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Mannheimer Kunsthalle: Meistermaler unter sich

Einen starken Auftritt haben Édouard Manet, Paul Cézanne und Vincent van Gogh derzeit in der Mannheimer Kunsthalle. Moderne Nachfolger wie Ellsworth Kelly und Piet Mondrian werden da zur Nebensache.

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Das Schlüsselwerk aus dem "Franzosensaal" mal wieder in den Vordergrund gerückt: Manets "Die Erschießung Kaiser Maximilians".  Foto: 

Es ist schon aller Ehren wert, wenn sich das Team der Kunsthalle Mannheim überlegt, wie man die Interimszeit bis zur Eröffnung des neuen Hauses vermutlich 2017 mit publikumswirksamen Ausstellungen füllen kann. So wurde die Idee geboren, doch wieder einmal die eigenen Schlüsselwerke aus dem historischen "Franzosensaal" nach vorn zu bringen und neu zu positionieren.

Schlüsselwerke, das heißt für die Mannheimer zuvorderst natürlich das immer wieder hochgelobte Prachtstück aus der Werkstatt des Édouard Manet, die 1868/69 gemalte "Erschießung Kaiser Maximilians". Ein Bild, das nicht öffentlich gezeigt werden durfte, denn Manet hatte die kaiserliche Zensur auf den Plan gerufen, weil er dem Erschießungskommando bösartigerweise französische und nicht - wie es korrekt gewesen wäre - mexikanische Uniformen verpasst hatte.

Die Mannheimer Kunsthalle hat in ihrer "Franzosen"-Abteilung neben Manet noch etliche andere bedeutende Wegbereiter der Moderne aufzuweisen, so etwa Cézanne, Corot, Courbet, Delacroix, Monet, Pissarro, Renoir, Sisley und schließlich auch den damals überhaupt wohl genialsten Kunsterneuerer: Vincent van Gogh.

Kuratorin Marie-Amélie zu Salm-Salm hat zweierlei getan, um der Ausstellung "Manet, Cézanne, Van Gogh - aus aller Welt zu Gast" den nötigen Pep zu verleihen. Einmal hat sie in den Museen von New York bis Den Haag und Wien nach würdigen und passenden Pendants zu den Mannheimer Bildern geforscht und ist fündig geworden.

So hängt Manets "Erschießung" jetzt Manets ebenso imposanter "Toter Torero" von 1864/65 aus der National Gallery in Washington gegenüber, Cézannes Mannheimer "Raucher mit aufgestütztem Arm" von 1890 hat mit Cézannes "Kartenspielern" von 1892 aus dem Courtauld Institute in London beste Gesellschaft bekommen und van Goghs Mannheimer "Rosen und Sonnenblumen" von 1886 wurden mit einer van Gogh-"Vase mit Astern und anderen Blumen" von 1886 aus dem Gemeentemuseum im holländischen Den Haag aufgehübscht.

Der zweite Einfall der Kuratorin, die Wurzeln der Moderne etwa in der Kombination von Alfred Sisleys impressionistisch aufbereitetem "Eine Straße in Marly" von 1876 mit der 1951 entstandenen total verpixelten abstrakten Flussbeschreibung "Seine" von Ellsworth Kelly aufzuzeigen, will nicht so recht zünden. Zumal auch bei der Gegenüberstellung von Cézannes "Raucher" und Piet Mondrians aus der schweizerischen Fondation Beyeler stammenden und 1932 gemalten "Komposition mit Gelb und Blau" der Betrachter kunsthistorisch so bewandert sein muss, dass er mitbekommen hat, dass sich Mondrian die Gitterstrukturen bei Cézanne sehr genau angesehen und sie dann zu seinem eigenen, alles bestimmenden Bildkompositionsprinzip gemacht hat.

Doch angesichts der unglaublichen Präsenz eines "Früchtestilllebens" von Auguste Renoir, der so richtig ans Herz gehenden Dramatik des "Türkischen Frauenraubs" von Eugène Delacroix und eben auch angesichts des unfassbaren Charmes und der Gelassenheit der "Kartenspieler" von Paul Cézanne bleiben die Vertreter der abstrakten Moderne wie Josef Albers, Ellsworth Kelly und Piet Mondrian ohnehin eine ziemlich unwichtige und unbeachtete Nebensache.

Franzosen in Mannheim

Ausstellung "Manet, Cézanne, Van Gogh - aus aller Welt zu Gast" ist bis

18. Januar 2015 in der Kunsthalle Mannheim zu sehen; Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr. Mehr

Informationen dazu finden sich im Internet unter www.kunsthalle-mannheim.de

SWP

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