Partner der

Air Berlin: Sinkflug mit Ansage

Schon lange Zeit befand sich die Fluggesellschaft Air Berlin in Turbulenzen. Nach dem Insolvenzantrag stellen sich viele Fragen, nicht nur für Verbraucher.

|
Vorherige Inhalte
  • Auch vom Flughafen Stuttgart aus startet Air Berlin. Trotz der Insolvenz soll es erst mal wie bisher weitergehen. 1/2
    Auch vom Flughafen Stuttgart aus startet Air Berlin. Trotz der Insolvenz soll es erst mal wie bisher weitergehen. Foto: 
  • Titel:airberlin Schokoherz von Lindt,Beschreibung:Auf allen Kurz- und Mittelstreckenflügen erhalten airberlin Gäste das Lindt Schokoherz beim Ausstieg als kleines Dankeschön.,Quellenangabe:Mathias Neubauer/airberlin 2/2
    Titel:airberlin Schokoherz von Lindt,Beschreibung:Auf allen Kurz- und Mittelstreckenflügen erhalten airberlin Gäste das Lindt Schokoherz beim Ausstieg als kleines Dankeschön.,Quellenangabe:Mathias Neubauer/airberlin Foto: 
Nächste Inhalte

Den aufrechten Gang haben sie sich bewahrt, trotz aller Turbulenzen. Zwei Stewardessen von Air Berlin, blaue Kostüme, rote Käppis, ziehen ihre Koffer zum Terminal C am Flughafen Berlin-Tegel. Dort beginnt in einer Stunde die Schicht. „Das ist eine Katastrophe für uns, wir hatten noch große Hoffnungen“, sagt eine. Wie es für sie weitergeht, war am Dienstag unklar. „Wer konnte, hat sich woanders beworben.“

In der schmucklosen Halle, die 2007 eröffnet wurde, ist die Airline der absolute Platzhirsch. Die gesamte Infrastruktur ist auf Air Berlin ausgerichtet. Viele Mitarbeiter lassen sich nichts anmerken, obwohl ihnen die Insolvenz ständig vor Augen geführt wird: Die Meldungen laufen auf großen Displays. Ein Chaos bleibt aus. Sämtliche Flüge finden statt.

Auch die Passagiere sind  nicht überrascht von der Pleite. „Die Einschläge kamen dichter“, sagt Andreas Rutting, Klinikmanager aus Saarbrücken, der wöchentlich zwischen dem Saarland und der Hauptstadt pendelt. Gestrandet sei er häufig mit Air Berlin, wie auch seine Kollegen. „Es gab zum Schluss auch immer größere Lücken im Flugzeug“, so Rutting über die Auslastung. Da er weitere Flüge gebucht hat, stellen sich ihm die gleichen Fragen wie vielen anderen Kunden:

Bekommt man bei Flugausfällen von Air Berlin weiterhin sein Geld zurück? Noch ist es im Zusammenhang mit dem Insolvenzantrag nicht zu Flugausfällen gekommen. Im Falle der Pleite von Air Berlin würden aber alle diejenigen leer ausgehen, die ihren Flug direkt bei der Airline gebucht haben, wie das Fluggast-Helfer-Portal AirHelp mitteilt. Besser sähe es bei einer Buchung über einen Reiseanbieter oder eine Partner-Airline aus. Beide stünden im Falle einer Insolvenz in der Verantwortung. Sie müssten für eine Alternativbeförderung sorgen oder den Preis für den Flug erstatten. Solange die Airline nur den Insolvenzantrag gestellt hat und nicht tatsächlich pleite ist, haben Fluggäste bei Verspätungen und Ausfällen wie bisher das Recht auf Entschädigungszahlen bis 600 Euro.

Was war der Auslöser des Insolvenzantrags? Der arabische Partner Etihad hatte in der vergangenen Woche eine eigentlich vereinbarte Kredittranche von 50 Millionen Euro nicht überwiesen. Das Geld wäre Teil eines Darlehens in Höhe von 350 Millionen Euro gewesen, den der Großaktionär aus dem Emirat Abu Dhabi im Frühjahr zugesagt hatte.

Wie viele Mitarbeiter werden entlassen? Das steht noch nicht fest. Zurzeit sind knapp 8000 Mitarbeiter bei Air Berlin beschäftigt. Durch die zugesicherte Brückenfinanzierung des Bundes in Höhe von 150 Millionen Euro und eine mögliche Unterstützung durch das Land Berlin sei der Flugbetrieb „bis Ende November“ gesichert, wie es heißt. Air Berlin machte am Dienstag zu möglichen Stellenstreichungen keine Angaben.

Wird das Unternehmen nun zerschlagen? Das ist gut möglich. In Frage kommt eine Übernahme von Teilen der Fluggesellschaft durch die Lufthansa. Es gibt aber auch Gespräche mit mehreren anderen Airlines. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo machte allerdings deutlich, dass man eine „Filetierung des Unternehmens“ nicht mitmache.

Was sagt der Gesellschafter Etihad? Etihad mit einem Aktienanteil von 92,2 Prozent steht auf dem Standpunkt, dass Air Berlin „entscheidende Herausforderungen nicht bewältigt“ habe. Man sei weiterhin bereit zu unterstützen, aber nicht in bisherigem Umfang.

Warum will Air Berlin die Insolvenz in Eigenverwaltung? Weil das Unternehmen so für seine Geschicke verantwortlich bleiben kann. Ziel dieser Variante ist die Erhaltung und Sanierung des Unternehmens. Zum Sachwalter ist der Rechtsanwalt Lucas Flöther bestimmt worden. Er hatte zuletzt den insolventen Fahrradhersteller Mifa gerettet.

Was wird aus den Air-Berlin-Herzen? An die Fluggäste verteilt Air Berlin bei jedem Flug kleine Lindt-Schokoladenherzen – bis zu 1,5 Millionen Exemplare pro Monat. Die Herzen werden bis auf Weiteres weiter verschenkt.

1978 Gründung als Chartergesellschaft durch Kim Lundgren.

1991 Der LTU-Manager Joachim Hunold kauft die Mehrheit der Anteile.

1998 Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2006/2007 Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba und des Ferienfliegers LTU. Damit auch Interkontinentalflüge möglich.

2008 Erste rote Zahlen, erstes Sparprogramm.

2011 Hunold wirft hin, Hartmut Mehdorn übernimmt. Es folgen weitere Sparprogramme und mehrere Wechsel auf dem Chefposten.

2015 447 Millionen Euro Verlust, so viel wie nie zuvor.

2016 Ein tiefgreifender Umbau und die Streichung von bis zu 1200 Stellen sollen das Unternehmen retten. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen.

2017 Thomas Winkelmann wird Vorstandschef; am 15. August Insolvenzantrag. dpa

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Das Aus der großen deutschen Airline

Air Berlin hat am 15. August Insolvenz angemeldet. Seit 2008 schreibt das Unternehmen Verluste. Mithilfe eines Übergangskredits der Bundesregierung konnte der Flugbetrieb fortgeführt werden.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Expertenhilfe von Ruheständlern

Über den Senior-Experten-Service geben Rentner und Pensionäre ihr berufliches Wissen und Können im Inland und im Ausland weiter. So wie der ehemalige Bietigheimer Chefarzt Michael Butters. weiter lesen