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Vom Schauspiel besessen

Er gilt als scheu, doch am Mittwoch waren alle Augen auf ihn gerichtet: Leonardo DiCaprio eröffnete als der "Große Gatsby" die Filmfestspiele. Im Interview erzählt der 38-Jährige von der Faszination Film.

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Auch unter vielen Stars sticht sein Gesicht heraus: Leonardo DiCaprio läuft als "Großer Gatsby" außer Konkurrenz. Foto: afp

Sie arbeiten fast immer mit bekannten Regisseuren wie Quentin Tarantino, James Cameron, Martin Scorsese oder jetzt erneut Baz Luhrmann. Warum ist das so?
LEONARDO DICAPRIO: Für mich ist der Regisseur der wichtigste Teil, um ein Stück Filmkunst zu erschaffen. Ich habe viele gute Drehbücher gesehen, die ruiniert wurden, weil der Regisseur nicht in der Lage war, etwas Gutes daraus zu machen. So habe ich mich immer daran orientiert, möglichst mit den besten Filmemachern zu arbeiten, die ich bekommen konnte. Das Tolle am Filme gucken ist doch, dass man auf der Leinwand jemand ganz anderes wird als der, der man ist. Ich muss den Regisseuren vertrauen, die mir sagen, was ich richtig oder falsch mache. Scorsese etwa vertraue ich total, und wir kommen gut miteinander aus.

Der Roman "Der große Gatsby" wurde schon mehrfach verfilmt. Was macht ihn so zeitlos?
DICAPRIO: Als ich den Roman jetzt als Erwachsener nochmals gelesen habe, ist mir aufgefallen, wer Gatsby wirklich war. Er repräsentierte sehr genau die Zeit der Prohibition in den USA. Er war dabei, ein Rockefeller zu werden, und dann traf er Daisy. Als ich den Roman in der High School las, war das für mich nur eine einfache Liebesgeschichte. Tatsächlich ist er besessen von ihr und vom Geld.

Der Roman ist aus dem Jahr 1925, aber er wirkt dennoch sehr aktuell.
DICAPRIO: Für mich ist der Roman sehr prophetisch. Es geht darum, dass wir keinen Respekt für die Ressourcen dieser Welt zeigen, dass wir uns keine Gedanken darüber machen, was passiert, wenn ein Land und die gesamte Weltgemeinschaft zu schnell wächst, und nicht an den nächsten Zusammenbruch denken. Vieles wiederholt sich.

So auch ein Besuch bei den Filmfestspielen in Cannes.
DICAPRIO: Immer wenn ich nach Cannes komme, fühle ich mich an die Anflugszene mit dem Hubschrauber in "La Dolce Vita" erinnert. Es ist verrückt, aber man muss es eben mitmachen. Für mich ist der Film riskant, denn man weiß nie, ob so ein Klassiker ein junges, modernes Publikum erreichen kann.

Was gefällt Ihnen an Baz Luhrmann?
DICAPRIO: Ich traf Baz, als ich 18 Jahre alt war, um "Romeo + Juliet" zu drehen. Er hat diesen nicht endenwollenden Enthusiasmus. Er hat immer so schräge Ideen und Konzepte, das gefällt mir. Er infiziert mich immer wieder.

Hätten wir dieses Gespräch auch auf Deutsch führen können?
DICAPRIO: Mein Deutsch ist okay. Ich komme so damit durch und kann überleben. Stimulierende Konversationen kann ich nicht auf Deutsch führen, aber gut über das Essen reden und über das, was man besichtigen kann.

Seit Sie 13 sind, waren Sie einen großen Teil Ihres Lebens auf Filmsets. Haben Sie etwas verpasst?
DICAPRIO: Ich wollte immer nur so gut wie möglich sein. Das hat sich nie geändert. Meine Leidenschaft ist im Laufe der Jahre eher größer geworden. Ich bin auch sehr stolz auf das, was ich erreicht habe. Ich bin vom Schauspiel besessen und möchte immer mehr machen. Ich möchte auch immer mehr gefordert werden. Es ist gefährlich, wenn man sich sicher und erfahren fühlt.

Haben Sie das Gefühl, im Laufe der Jahre besser geworden zu sein?
DICAPRIO: Absolut, allein durch die Erfahrungen. Man lernt ja jedes Mal etwas dazu und man wird etwas weiser mit dem Alter. Die einzige Kontrolle, die ich nicht habe, ist, was die Leute von mir denken. Aber meine Einstellung ist immer: Das Leiden ist zeitlich begrenzt, aber der Film ist für immer da. Ob die Leute den Film dann mögen oder hassen, kann man nicht kontrollieren.

Und wie sieht Ihre Freizeit aus?
DICAPRIO: Ich bin gerne zu Hause, sehe Filme, vor allem viele Klassiker, treffe Freunde, reise zu Orten wo ich noch nicht war, besuche Museen und gehe ins Kino, wenn mich die Paparazzi nicht erwischen.

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