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Wühlen in der Schatztruhe

Die Mutter aller Kunstmessen, die Art in Basel, ist nicht zu bremsen. Hier purzeln die großen Namen der Gegenwartskunst nur so aus dem Füllhorn. Bei der Moderne hapert fehlt es langsam an Nachschub.

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Millionenobjekt bei der Art Basel: Die im Strumpf aufgehängte Katze von Jeff Koons.  Foto: 

Es ist noch immer so: Jeder mit einem Finanzpolster gesegnete Galerist will bei der Art Basel mitspielen. Hier in den Mustermessehallen wird tatsächlich schon seit einigen Jahren Globalisierung veorexerziert. Den Eidgenossen war rechtzeitig klar geworden, dass die Kunst-Depots ihrer europäischen Sammler-Klientel nicht ewig weiter mit neuer Ware vollgestopft werden konnten, also entdeckten sie mit ihrem Messe-Ableger Art Miami den amerikanischen und den lateinamerikanischen Markt msamt seiner Neureichen-Elite.

Der Erfolg dort hatte schnell Weiterungen. Jetzt wollten plötzlich auch alle Scheichs von Riad bis Dubai Meisterwerke aus Europa in ihren Kellern horten, auch die russischen Oligarchen, die asiatischen Industriemagnaten und überhaupt alle potenten Kunstliebhaber in Fernost drehten in Sachen Kunsterwerb unerwartet heftig an der Preisspirale. So hantiert der Kunstmarkt heute fast nur noch mit Millionensummen und kann vor Kraft gar nicht mehr richtig laufen.

Diese rundum globalisierte Basler Art, die jede Hemmung fallen lässt, wenn es darum geht, das Kunstfieber ihrer internationalen Großsammlergemeinde zu nutzen, scheucht ihre VIP von exklusiver Preview zu exklusiver Preview, so lange, bis nahezu alle hoch bewerteten Kunstwerke mit einem roten Verkauft-Punkt versehen sind und das gemeine Kunstpublikum, das eh nur an den letzten Messetagen Zugang hat, die besten Stücke gar nicht mehr zu sehen bekommt.

Gut, es bleibt noch überreichlich Kunstmaterial zu beschauen, denn wenn wie jetzt bis zum 21. Juni bei der 46. Ausgabe der Art Basel 284 Galeristen aus 33 Ländern ihre Visitenkarte abgeben, purzeln die großen Namen nur so aus dem Füllhorn, es geht von Baselitz, Beuys, Miro über Dali, Klein, Lichtenstein, Picasso bis Warhol, man kann immer nur staunen, woher all diese schönen Stücke stammen. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Zumindest in Europa versiegen bei dem weltweiten Kunst-Hype langsam die Quellen. Was tut die Art Basel angesichts dieser Lage? Ihre Kunststrategen haben einen schmucken Rettungsring gebastelt: Sie haben ihre Top-Galerien gebeten, doch historisch wertvolle und einmalige Kunstwerke zu präsentieren, die die Art Basel Glanzlichter sozusagen adeln, zumindest ihr ein besonders nobles Image verschaffen, das zudem noch dazu taugt, das Preisniveau weiter anzuheben.

So finden wir etwa bei der New Yorker und Berliner Galerie Moeller Fine Art eine 1928 von Fernand Leger streng komponierte "Nature morte", ein Stillleben, das, so versichern die Verantwortlichen, noch nie zuvor auf dem Markt angeboten wurde und nun ür 3,9 Millionen Dollar zu erwerben ist. Die Münchner Galerie Thomas wartet gleich mit zwei bemerkenswerten Preziosen auf: mit dem Porträt von Leon Schames von Ernst Ludwig Kirchner (3,8 Millionen) und dem von Max Beckmann 1946 gemalten Ölbild "Kleine Drehtür auf Gelb und Rosa" (1,6 Millionen). Mit der wirklich raffiniert eingefädelten Raritäten-Schau haben die Basler Kritikern den Wind aus den Segeln genommen, die behaupten wollen, die Art 2015 funktioniere nur nach dem unauffälligen Motto "Business as usual".

Info Die Art Basel hat für das Publikum Do bis So geöffnet, 11-19 Uhr.

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