Farmen sind gesperrt worden.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch ist von den Vorgängen wenig überrascht: „Der Lebensmittelsektor ist äußerst betrugsanfällig. Es darf keinen Verzug bei der öffentlichen Information über betroffene Produkte geben.“


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