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Kino: Neues vom „Planet der Affen“

Seit fast einem halben Jahrhundert thematisieren die „Planet der Affen“-Filme die Frage, was den Mensch zum Menschen macht – und ob er nicht auch nur ein Tier ist.

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  • Caesar (Andy Serkis) und seine Vertrauten hoch zu Ross – eine Szene aus „Planet der Affen: Survival“. 1/2
    Caesar (Andy Serkis) und seine Vertrauten hoch zu Ross – eine Szene aus „Planet der Affen: Survival“. Foto: 
  • Charlton Heston (links) und Kim Hunter in „Planet der Affen“ (1968). 2/2
    Charlton Heston (links) und Kim Hunter in „Planet der Affen“ (1968). Foto: 
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Der Mensch macht sich gern zum Affen. Vor allem, wenn er sich selbst einen Spiegel vorhält, sieht er seine animalische Seite.  Was Verhaltensforscher und Evolutionstheoretiker ohnehin abnicken, inspiriert auch Autoren und Filmemacher seit den späten 60er Jahren. Nun kommt mit „Planet der Affen: Survival“ der neueste Film einer erfolgreichen Reihe in die Kinos, die die Frage „Was macht den Menschen aus?“ immer wieder neu stellt.

1963 legte der französische Schriftsteller Pierre Boulle mit „Planet der Affen“ einen abgründigen Science-Fiction-Roman vor. Darin landen irdische Raumfahrer in der Zukunft auf einem Planet, der von Affen beherrscht wird. Die Menschen wiederum gelten als Tiere und werden entsprechend behandelt. Boulles Buch ist eine gesellschaftskritische Satire, in der die Rollen von Mensch und Tier vertauscht sind.

Fünf Jahre später nahm sich Hollywood der Sache an, zwar mit einigen Freiheiten, aber Regisseur Franklin J. Schaffner gelang mit „Planet der Affen“ einer der ersten ernsthaften Genre-Klassiker. Er schickte Charlton Heston als Astronaut Taylor ins All, ließ ihn im Jahr 3978 auf einem anscheinend fremden Planeten in die Gefangenschaft der Primaten geraten („Nimm deine Pfoten von mir, du dreckiger Affe!“), aber auch die Bekanntschaft der weisen, empathischen – sozusagen menschlichen – Schimpansen Dr. Cornelius und Dr. Zira machen. Was in einem Kuss zwischen Taylor und Zira gipfelte.

Am Ende muss Taylor erkennen, dass er tatsächlich auf der Erde gelandet ist. Er bricht vor der im Sand versunkenen Freiheitsstatue zusammen und begreift: Die Menschen haben ihre Zivilisation durch einen Atomkrieg zerstört und die Affen die Herrschaft übernommen.

Ikonografische Bilder

Schaffners Streifen ist – mit klugem Drehbuch, grandiosen Masken, avantgardistischer Musik und guten schauspielerischen Leistungen, auch von Heston – tolles Kino. Er bietet ikonografische Bilder: der Mensch-Tier- Kuss, Heston in Ketten, der verzweifelte Held mit den Über­resten der Freiheitsstatue als Finale.

Vor allem funktioniert „Planet der Affen“ gleichermaßen als Action-Kino und Parabel: Gorillas spiegeln die aggressive, herrschsüchtige Seite der Menschen wider, Schimpansen die verständige, empfindsame. Die Frage, wie wir wiederum mit Tieren umgehen, stellt sich wie von selbst ein.

Der Film war so erfolgreich, dass es gleich vier Fortsetzungen gab, von „Rückkehr zum Planet der Affen“ (1970) bis „Schlacht um den Planet der Affen“ (1973), dazu zwei TV-Serien (1974/75). Darin wurde die Geschichte fortgesponnen, aber teils wieder auf die Erde der  70er Jahre verlegt – mit schwankender Qualität.

Dann war erst einmal viele Jahre Ruhe im Gehege. Bis Tim Burton 2001 eine Neuauflage drehte und in den Sand setzte. Sein Film folgt zwar der berühmten Vorlage, vernachlässigt aber die satirischen Aspekte und setzt dann noch auf eine besonders doofe Schlusspointe: In Burtons Film ist die Affen-Welt eben nicht die Erde der Zukunft, sondern ein fremder Planet – was die Aussage der ganzen Geschichte ad absurdum führt.

Burtons Film spielte zwar ordentlich Geld ein, die Produktionsfirma Fox verzichtete aber auf eine Fortsetzung und wagte sich stattdessen 2011 an einen Neustart der Reihe: ein Reboot, wie es in Hollywood heute heißt. „Rise of the Planet of the Apes“ (deutsch: Planet der Affen: Prevolution) löste sich von der Buchvorlage und den alten Filmen und schildert stattdessen, wie die Affen zur herrschenden Spezies werden.

Auf der Suche nach einem Alzheimer-Heilmittel entwickelt der Wissenschaftler Rodham ein Medikament, das offenbar als Nebenwirkung die Intelligenz von Affen erhöht.  Nach einem Zwischenfall wird die Forschung eingestellt, alle Affen im Testlabor werden eingeschläfert. Doch Rodham rettet ein Schimpansen-Kind namens Caesar und nimmt es mit nach Hause.

Caesar wächst heran, lernt und lernt – auch, seine Identität zu hinterfragen. Nach einem tragischen Unfall wird Caesar Rodham weggenommen und in ein Tierheim gebracht. Dort wird der kluge Affe gequält, er mobilisiert seine unterdrückten Artgenossen und spricht sein erstes Wort: „Nein!“ Die Primaten brechen aus, am Ende kommt es zu einer Schlacht zwischen Affen und Polizei auf der Golden Gate Bridge. Das neue Medikament entwickelt sich derweil zu einer für die Menschheit tödlichen Seuche.

Der Film enthielt sehr gute Kritiken, wobei besonders die Tricktechnik gefeiert wurde. Statt auf Masken setzten die Macher auf das Performance-Capture-Verfahren, wobei Fachmann Andy Serkis seine für den Gollum in „Der Herr der Ringe“  und den Titelhelden von „King Kong“ entwickelte Technik verfeinerte und als tiefgründiger, hoch emotionaler Darsteller von Caesar glänzte.

In der Fortsetzung „Planet der Affen: Revolution“ (2014) sind die Affen bereits in der Übermacht, angeführt von Caesar. Der schlaue Schimpanse ist allerdings zwiegespalten: Einerseits will er den Dialog mit einigen wenigen verständigen Menschen führen, andererseits gilt es, sich gegen totalitäre Überlebenden-Gruppen zu wehren. Klar ist: In diesen Filmen hat die Menschheit ihren Untergang verdient.

Nun wird die Trilogie durch „Planet der Affen: Survival“ abgeschlossen, der exzellente Kritiken bekommt. Um was es wirklich geht, sagt der Originaltitel „War for the Planet of the Apes“: Es ist der finale Kampf um die Herrschaft auf der Erde. Und so stellt sich die Frage nach wahrer Menschlichkeit ein letztes Mal.

Filmtricks Masken- und Make-Up-Fachmann John Chambers erhielt für den ersten „Planet der Affen“-Film (1968) einen Spezial- Oscar. Heute wird das Spiel der Darsteller per Computer-Tricktechnik – Performance Capture heißt das Verfahren – auf die Affenfiguren im Film übertragen. In Hollywood kündigt sich eine Diskussion darüber an, ob solche schauspielerische Leistungen (wie Andy Serkis als Caesar) nicht auch Oscar-würdig sind.

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