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Mit Glanz und Gloria

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Erstrahlt in neuer Pracht: die Staatsoper Unter den Linden.  Foto: 

Na ja, das kennt man von Berlin. Große Bau-Vorhaben sind hier meist vom Pech verfolgt. Nur das Ergebnis zählt. Und das, zum Glück, kann sich wirklich sehen lassen. Aber es wurde sündhaft teuer und dauerte elend lang. Aus berechneten drei Jahren Bauzeit wurden sieben und statt den eingeplanten Kosten von 200 Millionen schlagen nun 400 Millionen zu Buche. Und selbst bei der mit Glanz und Gloria in Szene gesetzten Eröffnungs-Gala mit Robert Schumanns Szenen aus Goethes „Faust“ hat hinten und vorne noch nicht alles korrekt den Betrieb aufgenommen. Aber geschenkt, bloß Schönheitsfehler, dass einer der unzähligen Kronleuchter sein Licht im Foyer noch nicht richtig erstrahlen ließ, das Damenklo nicht funktionierte, und die Herren dort, wo sie bisher pinkeln gehen durften, nun vor einem Lift standen.

Preußens ganzer Stolz

Das Haus aber, Preußens ganzer Stolz seit den königlichen Zeiten Friedrichs des Großen, ist jetzt wieder so aufpoliert rekonstruiert, wie es die DDR in den 50er-Jahren aus der Kriegsruine auferstehen ließ: gold-verschnörkeltes Edel-Rokoko für die sozialistisch Werktätigen.

Aber die inzwischen vergangenen 65 Jahre offenbarten, was nun dringend saniert und verbessert werden musste. Äußerlich zurück zum schimmernden Zartrosa, innen vor und hinter den Kulissen alles nicht nur frisch gestrichen und auf zeitgemäße Digital-Steuerungstechnik hochgerüstet, sondern auch, was die bislang völlig unbefriedigende Akustik betrifft, durch Um- und Einbauten in einen Zustand versetzt, wie ihn die zweieinhalb Jahrhunderte alte Staatsoper noch nie gehabt hat: Nachhall statt 1,0 Sekunden nun 1,6. Und das kommt vor allem dem Orchester zugute, vorne links und rechts von der Mitte genauso gut ausbalanciert hörbar wie in der letzten Reihe des dritten Rangs.

Apropos dritter Rang: Die bequemen neuen Sitze lassen dort und auch schon im zweiten Rang verdammt wenig Beinfreiheit, ganz im Gegensatz zum Parkett, wo die aufgelockerten Reihen jede Menge Platz bieten. Oben wurde es deshalb so eng, weil dort unter der um ein paar Meter erhöhten himmlischen Decke ein mächtiger Nachhall-Leerraum eingebaut wurde, dessen rautenförmig sich verjüngende Keramik-Netzwaben das spektakulärste optische Element des  Hauses geworden sind. Und rundum alles licht und menschenfreundlich mit echtem Marmor und dem teuersten Holzboden, der auf dem Markt zu haben war. Nicht pompös einschüchternd, sondern letztlich intim einladend. Eine Wohlfühl-Oper für die ganze Familie.

Die Eröffnung, auf den Tag der deutschen Einheit gezwängt, kam freilich etwas zu früh – richtig los geht es denn auch erst im Dezember. Die gesamte Polit-Prominenz war zugegen, 50 Ehrengäste zierten die Einladungsliste bis hin zu Fußballtrainer Otto Rehhagel. Die Berliner Republik feierte sich selbst.

Jetzt hat eigentlich nur noch gefehlt, dass auch die künstlerische Gala-Vorstellung überzeugend gelungen wäre. War sie aber leider nicht. Dreieinhalb Stunden. Und das bloß, weil  Hausherr Jürgen Flimm auf die Idee gekommen ist, die knapp zwei Stunden Schumann-Musik anhand von ein paar weiteren Szenen aus Goethes „Faust“ von Schauspielern spielen zu lassen. Die deklamierten wild drauflos, fühlten sich aber zurecht unwohl auf der Opernbühne, die zudem grotesk zugestellt wurde von zwei bunten klobig-klotzigen Türsteher-Riesen aus der Hand des als Maler etwas leichter verdaulichen Großkünstlers Markus Lüpertz.

Pauschaler Mischklang

Bleibt die jetzt so unheimlich eins zu eins hörbare Staatskapelle unter ihrem Chef Daniel Barenboim. Und der bekam schon Standing Ovations, bevor er überhaupt den ersten Ton hatte anstimmen lassen. Die anfangs stark an die „Rheinische Sinfonie“ erinnernden Faust-Szenen Robert Schumanns sind aber nicht unbedingt sein Ding: Er nahm die raffinierten Klangfarben meist als pauschalen Mischklang und ging erst beim dritten Teil, Fausts Verklärung, zusammen mit dem exzellenten Staatsopern-Chor in die mystischen Tiefen.

Auch die hauseigenen Sänger, Roman Trekel als dröger Faust, Elsa Dreissig als barmendes Gretchen und René Pape als kaum zum Einsatz kommender, aber umso spielfreudiger Mephisto, konnten der hauptsächlich auf die fabelhafte neue Bühnentechnik und ihren entfesselten Beleuchtungszauber Wert legenden Aufführung kaum Profil geben. „Zum Augenblicke sagen: verweile doch, du bist so schön!“ Das gilt fürs Erste nur fürs Haus.

Stardirigent Berlin verdankt dem nicht zuletzt auch politisch höchst hilfreich völkerständigungsaktiven Daniel Barenboim unendlich viel. Zuletzt hatte er den von seinen Freunden privat finanzierten Pierre-Boulez-Saal direkt hinter der Staatsoper als ein feingeschliffenes Architektur-Juwel gestiftet – eine kühn gewellte Elbphilharmonie im Kleinen und vom ersten Tag an mit exquisitem Kammermusik-Programm. cm

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