Partner der

Vangelis hat für die Raummission „Rosetta“ ein Album herausgebracht

Sonne, Mond und Planeten, Astronomie und Raumfahrt haben Komponisten schon oft inspiriert. Für die „Rosetta“-Mission hat Synthesitzer-Pionier jetzt sogar ein komplettes Album aufgenommen.

|
Vorherige Inhalte
  • Vangelis hat zur Mission der Sonde „Rosetta“ eine CD herausgebracht. 1/2
    Vangelis hat zur Mission der Sonde „Rosetta“ eine CD herausgebracht. Foto: 
  • Das Weltall hat Vangelis schon immer fasziniert. 2/2
    Das Weltall hat Vangelis schon immer fasziniert. Foto: 
Nächste Inhalte

Seit 1968 fließt die Donau durch den Weltraum. Stanley Kubrick ließ in seinem Film „2001: Odyssee im Weltraum“ eine Raumstation zu Johann Strauß‘ „An der schönen blauen Donau“ Walzer tanzen – und fügte der Geschichte des All-Klangs ein prägnantes Kapitel hinzu.

Es hat also Tradition, wenn Synthesizer-Pionier Vangelis nun der europäischen Raumfahrtbehörde ESA zum geglückten Abschluss ihrer „Rosetta“-Mission sogar ein Album widmet. Zwei Jahre lang hatte die Sonde den Kometen Tschurjumow-Gerassimenko umkreist, vergangene Woche setzte ihr Landemodul Philae dort auf. Ein triumphaler Erfolg für die ESA, vor dem sich Vangelis nun verneigt.

Die Geschichte hatte 2012 begonnen, als der niederländische Astronaut André Kuipers von der Internationalen Raumstation ISS aus ein Gespräch mit Vangelis führte – um ihm zu sagen, wie sehr er dessen Musik während seines sechsmonatigen Aufenthalts im All genoss. Nach Kuipers Rückkehr zur Erde lernten sich die Männer kennen, in der Folge entstand der Plan einer Zusammenarbeit zwischen der ESA und Vangelis.

Eine Aufgabe, die der Komponist genoss: „Mythologie, Wissenschaft und die Erkundung des Weltalls faszinieren mich seit meiner Kindheit“, sagt er. Und das war schon immer mit seiner Musik verbunden. „Als ich drei oder vier Jahre alt war und zuhause Klavier spielte, fragten mich die Leute, woher die Musik kommt. Ich deutete zum Himmel und sagte: ,Von da oben‘.“

„Rosetta“ ist Vangelis‘ erstes Studioalbum seit 15 Jahren. Damals hatte ihn die Nasa-Marsmission „Odyssey“ zu der bombastischen Scheibe „Mythodea“ mit Chor, Orchester und Elektronik inspiriert. Für den Griechen ist Musik ein sakrales Fundament des Universums, das Chaos in Harmonie wandelt.

Tatsächlich besteht zwischen Astronomie und Musik ein Band, seit Pythagoras vor 2500 Jahren über die harmonische Struktur des Kosmos philosophiert hat. Die alten Griechen wollten Sphärenmusik erlauschen, errechneten Beziehungen zwischen Planetenbewegung und musikalischen Gesetzen. Später forschte Kepler über solche Himmelsharmonien. Im „Prolog im Himmel“ des „Faust“ lässt Goethe sogar den Erzengel Raphael die Sphärenharmonie verkünden: „Die Sonne tönt nach alter Weise / in Brudersphären Wettgesang, / und ihre vorgeschriebne Reise / vollendet sie mit Donnergang.“

Das konnte natürlich auch an Komponisten nicht klanglos vorbei gehen. Gustav Mahler schrieb über seine gigantomane „Achte“ (1910): „Denken Sie sich, dass das Universum zu tönen und zu klingen beginnt. Es sind nicht mehr menschliche Stimmen, sondern Planeten und Sonnen, welche kreisen.“

Mystisch und romantisch

Das berühmteste Weltall-Werk ist Gustav Holsts spätromantische Orchestersuite „Die Planeten“ (1914-16). Sieben Sätze als mythologische Charakterporträts: Der Mars tönt aggressiv als „Kriegsbringer“ daher, Neptun wird dank Chorgesang zum „Mystiker“. Denken wir heute an sinfonische Weltraummusik, fallen uns freilich zuerst Soundtracks ein: vor allem „Star Wars“. Paradox: Es geht um das Ferne, Fremde – aber diese Musik bietet uns Vertrautes, romantisch orchestral.

Und Rock‘n’Roll im All? Da gibt’s jede Menge tolle Songs, von den Beatles („Across the Universe“) über Elton John („Rocket Man“) bis zu David Bowie („Space Oddity“), von Deep Purples „Space Truckin’“ bis Peter Schillings „Major Tom“. Vor allem Klangtüftler blicken gern nach oben: Der Japaner Isao Tomita hat ein gutes halbes Dutzend spacige Alben produziert, darunter eine Synthesizer-Fassung von Holsts „Planeten“, und Brian Eno hat sich mehrfach vom Apollo-Programm anregen lassen. Als „Space Music“ gilt heute so ungefähr alles zwischen psychedelischer Extravaganz und chilliger Ambient-Musik.

Womit wir wieder bei Vangelis wären. Schon 1975 hatte er ein Album mit dem Titel „Heaven and Hell“ herausgebracht, eine Melodie daraus wurde zum Thema von Carl Sagans Hit-Fernsehserie „Cosmos“. Und 1976 legte Vangelis mit „Albedo 0.39“ eine komplette LP, die sich mit dem Weltraum befasste – der Titel bezieht sich auf die Lichtreflexion der Erde.

„Albedo 0.06“ heißt nun ein Track auf seinem neuen Album: Der Komet ist dunkler als die Erde. „Rosetta“ ist gewiss nicht Vangelis’ stärkstes Werk, viele Tracks wie „Starstuff“ und „Exo Genesis“ fließen und blubbern wenig prägant dahin. In „Celestial Whispers“ scheint der Kosmos aber tatsächlich zu flüstern, und unter dem Titel „Mission Accomplie“ hat Vangelis der Sonde gleich einen veritablen Walzer gewidmet. Das hätte sogar Kubrick gefallen.

Zur Person

Musiker Evangelos Odysseas Papathanassiou, 1943 in Griechenland geboren, feierte als Keyboarder in den 60er Jahren mit der Band Aphrodite’s Child an der Seite des Sängers Demis Roussos Erfolge: erst mit Pop-Hits wie „Rain and Tears“, dann mit psychedelischen Konzeptalben wie „666“. Vangelis’ Solo-Karriere als Synthesizer-Musiker nahm 1973 Fahrt auf. Alben wie „Heaven and Hell“, „Albedo 0.39“ und „Spiral“ gelten als richtungsweisend, wobei Vangelis auch oft Einflüsse aus Pop, Rock, Jazz und Klassik verarbeitete. Mit dem Sänger Jon Anderson von „Yes“ brachte Vangelis vier Alben heraus, die beiden hatten mit „I Find My Way Home“ auch einen großen Hit. Zudem hat Vangelis die Musik zu rund 50 Filmen geschrieben, darunter zu Meisterwerken wie „Blade Runner“. Für den Soundtrack zu „Chariots of Fire“ gewann er 1982 den Oscar, die Titelmelodie zu „1492 – Conquest of Paradise“ war ein Riesenerfolg, nicht zuletzt, weil der Boxer Henry Maske dazu zu seinen Kämpfen einmarschierte. abo

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Drehleiter-Einsatz nach Sturm-Schäden

Mehr als 30 Einsätze wegen eines Sturmtiefs verzeichnete das Polizeipräsidium Ludwigsburg am Donnerstagmorgen in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen zwischen 5.20 und 8 Uhr weiter lesen