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Eine wichtige, viel zu früh gestorbene Malerin ist im Schauwerk Sindelfingen zu entdecken: eine Retrospektive des Werks von Susanne Paesler.

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    Kunst, Design, Werbung, Marketing: Susanne Paeslers Gemälde „Ohne Titel“ von 1994 (aus ihrem Nachlass, Galerie Barbara Weiß). Foto: 
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    Susanne Paesler 1995 in ihrem Atelier. Foto: 
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Was könnte das sein? Offensichtlich eine grünrot gemusterte Tischdecke, die über einen Keilrahmen gezogen und straff gespannt wurde? Nein, nicht ganz richtig gesehen oder besser knapp daneben geschaut, denn es handelt sich um eine Arbeit, ein Bild der 1963 in Darmstadt geborenen und 2006 im Alter von 43 Jahren an Krebs in Berlin gestorbenen Künstlerin Susanne Paesler.

Tatsächlich holte sich die studierte Kommunikationsdesignerin ihre Malmotive aus ihrem direkten Umfeld. Als Arbeitsmaterial dienten ihr etwa Werbeanzeigen von Chanel bis Shiseido, wichtige Anregungen kamen aus der Wohnwelt, und das hieß sowohl Sommerkleider, Blazer und Stofftaschen als auch Geschirrtücher, Wandbehänge oder Blümchentapeten.

Nicht dass sich die Künstlerin jetzt diese Vorlagen malerisch angeeignet hätte, indem sie sie auf der Leinwand neu interpretiert oder dass sie einen besonderen Mal-Realismus entwickelt hätte, ihr Interesse galt einzig und allein den Bildmustern, die sie da in Tischdecken und Geschirrtüchern entdeckt hatte. Susanne Paesler betrieb  stets eine Art von analytischer Malerei, sie gab sich selbst so etwas wie einen Forschungsauftrag, sie wollte mit Hilfe der Malerei beispielsweise ergründen, mit welchen Mustern wir täglich gefüttert werden und welche davon sich so fest in unserem Bewusstsein beziehungsweise Unterbewusstsein verankern, dass sie unser Wahrnehmungsverhalten stark beinflussen.

Noch spannender wird es, wenn die Malerin bei ihren großen Kollegen wie Josef Albers, Lucio Fontana oder Jackson Pollock anklopft und herausfinden will, warum diese Großmeister einen solchen Bedeutungs- und Bekanntheitsgrad erreicht haben.  Weil sie, so führt Susanne Paesler in ihren Bildern vor,  ähnlich wie Großfirmen unverwechselbare Markenzeichen gesetzt haben, die einen hohen Wiedererkennungswert garantieren. Am Beispiel Albers demonstriert die Malerin, dass übereinander gelagerte Quadrate – also die berühmte Hommage to the Square –  auch wenn man sie mit dicken Farbbändern überzieht, einfach nicht aus dem Bild beziehungsweise aus dem Kopf zu kriegen sind. Dasselbe gilt natürlich auch für Fontanas Leinwand-Einschnitte und Pollocks Dripping-Etuden.

 Diese Künstlerlogos, die da allenthalben auftauchten, haben die Malerin Susanne Paesler aber in keiner Weise beunruhigt, im Gegenteil, sie war fasziniert davon, wie hier Kunst, Design, Werbung und Marketing plötzlich unisono an einem Strang zogen. Und das ging so weit, dass Susanne Paesler auf einem ihrer letzten Bilder die eigene Signatur als grafische Delikatesse in schönsten Werbe-Blockbuchstaben aufscheinen lässt. Die vom Kunstmuseum Bonn und dem Sindelfinger Schauwerk gemeinsam erarbeitete erste große Retrospektive für Susanne Paesler lässt einen mit der Frage zurück, welche interessanten Forschungsaufgaben sich diese Künstlerin noch gegeben hätte, wenn ihr noch mehr Zeit geblieben wäre.

Info „Susanne Paesler Retrospektive“ bis 22. Januar 2017 im Schauwerk in Sindelfingen, Eschenbrünnlestraße 15; Di und Do 15-16.30 Uhr, Sa und So 11-17 Uhr.

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