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Tom Petty: Märchenerzähler des Rock

Er gehörte zu den Größen, galt als einer der gehaltvollsten Songwriter. Tom Petty ist jetzt im Alter von 66 Jahren überraschend gestorben.

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Eines seiner letzten Konzerte: Tom Petty Mitte September auf der Bühne des Kaboo Festivals in San Diego.  Foto: 

Als hätte er es geahnt: Vor wenigen Tagen erst  hatte Tom Petty mit seinen Heartbreakers eine Tournee zum 40-jährigen Bandbestehen abgeschlossen. Eine Abschiedstournee dieser Formation sollte es sein, denn eines wusste der  66-jährige Musiker, der zu den konstantesten Songwritern des Rock gehörte: Ein Leben ohne Musik wäre für ihn unmöglich. In New York waren noch Solokonzerte von ihm angesetzt gewesen. Jetzt ist der Sänger überraschend gestorben.

Seine „Heartbreakers“ waren ein eingespieltes Kollektiv, das den Songs Pettys ein unverwechselbares Äußeres gab: eine wunderbar entspannte Mischung aus Westcoast-Sound und Americana. Dabei gelang es dem Sänger immer wieder, Tradition mit Moderne zu verbinden. Seine Arrangements klangen mit den vollsaftigen Akkorden und der akustischen Zwölfsaitigen auf der einen Seite herrlich altmodisch, hatten aber immer eine ganz auf die Gegenwart zielende flirrende aktuelle Komponente.

Und Petty war auch einer, der sehr schnell merkte, welch wunderbare Ergänzung ein Musikvideo sein kann. Seine Videos waren meist mehr als reine Illustrationen der Songs, da wurden die Geschichten, die Petty in seinen Songs erzählte, zu kleinen Spielfilmen – oft mit veritablen Stars besetzt wie etwa in „Into The Great Wide Open“. In dem Video hatten neben Johnny Depp als rebellierendem Rockstar und Faye Dunaway als dessen Managerin auch andere Größen wie Terence Trent D‘Arby, Chynna Phillips und Matt LeBlanc Cameo-Auftritte. Songs wie „American Girl“, „Free Fallin‘“, „Refugee“ und „I Won‘t Back Down“ sind längst Klassiker und haben sich nicht nur ins Gedächtnis einer Generation eingebrannt.

Pettys Karriere fing an, als der damals Zehnjährige aus Florida einem jungen Mann vorgestellt wurde – Elvis Presley. „Er sah unwirklich aus, als würde er hell strahlen“, erinnerte sich Petty viele Jahre später in einem Interview. Faszinierend, geradezu spirituell sei Elvis mit seiner Entourage gewesen. „Es war wie eine Prozession in der Kirche. Eine Schlange weißer Cadillacs und Mohair-Anzüge.“ Als er im Februar einen Grammy für sein Lebenswerk erhielt, stellte sich Petty in seiner Dankesrede in eine Linie mit afroamerikanischen Musikern wie Chuck Berry, denen er viel verdanke.

Wie viele Rockmusiker seiner Generation entdeckte er aber den Rock ’n’ Roll über die Beatles, als er die Pilzköpfe 1964 in der Ed Sullivan Show sah. Dieses Erlebnis habe ihm die Augen geöffnet „und ich habe mich der Verschwörung angeschlossen, um schwarze Musik ins weiße Radio zu bringen“.

Nach der Schule ging er noch kurz auf ein College, aber dann begann er, Bands zu gründen. Mit Tom Petty & the Heartbreakers feierte er schon in den 70er Jahren Erfolge, erst in Europa, dann auch im Heimatland. In den 80ern gehörten Petty und die Heartbreakers zu den festen Größen im amerikanischen Musikgeschäft und spielten mit Grateful Dead und anderen Rocklegenden zusammen.

Dann kamen die Traveling Wilburys, eine Superband aus lauter erfolgreichen, aber teils recht ausgebrannten Superstars, die Petty, der Zeit seines Lebens mit Depressionen zu kämpfen hatte, dazu animierte, doch noch mal gemeinsam etwas Neues zu wagen: mit Ex-Beatle George Harrison, Roy Orbison, Electric-Light-Orchestra-Mastermind Jeff Lynne, Bob Dylan und Tom Petty, der sich in dieser Formation den Kunstnamen Muddy Wilbury zulegte.

Die fünf Legenden produzierten ein erstaunlich leichthändiges Debüt, das auf Anhieb die Charts stürmte, doch dann starb überraschend Roy Orbison. Die übrigen vier machten zwar noch eine zweite Platte, dann war Schluss. Immer wieder wurde über ein neues Projekt gemunkelt, doch die letzte Hoffnung starb 2001 mit Harrison.

Petty, der auch eine eigene Radioshow hatte, rückte in den 90ern vom Rock ab, schrieb 1996 für „She’s The One“ mit Jennifer Aniston und Cameron Diaz sogar Filmmusik. Das letzte Album der Heartbreakers, „Hypnotic Eye“, schaffte es aber 2014 wieder auf Platz eins der US-Charts.

Mit der Musik aufhören wollte Petty, der zum zweiten Mal verheiratet war und aus erster Ehe zwei Töchter hatte, noch lange nicht. Aber die gerade beendete Heartbreakers-Tour werde wohl die letzte große US-Tournee sein, hatte er zuvor dem „Rolling Stone“ in einem Interview gesagt. „Ich denke, es wird meine letzte Reise durchs Land sein. Wir sind ja alle weit über 60. Ich habe jetzt eine Enkeltochter, die ich so viel wie möglich sehen möchte. Ich möchte mein Leben nicht auf Reisen verbringen.“

Auszeichnungen Tom Petty war nicht nur einer der erfolgreichsten Künstlern seit den 70ern, er wurde auch mehrfach ausgezeichnet. Allein für den Grammy war Petty zehn Mal nominiert gewesen. In diesem Jahr bekam er den Grammy fürs Lebenswerk. Petty und die Heartbreakers haben auch einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.

Ranking Auf den ewigen Bestenlisten es Musikmagazins Rolling Stone wird Petty auf Rang 91 der 100 größten Musiker geführt und auf Rang 59 der 100 besten Songwriter aller Zeiten.

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